10 Jahre vor dem Neo-Mini surfte Japan bereits auf der Retro-Welle

Man kennt sie. Und irgendwie auch wieder nicht. Die Rede ist nicht von den eigenen Nachbarn, sondern von Autos, die so unauffällig blieben, dass sie heute nur eingefleischte Fans noch kennen. Solche Modelle müssen nicht zwangsläufig Flops gewesen sein, aber sie liefen unter dem Radar des gewöhnlichen Autokäufers. In unregelmäßiger Folge holen wir hier unter dem Titel "Kennen Sie den noch?" solche Old- und Youngtimer aus dem Nebel des Vergessens.

Dreißig Jahre sind inzwischen vergangen, seit der Nissan Figaro auf den Markt kam: Der Name mag in Europa kaum bekannt sein, da das Modell nie offiziell importiert wurde (abgesehen von ein paar wenigen Exemplaren, die in Großbritannien landeten). Aber in Japan erinnert man sich gut an dieses lustige kleine Auto und die Begeisterung, die es auslöste.

Abgesehen von der Sympathie, die er erzeugt, gilt der Figaro - obwohl kein Revival eines bestimmten Modells - als Stammvater eines Trends, dem der "Revival Cars", Neuauflagen oder modernen Neuinterpretationen klassischer Modelle, wie dem Volkswagen New Beetle, dem Mini ab 2001 oder dem Fiat 500 ab 2007.

Nissan Figaro

Der Nissan Figaro ist das letzte Modell des sogenannten Pike-Cars-Programms. Dabei handelte es sich um eine Serie von Autos mit einem eindeutig von der Vergangenheit inspirierten Stil. Sie wurden geschaffen, um die Wahrnehmung der Marke Nissan (auch wenn sie ohne das Logo des Unternehmens herausgebracht wurden) in der breiten Öffentlichkeit zu verbessern.

Tatsächlich hatte der japanische Hersteller damals einen guten Ruf in Sachen Qualität (den er sich vor allem mit den robusten Geländewagen der Patrol-Familie und den Navara-Pick-ups verdiente), litt aber unter einem glanzlosen Image. Autos von Nissan waren zuverlässig, aber abgesehen von den Z-Modellen und den scharfen Skyline-Versionen ziemliche Langweiler.

Nissan Figaro Concept 1989

Die ersten Pike Cars waren der Be-1 und der Pao, basierend auf der ersten Generation des Micra. Der eine erinnerte vor allem an den Mini Cooper, der andere nahm Elemente des Renault 4, des Citroën 2CV und des Fiat 500 auf, beide wurden in Kleinserie gefertigt.

Der Figaro, der als Konzeptfahrzeug auf der Tokyo Motor Show 1989 debütierte, schlug er ein wie eine Bombe: Bei einer geplanten Produktion von 20.000 Exemplaren überstiegen die Anfragen die Zahl von 300.000, was Nissan dazu zwang, eine Lotterie zur Zuteilung der ab 1991 produzierten Fahrzeuge durchzuführen.

Der Erfolg des Figaro lag zweifellos an seinem Styling: Die Frontpartie erinnerte an den Datsun Fairlady, einen kleinen Sportwagen der 1960er-Jahre, während die Cabrio-Karosserie mit Rolldach und festen Säulen auch an den Autobianchi Bianchina Trasformabile erinnerte.

Nissan Figaro

Das Styling war eine Hymne an die einfachen, elementaren Linien der französischen und italienischen Autos der 50er Jahre war. Und zwar nicht nur in den äußeren Formen und kleinen Abmessungen, sondern auch im Inneren, in der Gestaltung und Bedienung der verschiedenen Schalter und Hebel.

Selbst die Farben waren ein klarer Verweis auf die Vergangenheit, denn es gab nur vier Lackierungen, die alle streng pastellfarben waren (smaragdgrün, hellblau, cremefarben und dunkelgrau), während die Mechanik und die Ausstattung, zeitgemäß waren.

Der Antrieb stammte vom Micra in der Japan-Version, darunter der 1,0-Liter-Turbobenziner mit 75 PS plus Dreigang-Automatik. Die Ausstattung war mit Klimaanlage, Servolenkung, elektrischen Fensterhebern, CD-Radio und Lederpolsterung äußerst komplett. Gut so, denn mit 1,8 Millionen Yen (damals gut 23.000 DM) war der Figaro kein Sonderangebot.

Bildergalerie: Nissan Figaro 1991