Vorerst bleibt der bunte Kleinwagen aber ein Unikat

Er war der vermutliche bunteste VW, den es gab: 1995 startete die Produktion des Polo Harlekin. Zum Geburtstag erinnert jetzt Volkswagen Niederlande an den rollenden Farbklecks. Eigentlich sollte der originale Polo Harlekin gar nicht in Produktion gehen, wurde aber dann mit über 3.800 Einheiten zu einem unerwarteten Erfolg.

Alles begann im Jahr 1994, als VW die dritte Generation des Polo vorstellte. Dieses intern bezeichnete 6N-Modell war in vielerlei Hinsicht ein großer Fortschritt. Es war beispielsweise der erste Polo mit optionalen hinteren Türen, zudem gab es endlich wichtige Sicherheitsmerkmale wie Airbags, Gurtstraffer und ABS.

Eine andere Sache, die den neuen Polo anno 1994 einzigartig machte, war das sogenannte "Baukasten-System". Dank vier Bausteinen (Antrieb, Ausstattung, Optionen und Farbe) war es einfacher als je zuvor, einen Polo nach Ihren Wünschen und Vorlieben zusammenzustellen.

Um diese vier Bausteine ​​zu visualisieren, hatte Volkswagen einen Farbcode entwickelt. Blau stand für Motor und Fahrwerk, Gelb für Ausstattung, Rot für Optionen und Grün für Lackfarben. Um die Codesprache noch anschaulicher zu machen, stellte VW bei Händlerveranstaltungen zwanzig Polos in diesen Farben für Werbezwecke vor.

VW Polo Harlekin (2021) Niederlande

Viele Menschen und damit (potenzielle) Kunden sahen diese Autos. Und dann passierte etwas, das Volkswagen nicht berücksichtigt hatte: Es gab Kunden, die darauf bestanden, genau einen so farbenfrohen Polo zu haben. (Ähnlich wie übrigens auch beim Tarnmuster des ID.3.) VW nahm die Kundennachfrage ernst und startete 1995 eine Produktion von 1.000 Vierfarben-Polos. Diese Produktionsversionen wurden Harlekin genannt.

Ein treffender Name: Harlekine sind fröhliche, akrobatische, etwas boshafte und bunt gekleidete Figuren aus der italienischen Commedia dell'arte. Die Produktion des Polo Harlekin war ein Kunstwerk für sich. Für einen Harlekin produzierte Volkswagen zunächst vier normale Polos in den Farben Blau, Rot, Gelb und Mintgrün. Karosserieteile wie Motorhaube, Heckklappe, Türen, Stoßstangen und Spiegel dieser Autos wurden nach einem festen Muster ausgetauscht.

Die Grundfarbe eines Harlekins ist jene, die man auf dem Dach, den Schwellern und im Motorraum findet. Um eine Vorstellung vom Farbmuster zu bekommen, haben bei jedem Harlekin der vordere Stoßfänger, die vorderen Türen und die Spiegel dieselbe Farbe. Ebenso ist es bei den hinteren Türen und dem hinteren Stoßfänger.

VW Polo Harlekin (2021) Niederlande

Als Kunde konnten Sie einen Polo Harlekin bestellen, aber keine Präferenz für (zum Beispiel) die Grundfarbe angeben. Man musste abwarten, welche der vier verfügbaren Farbkombinationen man schließlich erhalten würde. Der Innenraum des Polo Harlekin war - besonders für einen Volkswagen aus dieser Zeit - schön und farbenfroh. Die "Joker"-Polsterung war mit den vier Grundfarben des Harlekin ausgestattet, ein blaues Leder-Sportlenkrad und ein Schaltknauf mit Harlekin-Logo waren in jeder Version Standard.

Auch schön: Das Radio im Polo Harlekin war von Blaupunkt (!). Weitere Erkennungszeichen waren das Harlekin-Logo an der Heckklappe, weiße Blinker an der Vorderseite und dunkel getönte Rücklichter. Die ersten 1.000 Harlekin-Polos wurden ebenfalls mit einem nummerierten Schlüsselring und einem Zertifikat geliefert.

Der Polo Harlekin wurde nie in das niederländische Lieferprogramm aufgenommen. Das ändert nichts an der Tatsache, dass dort nachträglich aufgrund der Nähe zu Deutschland viele Harlekins gelandet sind. Eine niederländische Besitzerin, die verrückt nach ihrem Harlekin ist, wurde einmal von der Polizei festgenommen. Nicht wegen eines Verstoßes, sondern nur, weil die betreffenden Beamten wissen wollten, welche Farbe auf dem Registrierungszertifikat angegeben ist.

VW Polo Harlekin (2021) Niederlande

In Deutschland ist der Polo Harlekin bis heute mit einer großen Fast-Food-Kette verbunden. Kunden erhielten bei der Bestellung eines Menüs einen Teil eines Fotos. Sechs verschiedene Fotos bildeten zusammen einen Polo Harlekin. Mit diesen sechs Bildern konnte man an einer Lotterie teilnehmen. Und so fanden nicht weniger als 500 Harlekin-Polos einen neuen Besitzer.

Insgesamt produzierte Volkswagen 3.806 Exemplare des Modells. Die Idee von Karosserieteilen in verschiedenen Farben war für Volkswagen nicht ganz neu. Eine Anzeige aus dem Jahr 1964 zeigte einen bunten Käfer. Diese Werbung sollte zeigen, wie leicht Teile von Käfer-Modellen aus verschiedenen Baujahren austauschbar waren.

Die Harlekin-Idee ist übrigens auch international geworden. Was wenig bekannt ist: 1996 war der Golf in den USA als Harlekin erhältlich - nach dem Polo-Rezept und damit mit ähnlichen Farbschemata. 246 Exemplare wurden produziert. Warum Golf? In den USA wurde der Polo nicht angeboten. Die bunten Gölfe entstanden im mexikanischen Werk in Puebla.

Und der Holland-Harlekin? Er bleibt vorerst ein Einzelstück im Sinne einer Hommage. Aber wir hätten da eine Bitte an VW-Markenchef Ralf Brandstätter: Wie wäre es mit einem ID.3 als Harlekin? Wir würden ihn fahren.

Bildergalerie: VW Polo Harlekin (2021) Niederlande