Nur keine Angst vor dem Namen Ka!

Unsere geschätzten Leser haben bestimmt schon einmal die Rubrik "Kennen Sie den noch?" studiert. Dort stellen wir Autos von früher vor, die inzwischen fast vergessen sind. Doch was ist mit den Modellen, die durchaus noch zahlreich im Straßenverkehr umherfahren? Jene Typen, die jeder kennt, die aber auch schon gut 20 Jahre auf dem Buckel haben.

Werden sie einmal Oldtimer? Das birgt Zündstoff für kontroverse Diskussionen. Einige dieser Modelle wollen wir in unserer neuen Reihe "Klassiker der Zukunft?" vorstellen.

Woran denken Sie beim Thema "kleine spaßige Roadster"? Bestimmt an den Mazda MX-5. Oder den BMW Z3, die Fiat Barchetta oder gar den Daihatsu Copen. Aber einen Ford hat niemand auf dem Schirm. Dürfen wir vorstellen: den Streetka, gebaut zwischen 2003 und 2005.

Pro:

Speziell in Rot sieht der kugelige Ford Streetka aus wie die 313, das Auto von Donald Duck. Sympathiefaktor: hoch. Natürlich denkt man spontan, vor einem stünde die Cabrioversion des ersten Ka. Doch so einfach ist es nicht. Gewisse Komponenten inklusive des Cockpits stiftet zwar der Ka, aber weite Teile der Karosserie sind eigenständig. 

Hinzu kommen serienmäßige 16-Zoll-Alus und ein sportlicher abgestimmtes Fahrwerk. Ein großer Pluspunkt des Streetka: Er rostet bei weitem nicht so brutal wie der normale Ka. Auf die Türen sollte man dennoch einen Blick werfen.

Sein Debüt hatte der Streetka noch als "Ford Roadster Concept" bereits auf dem Turiner Autosalon im Jahre 2000 gegeben. Zugrunde lag die Studie "Saetta" von 1996. Die äußerst positiven Reaktionen des Publikums sorgten drei Jahre dafür, dass die frech gestylte Studie von damals nun unter dem Namen "Streetka" in Serie ging.

Ford Streetka (2003-2005)

"Das Streetka-Konzept wurde vom Ford Ghia Design Studio in Turin entwickelt", vermeldete Ford. "Mit der Transformation des Konzepts ins Serienfahrzeug wurden die Spezialisten von Pininfarina SpA beauftragt. Ihre Aufgabe bestand darin, möglichst nahe am Showfahrzeug die Serienvariante auf Basis des Ford Ka für den Verkaufsstart und die Volumenproduktion Anfang nächsten Jahres vorzubereiten …"

Was in der Pressemeldung vom 27. März 2002 noch vergleichsweise nüchtern klingt, entpuppt sich in der Realität als ein nett gestylter Roadster auf Basis des Ka, der ausschließlich bei Pininfarina in Italien produziert werden wird.

Kommen wir zu den Fakten: Es gibt nur einen Motor, den 1,6-Liter-Benziner mit Steuerkette und 70 kW (95 PS) Leistung. Das reicht für 135 Newtonmeter maximales Drehmoment bei 4.250 Touren. In 12,1 Sekunden beschleunigt der 1.136 Kilogramm schwere Streetka auf Tempo 100. Maximal sind 173 km/h drin. Platz ist im 3,65 Meter kurzen Streetka für zwei Personen. Über sie spannt sich ein Stoffverdeck, ab 2004 ist auch ein Hardtop im Angebot.

Ford Streetka (2003-2005)

Die Medien zeigen sich seinerzeit angetan. Ein Beispiel:"Warum mussten wir sechs Jahre auf dieses Auto warten?", fragt die FAZ. Mit diesem Fahrzeug sei Ford "ein fast perfekter Roadster gelungen", schon für 16.990 Euro erhalte man ein "schniekes Wägelchen", mit dem es sich "wunderbar knuffig um die Ecken sausen lässt".

"Ford baut ein Gute-Laune-Auto mit Sex-Appeal", befindet die "Auto Motor und Sport". Spontane Sympathie-Bekundungen ("Daumen hoch und ein Lächeln im Gesicht") auf den Straßen gäben Anlass zu der Annahme, dass Ford wieder einmal ein feines Näschen und das richtige Händchen bewiesen habe. Von vorne sei die Abstammung vom Ka unverkennbar, das eigenständige Heck mit den "kräftigen runden Backen" sei "richtig knackig".

Ford Streetka (2003-2005)

Doch nicht nur als Blickfang brilliert der offene Ka. Auch die Rolle des Spielzeugs, so die "ams" in einem Vergleichstest mit einem italienischen Konkurrenten, erfülle der Streetka "fast perfekt". Denn: "Er fährt sich beinahe so agil wie ein Kart, ist ausreichend komfortabel und sehr preisgünstig".

Und der "Stern" fordert seine Leser euphorisch auf: "Kauft, Leute, kauft! Der Streetka wird nur bis 2005 gebaut. Da entsteht ein Klassiker von morgen". Recht haben sie: In zwei Jahren entstehen nur 37.000 Exemplare, danach benötigt Pininfarina die Kapazitäten für das Focus Cabriolet. 

Contra:

Ja, der Ford Streetka sieht wirklich aus wie das Gefährt von Donald Duck. In so einem Comicauto möchte man doch nicht wirklich gesehen werden. Agilität hin oder her, aber dann kauft man sich doch besser gleich einen Mazda MX-5. Denn der hat das bessere Image. 

Ford Streetka (2003-2005)

Aber der Streetka? Frauenauto. Und formal nicht wirklich ausgewogen. Nicht umsonst bewirbt Pop-Ikone Kylie Minogue die Serienversion des kleinen Roadsters, der Anfang 2003 auf den Markt kommt. Er ist auf Kylies "European Fever Tour 2002" (mit Ford als Sponsoring-Partner) auf exklusiven Fotos zusammen mit der Sängerin zu sehen. Wessen Hintern schöner ist, lassen wir mal dahingestellt. 

Überhaupt der Ford Streetka und die Promis: Alexander Klaws und Juliette Schoppmann zum Beispiel. Echte Kandidaten für unsere Rubrik "Kennen Sie den noch?". Die beiden Finalisten der ersten Staffel der RTL-Castingshow "Deutschland sucht den Superstar" dürfen – noch vor der offiziellen Markteinführung des Streetka im August 2003 – jeweils ein von Ford gestiftetes Exemplar übernehmen.

Kurz zuvor hat es Juror Bohlen seinen Karriere-Aspiranten bereits vorgemacht und seinen persönlichen Streetka im Kölner Werk persönlich abgeholt – außen in Silber, innen mit schwarzem Leder.

Ford Streetka (2003-2005)

Nicole Hohloch (heute: Seibert), die bis dato einzige deutsche Gewinnerin eines „Grand Prix de la Chanson Eurovision“ (1982 mit "Ein bisschen Frieden"), holte sich im Ford-Werk Saarlouis/Saarland den Schlüssel ihres Streetka (silbermetallic) in "Elegance"-Ausstattung ab. Immerhin gab es im "Elegance" Leder und eine Klimaanlage serienmäßig, was die ganze Sache etwas besser macht. 

Weitere mehr oder minder prominente Streetka-Fahrer von einst: Gaby Köster, Nina Petri, Saskia Vester, Heio von Stetten und Peter Sattmann, ferner die Boxweltmeisterin Daisy Lang, Stabhochspringer Tim Lobinger und die Musiker der kölschen Mundartgruppe "Bläck Fööss". Einer ihrer größten Hits: "Drink doch eine met". Schaden tut das bei der Optik des Streetka nicht.

Fazit: 6/10

Wird der Ford Streetka mal ein Oldtimer? Immerhin trägt er einen berühmten Namen (Pininfarina) und wurde nicht allzu oft gebaut. Zudem ist er knuffig, fährt sich agil und ist relativ solide. Aber ihm haftet der miese Ruf des normalen Ka an. Und man muss die Optik des Streetka mögen. Hinzu kommt das Image eines Frauenautos. Warum die Leute also mit dem Finger auf Sie zeigen, muss Ihnen egal sein.

Bildergalerie: Ford Streetka (2003-2005)