NA vs. NB: Welcher MX-5 macht mehr Spaß?

1,1 Millionen gebaute Exemplare und kein Ende in Sicht: Vor 30 Jahren wurde der Mazda MX-5 vorgestellt. Entgegen aller Prognosen mauserte er sich zum meistverkauften Roadster aller Zeiten. Speziell die ersten beiden Generationen (intern NA und NB genannt) rücken immer stärker in den Fokus von Freunden des gepflegten Altblechs. Zum runden Geburtstag konnten wir zu Vergleichszwecken sowohl den NA als auch den NB fahren. 

Blicken wir aber zuerst auf die Entstehungsgeschichte des Mazda MX-5: Auf der einen Seite haben wir Bob Hall, ein US-Motorjournalist mit besten japanischen Sprachkenntnissen. Auf der anderen Seite steht Kenichi Yamamato, als Bändiger des Wankelmotors bis Ende der 1970er-Jahre zum Entwicklungschef von Mazda aufgestiegen. 1979, als die letzten englischen Roadster dahinsiechen, schildert Hall gegenüber Yamamoto sein Traumauto: ein kleiner Roadster mit Frontmotor und Hinterradantrieb, allerdings deutlich zuverlässiger als die alten Briten. Nach einer Testfahrt in einem Triumph Spitfire ist Yamamoto von der Idee überzeugt.

Im Frühjahr 1984 bekommt die Angelegenheit ihre entscheidende Wendung: Yamamoto wird Präsident von Mazda und beschließt das sogenannte "Off-Line Go-Go"-Programm. Was für unsere Ohren kurios klingt, hat einen seriösen Hintergrund. "Go-Go" steht für die japanische Zahl 55, da alle Projekte in diesem Programm eine mindestens 55-prozentige Chance auf Realisierung haben mussten, um weitergeführt zu werden.

Die hatte der spätere MX-5, doch zunächst galt es, wichtige Fragen zu klären: Antrieb (alles an die Front (FF), ein Mittelmotor mit Hinterradantrieb (MR) oder Frontmotor/Hinterradantrieb? (FR)) und das Design. Im Gespräch waren ein Coupé für die FF- und MR-Auslegung und ein Cabrio für das FR-Layout. Für Letzteres war das US-Designteam zuständig und setzte sich gegen Entwürfe durch, die an den Toyota MR2 und Pontiac Fiero erinnerten. In der nachfolgenden Bildergalerie können Sie sich die Prototypen ansehen:

Bildergalerie: Mazda MX-5 (NA) Prototypen

Die Weltpremiere des Mazda MX-5, auch Miata genannt, fand Anfang 1989 relativ bescheiden auf der Chicago Auto Show statt. Man rechnete mit einem Absatz von 5.000 Fahrzeugen pro Jahr, wurde aber schnell eines Besseren belehrt: Die Kunden rissen Mazda den kleinen Roadster aus den Händen. Auch in Deutschland, wo der MX-5 erst 1990 auf den Markt kam, gab es Grauimporte und Aufpreise beim Weiterverkauf.

30 Jahre danach steht ein Mazda MX-5 der ersten Generation (NA) vor mir: 3,97 Meter lang, 1,67 Meter breit und nur 1,23 Meter hoch, dazu ein Radstand von 2,26 Meter. Keine besonders guten Voraussetzungen, um einen langen Kerl wie mich (1,88 Meter) bequem unterzubringen. Doch nach ein wenig Einfädelei sitze ich gar nicht mal so schlecht. Das Serienlenkrad ohne Airbag ist eine Spur zu groß, doch viele Fans haben wie in meinem Testwagen ein kleines Lenkrad montiert, zumal es keine Möglichkeit zur Verstellung gibt. Ebenfalls nicht untypisch: Die Tieferlegung und die individuellen Alufelgen. Kann man machen, muss man aber nicht.

Auch weil im MX-5 NA nicht viel Cockpit vorhanden ist, wirkt er innen luftiger als gedacht. Allerdings befindet sich meine Stirn auf Höhe des Scheibenrahmens und die integrierten Kopfstützen sind eine Spur zu niedrig. Da ich gerade beim Meckern bin: An die verwendeten Kunststoffe im Armaturenbrett sollte man nicht zu hohe Ansprüche stellen. Mit geschlossenem Verdeck erstaunt hingegen die gute Kopffreiheit.

Mazda MX-5 NA vs. Mazda MX-5 NB

Aber beim MX-5 geht es ums Fahren, nicht ums Anfassen. Um es kurz zu machen: Der NA fährt sich grandios! Hier eine sehr direkte Lenkung, dort der kleine Schalthebel mit extrem kurzen Wegen. Dazu eine 50:50-Gewichtsverteilung und ein tiefer Schwerpunkt. In der Praxis zackt man damit ums Eck, dass es eine helle Freude ist. Bevor man die Kurve realisiert hat, ist der MX-5 schon drin. Doch trotz allem Übermut ist Höflichkeit Trumpf. Und wie kann man besser "Bitte nach Ihnen" signalisieren als mit den tollen Klappscheinwerfern? Denken Sie daran: Ein Mazda MX-5 ist immer sozialverträglich. In jeder Hinsicht.

Das gilt auch für den zu Beginn eingesetzten 1,6-Liter-Benziner. Solide Großserientechnik aus dem Mazda 323, aufgepeppt mit 16-Ventil-Technik, zwei obenliegenden Nockenwellen und Aluminium-Zylinderkopf. 115 PS leistet das Aggregat, bei 5.500 Umdrehungen stehen 135 Newtonmeter bereit. Drehzahlen sind also Trumpf, zumal die an sich laufruhige Maschine erst dann klanglich etwas bietet. Änderungen gab es 1994 und 1995: 131 PS aus 1,9 Liter und ein Basismotor mit 1,6 Liter und 90 PS.

Anfang 1998 erfolgte der nächste Schritt: Die zweite Generation (NB) bekam feste Scheinwerfer und ein Verdeck mit Glasscheibe statt aus Kunststoff wie im NA. Kritiker monieren eine gewisse Beliebigkeit beim NB, doch optisch ist er eine geschickte Weiterentwicklung des NA. Das zeigen die Abmessungen: Einen Zentimeter mehr in der Breite, das wars. In Sachen Gewicht legte der NB um exakt 100 Kilogramm zu, wiegt aber trotzdem nur 1,1 Tonnen.

Mazda MX-5 NA vs. Mazda MX-5 NB

Auch hier wieder die Sitzprobe: Bedingt durch die breitere Mittelkonsole geht es im NB etwas beengter zu, doch ich passe manierlich hinein. Wie im NA ist nur der Sitz längsverstellbar, bei hoch angebrachten Ampeln muss ich entweder den Kopf nach oben recken oder nach unten abwinkeln. Pluspunkte im NB: Das Cockpit wirkt hochwertiger (es gab Sondermodelle mit Holzlenkrad und Holzschaltknauf), hinzu kamen später Sitze mit verstellbaren Kopfstützen und der Kofferraum ist weniger zerklüftet. Die Sicht nach hinten ist bei NA und NB bestens, Parkpiepser benötigt hier niemand.

Ab auf die Straße: Unter der hübsch gewölbten Haube steckt in meinem Fall ein 1,9-Liter-Motor mit 140 (später 146) PS, Basisaggregat war ein 1,6er mit 110 PS. Die größere Maschine packt, abgesehen von einer leichten Anfahrschwäche, kraftvoll zu, bei 4.500 Umdrehungen liegen die maximalen 162 Newtonmeter an. Die zackigen Basistugenden des NA bewahrt auch der NB, allerdings mit einem Schuss mehr Komfort, während der NA etwas puristischer wirkt. Da ich gerade beim Thema bin: Kuschelweich ist das Fahrwerk des zweiten MX-5 sicherlich nicht, aber mit den werksseitigen 15-Zöllern durchaus manierlich.  

Mazda MX-5 NA vs. Mazda MX-5 NB

Was bleibt als Fazit der Ausfahrt mit NA und NB? Klar "besser" ist keiner von beiden, schon aufgrund der engen Verwandtschaft. Letztlich entscheiden der persönliche Geschmack und der Preis: Gute Mazda MX-5 (NA) liegen bei rund 10.000 Euro, gute NB kosten die Hälfte. Etwa 34.000 NA wurden einst in Deutschland verkauft, vom NB sogar an die 51.000 Fahrzeuge.   

Fragen wir abschließend Markus Frey aus der gleichnamigen Mazda-Händlerdynastie, die das Mazda-Museum in Augsburg aufgebaut hat. Auch er bekennt, dass die Entscheidung zwischen NA und NB eine reine Geschmacksfrage sei. Ersatzteile gibt es genug zum fairen Preis, solange es nicht eine seltene Innenausstattung ist. Und was ist mit dem Rost, der beim NA an den Schwellern nagt und beim NB sogar noch übler wütet? Diesbezüglich rät Frey dazu, immer die Wasserabläufe freizuhalten und nach einem gepflegten Fahrzeug zu suchen. Angesichts der relativ niedrigen Preise für die älteren MX-5 macht einen das nicht arm, möchte ich hinzufügen. Und ganz ehrlich: Fahren Sie ihren MX-5 nur, wenn es trocken ist. So bleibt der Kult-Mazda auch die nächsten 30 Jahre unverwüstlich. 

Bildergalerie: Mazda MX-5 NA vs. Mazda MX-5 NB