Rumänische Roadster-Runde auf der Transfagarasan

Was ist das?

Müssen wir dieses Auto noch groß erklären? Der Mazda MX-5, seines Zeichens meistverkaufter Roadster der Welt. In vier Generationen lief der offene Japan-Knirps bereits über eine Million Mal vom Band. In Deutschland wurden seit 1990 rund 130.000 Stück verkauft. Eine Ikone also, die Mazda jetzt im Zuge der Umstellung auf die Euro-6d-Temp-Abgasnorm ein wenig geliftet hat.

Das ist die Roadster-Konkurrenz:

Was ist neu?

Eingefleischte MX-5-Fans müssen keine Vorbereitungen zum „Seppuku“, dem japanischen rituellen Selbstmord, treffen. Mazda hat ihren Lieblings-Roadster sehr dezent überarbeitet. Die wichtigste Änderung steckt unter der wohlgeformten Motorhaube: Ein PS und zwei Newtonmeter mehr für den kleinen 1,5-Liter-Benziner sowie satte 24 PS und fünf Newtonmeter mehr beim Zweiliter-Aggregat. Über 70 Prozent der deutschen Kunden greifen übrigens zum großen Motor. Ansonsten gibt es künftig ein paar Assistenzsysteme mehr (zum Glück nur optional für die Topausstattung) und endlich eine längsverstellbare Lenksäule (zum Glück für alle Modelle). Letzteres erleichtert den Einstieg spürbar, dennoch bleibt der MX-5 Maßkonfektion. Sie müssen ihn anprobieren, werter Leser. Pauschal lässt sich nämlich nicht sagen, ab welcher Körper- oder Kleidergröße Schicht im Schacht ist. Speziell im Beifahrer-Fußraum stört das weit hineinragende Getriebegehäuse.

Eine Sache ist dagegen unverändert geblieben: Viele Ablagen gibt es nicht. Und hierzu zähle ich auch den 130 Liter messenden Kofferraum. Im Gegenzug wiegt der aktuelle Mazda MX-5 im günstigsten Fall nur 986 Kilogramm ohne Fahrer. Eine Anekdote dazu am Rande: Mazda Europa forderte in der Entwicklung einen um fünf Zentimeter längeren Innenraum. Antwort von Mazda Japan: Das wären 60 Kilogramm mehr. Abgelehnt!

Wie fährt er?

Jinba Ittai: So nennt Mazda die Verschmelzung von Fahrer und Fahrzeug. Okay, bei einem 2 oder 3 muss man darüber eher schmunzeln. Aber im Fall des MX-5 trifft „Jinba Ittai“ den Kern schon ganz gut. Vor allem, wenn man ein 117 Kilometer langes Kurvenparadies in Rumänien unter die Räder nehmen kann. Sein Name: Transfogarasche Hochstraße oder Transfagarasan. Landschaftlich irgendwo zwischen schottischen Highlands und Schwarzwald, ist dort der MX-5 in seinem Element. Präzise lenkt der nur 3,91 Meter lange Roadster durch die Kurven und sprintet flott ums Eck. Sogar mit eingeschaltetem ESP lässt er sich zu einem zartem Heckschwenk überreden. Doch wilde Drifts passen trotz Hinterradantrieb eigentlich nicht zum MX-5. Sein Erfolgsrezept liegt im zugänglichen Spaß, sowohl was die Fahreigenschaften als auch den Preis betrifft.

"Eine Art Motorrad auf Rädern."

Der Mazda MX-5 ist nicht heimtückisch oder krawallig. Er liegt wie ein chirurgisches Präzisionsinstrument in der Hand, ist lieber Florett denn Hackebeil. Eine Art Motorrad auf Rädern. Dazu passt der linear hochdrehende Zweiliter-Sauger. Seine 205 Newtonmeter (wir erinnern uns: fünf Newtonmeter mehr!) liegen jetzt schon ab 4.000 Touren an, 600 Umdrehungen niedriger als bislang. Unfassbar spürbar sind die 24 Mehr-PS allerdings nicht. Wer den „alten“ Zweiliter besitzt, kann auch weiterhin ruhig schlafen.

Softtop oder lieber RF?

Seit kurzem gibt es den Mazda MX-5 RF mit dreiteiligem Klappdach auch als 1,5-Liter-Version. 2.600 Euro Mehrpreis trennen den RF vom klassischen Stoffdach-MX-5. Für den RF sprechen sein in jedem Zustand sehenswertes Design und weniger Zugluft im Inneren. Dafür sorgt eine Art Targabügel. Subjektiv verschlechtert er aber das Raumgefühl, man fühlt sich zugebaut. Luftiger in jeder Hinsicht ist das Softtop, aus meiner Sicht der echtere MX-5. Jede Lösung hat ihren Reiz, der RF empfiehlt sich für alle, die häufiger und auch im Winter mit dem MX-5 fahren wollen.

Automatik im MX-5: Ein Sakrileg?

Ich gestehe: Ich habe schwer gesündigt. Zumindest aus Sicht aller Hardcore-Fans des MX-5. Warum? Ich fuhr ihn mit Sechsstufen-Automatik. Sie gibt es nur im RF für den Zweiliter-Motor. Eine Gotteslästerung, gilt doch der Handschalter als Heiliger Gral und göttliches Getriebe. Und tatsächlich ist es ein lustvoller Vorgang, mit dem sehr kurzen Knauf die Gänge durchzuschnipsen. Mit nur zwei Fingern am Knüppel flutscht man wie das sprichwörtliche Messer durch die Butter.

"Tatsächlich ist es ein lustvoller Vorgang, mit dem sehr kurzen Knauf die Gänge durchzuschnipsen."

Aber es kann Menschen geben, die aus guten Gründen 1.900 Euro extra für die Automatik opfern. Probleme im linken Bein, jahrzehntelange Automatik-Liebe oder schlicht Komfort. Ich bin gut 80 Kilometer im selbstschaltenden MX-5 gefahren und kann sagen: Eine Bestrafung ist das nicht. Die Automatik funktioniert meist flüssig und hält die Drehzahl sehr niedrig. Hinzu kommt mehr Fußraum durch das fehlende Pedal. Nur beim Herausbeschleunigen wirkt der Automatik-MX-5 gefühlt etwas träger. Netterweise gibt es zwar Schaltwippen am Lenkrad und einen Sport-Modus, der die Gänge länger ausdreht. Doch die nackten Zahlen bestätigen meinen Eindruck: Mit 7,9 Sekunden auf 100 km/h ist die Automatikversion gut eine Sekunde langsamer. Fazit: Die Automatik im Mazda MX-5 ist wie veganes Schnitzel. Schmeckt ganz gut und hat eine kleine Zielgruppe, ist aber nicht der wahre Jakob. Und wie das Veggie-Schnitzel kostet das Ganze auch mehr.

Soll ich ihn kaufen?

Unbedingt, wenn Sie eine Straße ähnlich der Transfagarasan vor der Haustür haben. Schöne Pässe und enge Kurven sind die Wohlfühl-Oase des Mazda MX-5. Eine Autobahnfahrt von Hamburg nach München eher weniger. Preislich bleibt der MX-5 ein attraktiver Zweitwagen: Los geht es bei 22.990 Euro für das Basismodell mit Stoffdach und 132 PS, die Preise steigen nach der Modellpflege um 200 bis 400 Euro. Doch nicht umsonst greifen über 70 Prozent der deutschen Kunden zur Topausstattung namens Sports-Line. Ob Klimaautomatik, Navi oder Einparkhilfe hinten, hier ist alles drin. Überlegenswerte Extras: Android Auto und Apple CarPlay (300 Euro) und Metallic-Lackierung (ab 540 Euro). Meine persönliche Wahl wäre der MX-5 Sports-Line mit 184 PS und Softtop für 29.990 Euro, dazu das Onyxschwarz-Metallic. Abgesehen von „Magmarot“ treibt es Mazda nicht bunt. Dafür sorgt der MX-5 für viel Farbe im Leben.

Fazit: 9 von 10


+ extrem agil, kraftvoller 2,0-Liter-Motor, perfekte Schaltung und Lenkung
- Geräumigkeit gibt es woanders, Farbauswahl recht mau

Mazda MX-5 RF Skyactiv-G 184

Motor Vierzylinder-Saugbenziner, 1.998 ccm, Verdichtung 13:1
Leistung 135 kW (184 PS)
Drehmoment 205 Nm bei 4.000 U/min
Getriebeart manuelle Sechsgang-Schaltung
Antrieb Hinterradantrieb
Beschleunigung 0-100 km/h 6,8 s
Höchstgeschwindigkeit 220 km/h
Verbrauch 6,9 l/100 km (WLTP)
CO2-Emission 156 g/km
Länge 3.915 mm
Breite 1.735 mm
Höhe 1.236 mm
Kofferraumvolumen 127 l
Leergewicht 1.148 kg
Zuladung 232 kg
Marktstart September 2018
Basispreis 27.790 Euro

Gallery: Test Mazda MX-5 2019