Dieser kurzlebige Sportwagen aus Mailand war das Baby zweier Enthusiasten

Bei der Oldtimermesse "Auto e Moto d'Epoca di Padova" 2019 entdeckten wir ein Fahrzeug, was wir noch nie gesehen hatten. Es erzählt die Geschichte zweier Freunde, Michel Liprandi und Giovanni Mandelli, die es mit dem LMX Sirex 2300 HCS schafften, wenn auch nur für kurze Zeit, sich ihren Wunsch zu erfüllen, einen von ihnen gebauten Mailänder Sportwagen auf die Straße zu bringen.

Der Sirex hat wenig Schnickschnack und viel Substanz, aber, wie es in ähnlichen Fällen oft der Fall ist, war man irgendwann gezwungen, aufgrund wirtschaftlicher Probleme die weiße Flagge zu hissen. Die Geschichte hinter dem LMX Sirex ist aber so interessant, dass sie noch ein paar mehr Worte verdient.

Bevor Michel Liprandi mit seiner Firma Limaplas dieses Abenteuer beginnt, arbeitet er mit mehreren Automobilherstellern wie Abarth und De Tomaso zusammen und baut so eine gewisse Erfahrung mit Glasfaser auf.

LMX Sirex 2300 HCS

Er und sein Partner Giovanni Mandelli wählten einen Drachen als Logo für das neue Unternehmen, um ihren Mailänder Stolz zu zeigen. So nahm die "Linea Moderna Executive", besser bekannt als LMX, ab 1968 Gestalt an.

LMX Sirex 2300 HCS

Die beiden haben für ihr Spielzeug einen Aufbau im Sinn, den man "Lotus-Stil" nennen könnte. Der Ingenieur Liprandi verwendet einen von Gioachino Colombo entwickelten und an der Vorderseite modifizierten Rahmen. Eine Struktur, bestehend aus einem Zentralrahmen mit Einzelradaufhängung, dazu ein Längsmotor, hinter der Vorderachse angeordnet, und Hinterradantrieb.

LMX Sirex 2300 HCS

Darüber befindet sich die elegante, sauber gezeichnete und eckige Fastback-Karosserie, die bei vielen, die sie nicht kennen, Gefahr läuft, mit einem amerikanischen Muscle-Car verwechselt zu werden. Allerdings nur auf den ersten Blick, denn der LMX Sirex ist lediglich 3,96 Meter lang. Für das Design verließ man sich auf Franco Scaglione, einen alten Bekannten von Bertone, wo er zuvor Meisterwerke wie die Alfa Romeo Giulietta SS und den Alfa 33 Stradale gestaltet hat.

Unter der Motorhaube platzierten die beiden Jungs den High-Compression-V6 mit 2,3 Liter Hubraum und 108 PS vom Ford Taunus 20M RS. Ein Motor, der es dem Sirex dank seines Gewichts von weniger als 1.000 Kilogramm ermöglicht, 200 km/h zu erreichen, kombiniert mit einem Viergang-Schaltgetriebe. Einige der Autos sind mit einem Constantin-Einstufen-Niederdruckkompressor ausgestattet, der für 180 PS sorgte. Später folgte eine aus dem Ford Capri bekannte Turbo-Technik, die vom ehemaligen Ferrari-Techniker Michael May entwickelt wurde und 210 PS Leistung liefert.

LMX Sirex 2300 HCS

Die Endmontage des Coupés (interner Code HCSC) lag in der Verantwortung von Eurostyle, einem weiteren Unternehmen, das auf die Herstellung von Nischenfahrzeugen spezialisiert ist. Außen erweist sich der Sirex als attraktiv, und innen verfügt er über ein geschwungenes und elegantes Armaturenbrett aus feinem Leder. Alles verschmilzt mit verschiedenen Komponenten, die von einigen italienischen Modellen dieser Zeit, angefangen vom Aschenbecher des Fiat 500, hier und da eingesammelt wurden. Sogar bei exotischen Autos der bekannteren Marken war das nicht untypisch.

LMX Sirex 2300 HCS

Der LMX Sirex wurde 1968 auf dem Turiner Autosalon dem Publikum vorgestellt. Aber nicht direkt in den Hallen, sondern auf dem Platz vor der Messe, was vielleicht aufgrund der ohnehin schon schlechten Liquidität von Liprandi und Mandelli eine gute Wahl war. Es wurde auch eine Cabrio-Variante erstellt, die je nach Quelle nur als Unikat oder in einer Handvoll Exemplaren gebaut wurde. Soweit, so gut, nur kostete damals schon ein normaler LMX Sirex über vier Millionen Lire, so viel wie ein Dino 206 GT. In Deutschland kümmerte sich Auto-Becker in Düsseldorf um den Vertrieb. Hier rief man mindestens 25.000 DM auf, was Porsche-911-Niveau war.

LMX Sirex 2300 HCS Spider

Auch deswegen folgte der LMX Sirex einem traurig bekannten Skript: Nach etwa 35 Einheiten und sogar dem Prototyp der bereits in der Pipeline befindlichen zweiten Serie gaben die beiden Partner vor finanziellen Schwierigkeiten auf und warfen 1972/73 das Handtuch. Die letzten Sirex wurden bei einer anderen Firma namens SAMAS in Ricca d'Alba gebaut. Die insgesamt produzierte Zahl schwankt zwischen 43 und 50 Einheiten.

Heute beginnt dieser faszinierende Fastback langsam von der Öffentlichkeit auf historischen Automessen wiederentdeckt zu werden, wo man ihn oft mit einer Corvette verwechselt. Unter denjenigen, die ihre Geschichte weitergeben und die überlebenden Sirex sorgfältig aufbewahren, befindet sich das Historische Register LMX Sirex, das auch auf der Ausstellung in Padua zu sehen war.

LMX Sirex 2300 HCS

Die Restaurierung eines LMX Sirex ist aufgrund der exorbitanten Kosten und des Fehlens von Ersatzteilen ein wahrhaft titanisches Unterfangen. Für ein Exemplar in gutem Zustand, wenn man das Glück hat, es zu finden, kann man leicht zwischen 40.000 und 50.000 Euro ausgeben. Der Sirex Spider (interner Code HCSS) ist dagegen praktisch unerreichbar. Eine Geschichte, die zeigt, warum ein Koffer voller Träume und brillianter Pläne nicht immer ausreicht, um in den Olymp der Sportwagen einzutreten.

Bildergalerie: LMX Sirex 2300 HCS Coupé und Spider