Die Ingolstädter planen mehr als 30 elektrisch angetriebene Modelle bis 2025

Schon beim Genfer Autosalon hat Audi erklärt, auf welchen Plattformen seine Elektroautos basieren werden. Nun folgen weitere Details zur Elektrifizierungs-Strategie der Ingolstädter. Das Highlight aber sind die ersten Bilder eines Prototyps auf Basis der neuen PPE-Plattform. Dahinter könnte sich ein A4 e-tron verbergen.

„Die Zukunft ist elektrisch. Bis 2025 bringen wir 30 elektrifizierte Modelle auf den Markt, davon zwanzig reine E-Modelle. E-Autos werden dann bereits rund 40 Prozent unseres Absatzes ausmachen“, sagt Audi-Chef Bram Schot.

Die Elektroautos der Zukunft werden auf vier Plattformen basieren: MEB, MLB evo, PPE und J1. Audi hat sie uns bei einem Tech Day vorgestellt.

Audis vier Elektro-Plattformen: Q4 e-tron (MEB)
Audis vier Elektro-Plattformen: Q4 e-tron (MEB)

Der Modulare Elektrobaukasten (MEB)

Der Modulare Elektrifizierungsbaukasten übernimmt im Elektro-Zeitalter die Funktion des MQB. Als erster Audi auf Basis des MEB geht 2021 der Audi Q4 e-tron Concept in Serie. Das Kompakt-SUV soll außen so groß sein wie ein Q3, aber innen so viel Platz haben wie ein Q5. Ähnliche Aussagen kennt man von VW; die Wolfsburger stellen den ID.3 unter das Motto "Außen wie ein Golf, innen wie ein Passat".

Anders als MQB-Fahrzeuge haben MEB-Autos serienmäßig Hinterradantrieb, optional gibt es Allradantrieb. Ist ein quattro-Antrieb an Bord, dann wird vorne eine (besonders effiziente) Asynchronmaschine eingesetzt, hinten eine (besonders leistungsstarke) permanenterregte Synchronmaschine (PSM). Die Ladeleistungsen sollen maximal 125 kW betragen.

Ein Clou am MEB ist die Skalierbarkeit. So lassen sich zum Beispiel die Batteriegrößen leicht variieren:

Audis vier Elektro-Plattformen: MEB
MEB mit Hinterradantrieb und kleiner Batterie
Audis vier Elektro-Plattformen: MEB
MEB mit Allradantrieb und großer Batterie

Weitere Audi-Modelle auf Basis des MEB werden folgen, laut Audi in der Kompakt- und Mittelklasse, Limousinen und SUVs. Der MEB wird auch von VW, Seat und Skoda verwendet, und zwar auch für Kleinwagen. Sogar für Partner wie Ford wird der MEB zur Verfügung stehen.

Audi e-tron 50 quattro (2019)
Audi e-tron (MLB evo)

Der Modulare Längsbaukasten (MLB evo)

Auf dem (stark modifizierten) Modularen Längsbaukasten basiert der im Herbst 2018 gestartete Audi e-tron. Auf der gleichen Basis startet demnächst noch ein e-tron Sportback. Viel mehr Modelle werden es wohl nicht sein, da künftig eine eigene Elektroplattform für das Segment eingeführt wird, nämlich PPE.

Audis vier Elektro-Plattformen: PPE
PPE-Prototyp

Die Premium Platform Electric (PPE)

Diese Plattform (Premium Platform Electric) übernimmt im Elektro-Zeitalter die Funktion des MLB, das heißt, darauf werden die Autos der Mittel- bis Oberklasse basieren, und zwar von Audi und von Porsche. Sowohl Limousinen und Kombis ("Flachboden-Fahrzeuge") als auch SUVs ("Hochboden-Fahrzeuge") lassen sich umsetzen. Außerdem sind Radstand und Spurweite variabel. Wie beim MEB ist eine PSM-Elektromaschine im Heck Standard, bei den Topmodellen sorgt ein zweiter Elektromotor an der Vorderachse (PSM oder ASM) für einen bei Bedarf automatisch zuschaltbaren Allradantrieb.

Audi zeigte uns einen Prototyp auf Basis der PPE-Plattform; das Bild oben gibt einen ganz guten Eindruck von dem Modell. Der Wagen wirkt wie ein A4, nur etwas sportlicher. Die Fronthaube wird von vier scharfen Linien konturiert, die Scheinwerfer-"Augen" wirken konzentriert. Der Grill ist relativ klein und (wie schon beim Audi e-tron) "invertiert", das heißt, er wirkt optisch nicht wie ein dunkler Kasten, sondern ist hell. Für uns könnte dieses Auto der erste Prototyp eines A4 e-tron sein.

Audis vier Elektro-Plattformen: PPE
Hier zeigt Audi den PPE-Prototyp unverhüllt, allerdings nur die vordere Ecke (links)

Wie beim Audi e-tron GT concept beträgt die Spannungslage 800 Volt, in Verbindung mit einem hocheffizienten Thermomanagement erlaubt sie eine hohe Ladeleistung von 350 kW. Die Produktion des ersten PPE-Autos soll "im nächsten Jahrzehnt" starten. Dabei ist jedoch zu beachten, dass das Jahrzehnt erst 2021 beginnt, nicht schon 2020.

Audis vier Elektro-Plattformen: e-tron GT (J1)
Audi e-tron GT (Plattform J1)

Die Elektrosportwagen-Plattform J1

Diese Elektrosportwagen-Plattform wird ebenfalls von Audi und von Porsche benutzt, darauf basieren der Porsche Taycan und die 2020 startende Serienversion des Audi e-tron GT Concept. Wie bekannt, nutzt die Plattform 800-Volt-Technik und ermöglicht so sehr hohe Ladeleistungen. Eine weitere Besonderheit ist das Zweigang-Getriebe an der Hinterachse, das für zügiges Anfahren und Effizienz bei hohem Tempo sorgt. Um trotz der etwa zehn Zentimeter hohen Batterie im Fahrzeugboden eine niedrige Gesamthöhe realisieren zu können, ohne dass die Fondpassagiere ihre Knie neben den Ohren wiederfinden, haben sich die Ingenieure die so genannte Fußgarage einfallen lassen: Das sind Aussparungen im Batterievolumen für die Füße der hinteren Passagiere.

Audis vier Elektro-Plattformen: e-tron GT (J1)
Die "Fußgaragen" sind Aussparungen in der Batterie für die Füße der Fondpassagiere

Generell hat sich Audi zum Ziel gesetzt, den gesamten Lebenszyklus seiner Modelle schrittweise CO2-neutral zu gestalten – von der Rohstoffgewinnung über die Produktion und die Nutzung bis zur Verwertung und die Umstellung auf erneuerbare Energien. 2025 soll der Fußabdruck der Fahrzeugflotte an Treibhausgasen den Vergleichswert von 2015 um 30 Prozent unterschreiten. Bis spätestens 2050 will Audi an allen Standorten weltweit bilanziell CO2-neutral arbeiten.

Neben den Elektroautos spielen Plug-in-Hybride in Audis Elektrifizierungsstrategie eine wichtige Rolle. Mehr dazu lesen Sie in einem separaten Artikel.

Bildergalerie: Audis vier Elektro-Plattformen