Zwölf Zylinder, 8.900 U/min - Gnade euch Gott, liebe Ohren

Jetzt geht es Schlag auf Schlag in Maranello. Nur ein paar Stunden nach dem Debüt des F8 Spider präsentiert das Cavallino Rampante ein weiteres neues Cabriolet. Es handelt sich dabei um den angsteinflößenden 812 GTS. Angsteinflößend deshalb, weil er auf dem V12-Monstrum 812 Superfast Coupé basiert. Das bedeutet, er hat einen frei saugenden 6,5-Liter-V12 mit 800 PS und 718 Nm Drehmoment unter seiner langen Haube, was ihn zum stärksten Cabrio macht, das man derzeit kaufen kann. 

Um diese Zahlen korrekt einzuordnen: Chevys Corvette ZR1 Convertible (C7) hat einen 6,2-Liter-Kompressor-V8 mit 769 PS. Und selbst der brutale 6,5-Liter-V12 des Lamborghini Aventador SVJ Roadster bringt es "nur" auf 770 PS. 

Außerordentliche Frisuren-Deformationen sind also sichergestellt. Wahre Ohrgasmen vermutlich ebenso. Man stelle sich nur vor, wie es tönt, wenn der Zwölfzylinder 8.900 Touren dreht und das Ganze völlig ungehindert an die eigenen Lauscher dringt. Forza Ferrari! Die maximale Power erreicht das Aggregat übrigens bei 8.500 U/min. Das volle Drehmoment liegt bei 7.000 Touren an. Allerdings sind 80 Prozent davon bereits ab 3.500 Touren verfügbar. Es sollte also ausreichend flott nach vorne gehen.  

Der Sprint von 0-100 km/h passiert in 2,9 Sekunden, der auf 200 km/h in 8,3 Sekunden, 0,1 beziehungsweise 0,4 Sekunden langsamer als beim 812 mit festem Dach. Die Höchstgeschwindigkeit liegt mit 340 Sachen auf dem Niveau des Coupés.  

Wie der anfangs erwähnte F8 Spider besitzt auch der 812 GTS ein elektrisches Klappverdeck, das in 14 Sekunden auf und zu geht. Schneller als 45 km/h darf man dabei jedoch nicht fahren. Wie bei nahezu jedem anderen Cabrio auf diesem Planeten, erfordert der Klau des festen Dachs ein wenig Verstärkung im Chassis-Bereich. Beim 812 GTS bringt das ein Mehrgewicht von 75 Kilogramm mit sich. Trotz des Extra-Specks soll der Roadster aber genauso "elastisch" sein wie das Coupé. Von dem erbt es schließlich auch all die feinen Dynamik-Zaubereien wie die Side Slip Angle Control oder die variable Lenkgewichtung, die beim gegenlenken helfen soll, wenn man driftet. Was vermutlich nicht all zu häufig passieren wird in einem mehr als 300.000 Euro teuren V12-Solarium. 

Ein weiterer Partytrick des 812 GTS ist seine elektrisch bedienbare Heckscheibe. Sie dient als Windschott, wenn das Dach offen ist. Ist es geschlossen, kann man sie herunterfahren, um die eigene Klangsucht noch direkter mit der glorreichen Akustik des Sauger-Juwels zu befriedigen.  

Erwähnenswert ist auch, dass der 812 GTS tatsächlich der erste V12-Frontmotor-Spider von Ferrari seit 50 Jahren ist. Zuletzt erfüllte diesen Anspruch der 365 GTS4 a.k.a. Daytona Spider von 1969. Natürlich gab es in der Zwischenzeit andere Cabrios mit V12 im Bug (Barchetta Pininfarina von 2000, 575 Superamerica von 2005, SA Aperta von 2010 oder der F60 America von 2014), aber die waren alle streng limitierte Special Editions. Der 812 GTS hingegen ist für alle da. Naja, theoretisch zumindest ...

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Bildergalerie: Ferrari 812 GTS 2020