Das F1-Auto für die Straße tastet sich langsam zur Serienreife vor.

Vor gut einem Jahr debütierte die Studie auf der Frankfurter IAA, jetzt hat man den Mercedes-AMG Project One offiziell in den Prototypen-Status gehievt. Auf den Punkt gebracht ist das brachial geformte Hypercar Affalterbachs Vision eines Formel-1-Autos für die Straße. Das Serienmodell soll nicht weniger als die Speerspitze der Automobilentwicklung werden. 

Heute hat Mercedes erstmals Bilder des Project One bei Tests auf einer normalen Straße veröffentlicht. Wobei - normale Straße trifft es wohl nicht ganz. Die Schwaben sprechen von "abgesperrten Teststrecken" irgendwo in Großbritannien. Vermutlich handelt es sich um das Testgelände in Millbrook/Bedfordshire wo man die High-Performance-Waffe momentan zur Serienreife bringt. Nur zur Erinnerung: Gerade mal 275 Project One wird Mercedes-AMG herstellen. Jeder einzelne davon ist bereits verkauft.  

Unglücklicherweise haben die Menschen bei AMG noch immer keine Lust, uns den Mund mit den finalen technischen Spezifikationen wässrig zu machen. Also müssen wir weiterhin mit dem leben, was wir bereits wissen: Die Systemleistung wird irgendwo oberhalb von 1.000 PS liegen. Verantwortlich dafür ist ein 1,6-Liter-V6-Turbo, den man direkt aus dem eigenen Formel1-Auto adaptiert. Er arbeitet mit insgesamt vier Elektromotoren zusammen. Einer wird direkt in den Turbolader gebaut, einer sitzt im Verbrennungsmotor, die beiden übrigen arbeiten an der Vorderachse.

Mehr zum Project One und dem +1.000-PS-Club

Der Verbrenner alleine bringt es auf 680 PS und dreht völlig irre 11.000 Touren. Mercedes sagt, "mit dem charakteristischen F1-Sound sind sie (die Prototypen) schwer vor der Öffentlichkeit geheim zu halten."

Die wenigen glücklichen Menschen, die ihre drei Kreuzchen unter einen Project-One-Kaufvertrag setzen durften (AMG hatte offenbar 1.100 Anfragen, mehr als das Vierfache der Produktion), werden sich allerdings mit einem echten Erste-Welt-Problem auseinandersetzten müssen: Der aus der Formel1 abgeleitete Motor muss alle 50.000 Kilometer neu aufgebaut werden. Allerdings wird es in der Realität wohl nicht all zu viele Project Ones geben, die diese Kilometerzahl überhaupt erreichen. Bei den Steigerungsraten, die das Auto erwarten lässt, werden viele Besitzer das arme Ding wohl in einer gut behüteten Garage einsperren und zusehen, wie die Preise steigen.

Ob ein neuer Nürburgring-Rekord dabei hilft, ist schwer zu sagen. Schaden würde er sicher nicht. Wir vermuten Mercedes-AMG wird einen Versuch wagen. Zumindest hat AMG-Chef Tobias Moers bereits mehrere Hinweise fallen gelassen. Der Rekord für das schnellste Serienauto liegt derzeit bei 6:44,97 Minuten, gehalten vom Lamborghini Aventador Superveloce Jota. Den Allzeit-Rekord auf der Nordschleife schnappte sich Porsche vor ein paar Monaten mit seinem 919 Hybrid Evo. Die Fabelzeit von 5:19 Minuten wird aber wohl kein Serienauto der Welt jemals auch nur annähernd knacken.

Bleibt noch zu sagen, dass das Startbild dieses Artikels einen Prototypen des Project One zeigt, dem man einige GoPros an seinen schnittigen Leib geklebt hat. Wir hoffen also, dass es bald Video-Material inklusive Hardcore-Sound vom Affalterbacer Hypercar-Prototypen geben wird.

Quelle: Mercedes-AMG

Bildergalerie: Mercedes-AMG Project One Prototyp

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Mercedes-AMG Project ONE: Prototype Testing

The development of the Mercedes-AMG Project ONE show car, presented at IAA 2017, had been intensively worked on behind closed doors for several months. In a highly complex, digital development process ("Project ONE Virtual Engineering"), the transnational project team worked towards its common goal: putting Formula 1 hybrid technology on the road.

Hundreds of testing hours have already been spent to master the immense challenge of making the high-performance drive unit ready for series production: the whole powertrain including all hybrid components underwent the toughest race track tests on the high-performance dyno tests of HPP's engine specialists in Brixworth.

The successful completion of the dyno tests was followed by the installation of the highly complex powertrain into the first prototypes, which since then have been driving around unnoticed on a secret test ground in England. But today it turns out to be more difficult to keep this testing confidential: the camouflaged prototypes of the Mercedes-AMG hypercar are still being driven on closed off test grounds and racetracks. However, because of their characteristic F1 sound they are hard to keep from the public.