Keine Werksschließungen, Elektrifizierung und globale Expansion

Wohin führt Opel die gemeinsame Zukunft unter dem Dach des französischen PSA-Konzerns (Peugeot/Citroën/DS)? Im Vorfeld war viel darüber spekuliert worden, ob PSA-Chef Carlos Tavares den Rasenmäher herausholen würde, um Werke zu schließen und Arbeitsplätze zu verringern. Doch jetzt zeigt der ,Pace!" (auf deutsch: Tempo) genannte Zukunftsplan: Der Opel-Garten wird in Teilen sogar zugunsten der Rüsselsheimer umgestaltet.

Mehr Marge, weniger Kosten
Doch der Reihe nach: Langfristiges Ziel ist es, für Opel wieder eine gesunde finanzielle Basis zu schaffen und das Unternehmen wettbewerbsfähig zu machen. Im Blick hat man eine operative Marge aus dem Automobilgeschäft von zunächst zwei Prozent bis 2020, bis 2026 sollen es sechs Prozent sein. Möglich machen dies unter anderem Synergieeffekte im neu geschaffenen Konzern, die im Jahr 2026 bei 1,7 Milliarden Euro liegen sollen. Zugleich möchte man bis 2020 die Kosten pro Fahrzeug um 700 Euro senken. So soll die Gewinnschwelle bei Opel und der britischen Schwester Vauxhall bereits bei 800.000 Fahrzeugen pro Jahr erreicht werden. Zum Vergleich: 2016 verkaufte Opel/Vauxhall europaweit 1,16 Millionen Fahrzeuge.

Vorerst kein Arbeitsplatzabbau
Für Arbeitnehmer gibt es erst einmal gute Nachrichten: Alle Werke in Europa sollen behalten werden und betriebsbedingte Kündigungen vermieden werden. Dennoch möchte Opel die Lohnkosten nachhaltig senken, etwa durch neue Arbeitszeitkonzepte sowie freiwillige Programme und Angebote für Altersteilzeit. Erstmals kann Opel auch alle Modelle weltweit anbieten: Es heißt, dass die Marke bis zum Jahr 2022 auf mehr als 20 neuen Exportmärkten aktiv sein wird. Darüber hinaus prüfe Opel mittelfristig weltweit weitere, profitable Exportchancen.

Umstellung auf PSA-Technik bis 2024
Wie geht es hinsichtlich des Modellangebots von Opel weiter? Alle neuen Fahrzeuge von Opel/Vauxhall werden in Rüsselsheim entwickelt, sie nutzen aber die CMP- und EMP2-Plattformen von PSA. Dabei handelt es sich um modulare Plattformen, EMP2 beispielsweise ist der Unterbau des Peugeot 3008 und 5008. Alle Opel/Vauxhall-Werke sollen in der Lage sein, Fahrzeuge mit den beiden PSA-Plattformen zu fertigen. Insgesamt wird sich die Anzahl der von Opel/Vauxhall genutzten Pkw-Plattformen bis 2024 von gegenwärtig neun auf zwei verringern. Die Antriebsfamilien werden von zehn auf vier reduziert. Ab 2024 werden alle Pkw-Modelle von Opel und Vauxhall auf einer PSA-Architektur basieren. Zugleich wird bei den Motoren und Getrieben von General-Motors-Technik auf PSA-Komponenten umgestellt.

Neuer Corsa ab 2019 – auch elektrisch
Inklusive Karosserievarianten will Opel bis 2020 insgesamt neun neue Modelle auf den Markt bringen. Erstes Modell dieser Reihe wird 2018 der neue Combo sein, dessen aktuelle Generation noch mit Fiat entwickelt wurde. 2019 folgt der neue Corsa, von dem es auch eine rein elektrische Variante geben soll. Bis 2020 will Opel vier elektrifizierte Modellreihen auf dem Markt haben, bis 2024 soll das gesamte Programm elektrifiziert sein, was allerdings auch Hybridlösungen einschließt. Das Werk in Eisenach soll 2019 ein SUV auf EMP2-Plattform bauen, in Rüsselsheim fertigt man zum gleichen Zeitpunkt ein Fahrzeug im D-Segment, also vom Format des Insignia. Fest eingeplant ist außerdem eine Plug-in-Hybrid-Variante des Grandland X. Auch bei den leichten Nutzfahrzeugen (LCV) soll es Neuerscheinungen geben, hier bietet PSA schon jetzt ein breites Angebot. Bis 2020 sollen die LCV-Verkäufe um 25 Prozent gesteigert werden.

Lohscheller: Zukunft ist gesichert
Opel-Chef Michael Lohscheller zeigt sich vom Pace-Plan angetan: ,Dieser Plan wird unser ganzes Potenzial freisetzen! Er ist von zentraler Bedeutung, um unser Unternehmen und unsere Mitarbeiter auch unter schwierigen Bedingungen zu schützen. Damit wird unsere Zukunft gesichert", so Lohscheller. Deutlicher wird Carlos Tavares, Vorstandvorsitzender der Groupe PSA: ,Wir müssen erkennen, dass das, was Opel in den letzten 15 Jahren gemacht hat, nicht erfolgreich war. Der Pace-Plan ist von Opel-Mitarbeitern für Opel gemacht. Jetzt liegt es in ihrer Hand, den Umschwung zu schaffen. Die Entscheidungen werden jetzt nicht mehr in Detroit getroffen und auch nicht in Paris. Sie erfolgen in Rüsselsheim."

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