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Tatsächlicher Verbrauch: Alfa Romeo Junior Mildhybrid im Test

Wie viel Sprit braucht der elektrounterstützte 136-PS-Turbobenziner im realen Verkehr?

Der von uns getestete Alfa Romeo Junior an der Tankstelle mit Infos zu Verbrauch und Spritkosten
Bild von: Fabio Gemelli

Zumindest in Italien gehört der Alfa Romeo Junior zu den am meisten diskutierten Autos. Das kleine SUV spaltet die Fangemeinde der Alfisti: Entweder lehnen sie ihn rundheraus ab oder sie ziehen ihn zumindest in Erwägung.

Diesen umstrittenen Alfa Romeo habe ich nun für unseren wöchentlichen Verbrauchstest ausgewählt. Auf unserer 360 km langen Standard-Teststrecke von Rom nach Forlì verbrauchte der neue Junior mit dem 136 PS starken 1,2-Liter-Mildhybrid-Antrieb 4,75 Liter/100 km. Mit deutschen Durchschnitts-Benzinpreisen entspricht das Spritkosten von 7,89 Euro/100 km.

Verbrauch im Vergleich mit Konkurrenten

Im Ranking unserer Testergebnisse rangiert der Alfa Romeo Junior Mildhybrid knapp hinter seinen Mildhybrid-Schwestermodellen Fiat 600 Mildhybrid (4,55 Liter/100 km) und Jeep Avenger e-Hybrid (4,70 Liter/), die auf der gleichen Plattform basieren und dieselbe Technik nutzen.

Alfa Romeo Junior mit Mild-Hybrid-Motor zeigt anständige Effizienz

Beim Verbrauch eher durchschnittlich: Alfa Romeo Junior mit Mildhybrid-Antrieb

Bild von: Alfa Romeo

Der Kleinste in der Alfa-Romeo-Palette schneidet jedoch besser ab als der VW T-Cross 1.0 TSI mit 115 PS (5,05 Liter), der Hyundai Kona Mildhybrid (5,20 Liter) und der Nissan Qashqai Mildhybrid mit 158 PS (5,55 Liter). Deutlich besser in Sachen Effizienz als der Alfa sind jedoch der Skoda Kamiq mit 116-PS-Benziner (4,25 Liter), der Ford Puma Mildhybrid mit 125 PS (4,10 Liter) und der Hyundai Bayon 1.0 mit 100 PS (3,75 Liter).

Gutes Fahrverhalten, gute Ausstattung, aber wenig Platz

Bei dem von mir getesteten Auto handelte es sich um einen italienischen Alfa Romeo Junior Ibrida 1.2 VGT eDCT6 in der Top-Ausstattung für diese Motorisierung namens Speciale. Sie verfügt bereits serienmäßig über 18-Zoll-Leichtmetallfelgen, graue Bremssättel, LED-Scheinwerfer, getönte Scheiben, Klimaautomatik, Keyless Go, Instrumentendisplay und Touchscreen (beide 10,25 Zoll), Parkpiepsern hinten und Rückfahrkamera.

Schöne Sabelt Sportsitze aus dem Pack Sport Speciale

Schöne Sabelt-Sportsitze aus dem Sport-Paket

Bild von: Alfa Romeo

In Deutschland kostet die genannte Version 31.500 Euro, in Italien sind es 31.900 Euro. Doch mein Testwagen war mit dem Sportpaket (inklusive mit Sabelt-Sportsitzen vorne) und dem Technologiepaket (inklusive mit Matrix-LED-Scheinwerfern) ausgestattet, was den italienischen Listenpreis auf 37.100 Euro hebt. Nicht gerade wenig Geld, aber dafür gibt es auch eine schöne Alcantara-Innenausstattung (die sich allerdings mit Hartplastik abwechselt), eine sportliche Optik und wirklich schicke und gut verarbeitete Vordersitze, auch wenn diese nicht gerade bequem sind.

Besonders gut gefallen hat mir beim Junior die präzise Lenkung, aber auch die Fahrwerksabstimmung, die für eine hervorragende Straßenlage sorgt, ohne den Komfort zu beeinträchtigen. Der Dreizylinder-Turbo mit Mildhybridunterstützung ist keine Leistungsbombe, aber in Kombination mit dem Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe und dem Frontantrieb kommt man in jeder Situation zurecht. 

Beim Manövrieren und allgemein bei niedrigen Geschwindigkeiten wird der Wagen oft vom Elektromotor angetrieben. Was mir nicht gefiel, war das eingeschränkte Platzangebot, sowohl für die Insassen als auch für Gepäck; hier ähnelt der Junior dem Fiat 600 und dem Jeep Avenger.

Stark situationsabhängiger Verbrauch

In den gängigsten Fahrsituationen habe ich nur einen mittelmäßigen Verbrauch festgestellt. Die Effizienz scheint kaum von dem in das Getriebe integrierten Elektromotor zu profitieren, vor allem nicht im Stadt-Umland-Mix und auf der (italienischen) Autobahn. Viel sparsamer ist der Junior Mildhybrid auf der Landstraße bei niedrigen, konstanter Geschwindigkeit.

Das Heck des kleinen Alfa-SUVs

Das Heck des kleinen Alfa-SUVs

Bild von: Alfa Romeo

Mit dem 44 Liter großen Benzintank schafft der Junior Hybrid durchschnittlich rund 600 km am Stück, in der Spitze sind es sogar über 1.000 km, aber nur, wenn man auf idealen Strecken sehr verbrauchsbewusst fährt.

Verbrauch in verschiedenen Fahrsituationen

  • Stadt-Umland-Mix: 6,6 Liter/100 km, 664 km Reichweite (errechnet)
  • Landstraße: 7,1 Liter/100 km, 616 km Reichweite (errechnet)
  • Spritspartest: 3,6 Liter/100 km, 1.218 Reichweite (errechnet)

Aus dem offiziellen Datenblatt

Modell Kraftstoff Leistung Abgasnorm Normverbrauch (WLTP) CO2-Emissionen
(WLTP)
Alfa Romeo Junior Ibrida 1.2 VGT Benzin 136 PS Euro 6E 4,5-5,6 Liter/100 km 103-125 g/km

Daten des Testfahrzeugs

Fahrzeug: Alfa Romeo Junior Ibrida 1.2 VGT 100 kW 48-Volt-Hybrid 21 kW eDCT6 Speciale
Listenpreis: 31.500 Euro (in Italien 31.900 Euro)
Testdatum: 9. Dezember 2024
Wetter (Abfahrt/Ankunft): Regen, 14 Grad / Regen, 8 Grad
Durchschnittsgeschwindigkeit auf der Strecke Rom-Forlì: 71 km/h
Reifen: Goodyear EfficientGrip Performance 2 - 215/55 R18 99V XL (EU-Label: A, A, 70 dB)

Verbrauch und Kosten

Bordcomputer-Anzeige: 4,5 Liter/100 km
An der Zapfsäule ermittelter Verbrauch: 5,0 Liter/100 km
Mittel aus diesen Werten: 4,75 Liter/100 km
Kraftstoffpreis: 1,66 Euro/Liter (Super E10)
Spritkosten: 7,89 Euro/100 km

Unsere italienischen Kollegen erstellen ein stets aktualisiertes Ranking der Verbrauchstest-Ergebnisse. Das Ganze ist in italienischer Sprache, aber wir denken, Sie finden sich zurecht.

Und so ermitteln wir den Verbrauch

Wenn Sie eine Freundin oder einen Freund nach dem Verbrauch seines Autos fragen, wird Ihnen wahrscheinlich ein Wert genannt, der keinen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erhebt. Vielleicht wurde der Wert vom Bordcomputer abgelesen, oder die Tankrechnungen wurden aufbewahrt und daraus ein Verbrauch errechnet.

Ähnlich ermitteln wir unseren Testverbrauch: Er ergibt sich als Mittel aus Bordcomputer-Wert und dem an der Tankstelle ermittelten Verbrauch. Die Testautos werden stets von Fabio Gemelli von Motor1.com Italien gefahren. Der Journalist fährt häufig fürs Wochenende von der Redaktion in Rom in seine Heimat Forlì (in der Emilia-Romagna).

Dabei bewegt er die Autos bewusst sparsam: Er bleibt knapp unter der Höchstgeschwindigkeit (auf der italienischen Autobahn: 130 km/h), vermeidet abruptes Beschleunigen und Bremsen und fährt vorausschauend. Die Teststrecke Rom-Forlì ist etwa 360 Kilometer lang und umfasst 65 Prozent Superstrada (autobahnähnliche Schnellstraße, Tempolimit zwischen 90 und 110 km/h), 25 Prozent Autostrada (Autobahn, Tempolimit 130 km/h), fünf Prozent Strada Statale (Bundesstraße, Tempolimit 90 km/h) und fünf Prozent Stadtverkehr.

Dabei wird der Apennin überquert, die Strecke enthält also durchaus auch Steigungen. Die Durchschnittsgeschwindigkeit liegt in der Regel bei 70 bis 80 km/h. Am Ende der Strecke notiert unser Tester die Bordcomputer-Anzeige und berechnet (bei Autos mit Verbrennungsmotor) den Verbrauch an der Zapfsäule.

Dabei wird "von voll bis voll" gemessen, wobei voll bedeutet: Das Tanken wird beim ersten Klick der Zapfpistole beendet. Dann berechnet Fabio den Mittelwert. Die Kosten berechnen wir jedoch anhand der deutschen Preise (Durchschnittskosten laut ADAC zum Zeitpunkt der Veröffentlichung).

Bei Elektroautos verwenden wir den Bordcomputer-Verbrauch und einen durchschnittlichen Strompreis von 42 Cent pro kWh (durchschnittlich gezahlter Preis für Haushaltsstrom in Deutschland im 2. Halbjahr 2023 laut Destatis). Bei Erdgas- und Autogas-Fahrzeugen wird der Durchschnittspreis von www.gas-tankstellen.de in Anschlag gebracht.

Bildergalerie: Alfa Romeo Junior Veloce (2024) im ersten Test