Wenn Markus Söder ein Auto wäre, dann vielleicht dieses: Stets etwas provokant und je nach Betrachter großspurig im Auftritt. Aber doch beliebter, als man denkt. So wie die aktuelle BMW 7er-Reihe. Die schiere Größe der Limousine samt monumentalem Grill heizt die BMW-Fans so radikal an wie der bayerische Ministerpräsident ein Bierzelt.

Und der 7er liegt bei den Verkaufszahlen in Europa, den USA und China immer noch hinter der Mercedes S-Klasse zurück. Bis September verkaufte BMW 3.700 Einheiten des 7er in Europa – verglichen mit fast 10.300 Einheiten der S-Klasse. Für Europa ist das Limousinen-Flaggschiff aber gar nicht primär gedacht, wird man in München jetzt einwerfen.

Um es mit dem unvergessenen Loriot zu sagen: Ach was? Denn es gibt das Dickschiff seit März 2023 auch als 740d xDrive mit Sechszylinder-Diesel. Ein Antrieb, der sehr deutsch ist und klar auf Europa zielt. Schaffen es seine Qualitäten, uns mit dem Luxusliner zu versöhnen?

Bildergalerie: BMW 740d xDrive (2023) im Test

Was ist das?

Fest steht jedenfalls: Der aktuelle 7er ist groß, sehr groß. Manch Kollege erwähnte gar das Wort "Panzer". Eine separate Langversion gibt es nicht mehr, satte 5,39 Meter plus 3,21 Meter Radstand sind das Maß aller Dinge. Bei Normgaragen und der Parkplatzsuche wird es also interessant, von Parkhäusern wollen wir gar nicht erst anfangen. Zwar helfen unzählige Sensoren und Kameras, sogar der Einparkweg kann für das spätere Ausparken gespeichert werden. 

Aber Größe ist nicht verhandelbar. Und wenn der Verkäufer so nett ist wie beim Anzugkauf-Sketch von Loriot. Ergänzung am Rande: Mit 5,06 Meter Länge liegt die neue 5er Limousine fast auf dem Niveau der Kurzversion des alten 7er. Wer also die schrille Optik des BMW-Topmodells samt beleuchteter Mega-Niere nicht mag ...

BMW 740d xDrive (2023) im Test
BMW 740d xDrive (2023) im Test

Nun wollen wir aber weder Designpolizei noch Moralapostel sein. Und greifen zu den Klapptürgriffen, um in den 740d einzutauchen. Im Fond fehlt der laut BMW gerne georderte 31,3-Zoll-Bildschirm, mit dem das Boudoir zum Kinosaal wird. Die Beinfreiheit ist natürlich opulent, doch die Rückenlehnen sind für unseren Geschmack zu sehr geneigt. Hier wäre eine Einzelsitz-Verstellung schön, sie gibt es für 4.350 Euro Aufpreis im Executive-Paket. Auch die kleinen, Smartphone-ähnlichen Touchscreens in den Türen erscheinen nicht als der Weisheit letzter Schluss.

BMW 740d xDrive (2023) im Test

Im Cockpit zeigt sich vor allem eines deutlich: Licht ist das neue Holz. Bling statt Baum. Das dürfte dem internationalen und gerade in China jüngeren Publikum geschuldet sein. Nachtclub in Shanghai mit vielen ins Neon spielenden Farben statt Chefbüro in Eiche Rustikal. Tipp: Probieren Sie mal "Flamingo" aus.

Was steckt unter der Haube?

BMW selbst spricht hinsichtlich des Sechszylinder-Selbstzünders unter der riesigen Haube von einem "umfangreich weiterentwickelten Verbrennungsmotor". Übersetzt: Der 740d xDrive wird von 48-Volt-Mild-Hybrid-Technologie mit einem in das 8-Gang Steptronic Getriebe integrierten Elektromotor unterstützt.

Daraus resultieren eine Höchstleistung von 220 kW (300 PS) (gemeinsam erzeugt vom Verbrennungsmotor mit bis zu 210 kW/286 PS und dem integrierten Elektromotor mit bis zu 13 kW/18 PS) und ein maximales Drehmoment von 670 Nm (gemeinsam erzeugt vom Verbrennungsmotor mit bis zu 650 Nm und dem integrierten Elektromotor mit bis zu 200 Nm).

BMW 740d xDrive (2023) im Test

B57 heißt der Sechszylinder im internen BMW-Sprech. Falls er Ihnen in Form des 740d zu viel des Guten ist, kein Problem. Die gleiche Maschine kommt auch im X3 und X5 xDrive30d zum Einsatz, ab Juli 2024 zudem im neuen 540d xDrive. Und wer auf noch mehr Diesel-Dampf steht, bekommt den handlichen M340d xDrive mit 340 PS.

Wie fährt er sich?

Der 740er Diesel war in unserer Redaktion ein begehrtes Fahrzeug. Die Reaktionen danach fielen unterschiedlich aus. Kollege Wagner urteilte:

Motor: Sehr gut gekapselt, kaum Vibrationen, sehr angenehme Geräuschkulisse. Seltsamerweise scheint er im Sportmodus etwas lauter und präsenter zu werden, was beim Diesel ja überhaupt keinen Sinn ergibt. Zieht im schweren, großen 7er natürlich nicht unbedingt die ganz große Wurst vom Teller, aber es lässt sich schon sehr angenehm und flott fahren, vor allem, weil er auch keine typische Anfahrschwäche hat, sondern sofort da ist.

Fahrverhalten: Im Vergleich zum Vorgänger gediegener, weniger sportlich, dafür komfortbetonter; Sicher der undynamischste 7er bisher, dafür aber mehr der Gleiter; Er ist ja auch deutlich größer als alle 7er bisher, auf der Straße teils unangenehm groß (Baustellen). Der Fahrkomfort ist sehr gut, das wirkt alles sehr satt, aber wäre auch äußerst seltsam, wenn nicht.

Auch hier gilt: Der elektrische i7 ist fahrdynamisch auf einem anderen Level, deutlich dynamischer mit weniger Karosseriebewegung. Das soll nicht den Diesel bashen, aber im Luxusbereich macht ein EV ja total Sinn (leiser, keine Vibrationen, fahrdynamisch durch Schwerpunkt und bessere Gewichtsverteilung extrem im Vorteil).

BMW 740d xDrive (2023) im Test

Kollege Reinhold lobt den mit unter 7 Liter sehr guten Verbrauch und zugleich den wahnsinnig guten Antritt von 0 auf 50 - seiner Meinung nach Elektroauto-Niveau. Für Begeisterung sorgte auch die klasse Elastizität von 120 auf 170 km/h. Macht wirklich Spaß!, so sein Fazit. Sehr gut seien auch der Parkassistent und der Driving Assistant. Letzter gibt einen Vorgeschmack auf autonomes Fahren.

In der Tat wird BMW hier bald nachlegen: Hochautomatisiertes Fahren auf Level 3 kommt 2024. Ab März gibt es die Sonderausstattung für 6.000 Euro für autonomes Fahren bis 60 km/h.

Fest steht: Beiden Kollegen kann man sich nur anschließen. Die Größe des 740d ist enorm, aber das weiß man ja, falls man sich einen zulegt. Umso erstaunlicher, wie präzise sich der 7er dirigieren lässt. Die Integral-Aktivlenkung steuert die Hinterräder präzise mit und optimiert so das Lenkverhalten. Die Hinterräder schlagen bei niedrigen Geschwindigkeiten um bis zu 3,5 Grad entgegengesetzt zu den Vorderrädern ein.

BMW 740d xDrive (2023) im Test

Faszinierend bleibt, wie souverän der gar nicht einmal übertrieben starke Diesel den schweren Wagen vorantreibt. Ein 1a-Langstreckenfahrzeug, bei dem man nach München-Hamburg aussteigen würde und sich fragt: War was? Dafür sorgt auch der unter anderem dank Komfortverglasung bestens gedämmte Diesel, wenngleich das typische Verbrennungsgeräusch nicht ganz unterdrückt werden kann. Hier wäre der schon erwähnte i7 im Vorteil.

Jedoch nicht bei der Reichweite, die mit vollem 74-Liter-Tank locker über 1.000 Kilometer liegt. BMW selbst beziffert den Verbrauch auf 6,1 bis 6,8 Liter, wir konnten bei Überlandfahrt mit kurzen, flott gefahrenen Autobahnabschnitten 6,5 Liter erzielen. Zum Vergleich: Das ist das Niveau diverser Kleinwagen mit Benziner!

Kommen wir abschließend zum Preis. Der ist (natürlich) sechsstellig: Bei 114.300 Euro startet der 740d xDrive in Deutschland, unser gar nicht extrem voll ausgestatteter Testwagen notierte bei 131.230 Euro. Gewiss, viel Geld. Aber konfigurieren Sie sich mal die neue Mercedes E-Klasse ...

Fazit: 9/10

Ein riesiges Auto mit niedrigem Verbrauch. Fast möchte man von der Quadratur des Kreises sprechen, wäre der neue BMW 7er nicht optisch so polarisierend und innen etwas arg kunststofflastig. Und natürlich ist er teuer. Wir würden auf den neuen 540d xDrive warten, wobei selbst ein 520d eigentlich reicht. So oder so: Der 5er wird zum 7er des kleinen Mannes.

Bildergalerie: BMW 740d xDrive (2023) im Test

BMW 740d xDrive (2023)

Motor Sechszylinder-Biturbodiesel mit 48V-Technik, 2.993 ccm
Leistung 220 kW (299 PS) Systemleistung
Max. Drehmoment 670 Nm Systemdrehmoment
Antrieb Allradantrieb
Getriebeart 8-Gang-Automatik
Beschleunigung 0-100 km/h 5,8 Sek.
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
Länge 5.391 mm
Breite 1.950 mm
Höhe 1.544 mm
Kofferraumvolumen 540 Liter
Leergewicht 2.255 kg
Zuladung 715 kg
Anhängelast 2.100 kg
Verbrauch 6,1 - 6,8 Liter/100 km (WLTP)
Emission 160 - 179 g CO2/km (WLTP)
Basispreis 114.300 Euro
Preis des Testwagens 131.230 Euro