Wie viel Sprit braucht der RAV4 als 306 PS starker Plug-in-Hybrid?

Kann ein 4,60 Meter langes, fast 2 Tonnen schweres SUV mit Allradantrieb, Automatikgetriebe und 306 PS weniger verbrauchen als ein Kleinwagen?

Die Antwort lautet ja, vorausgesetzt, es handelt sich um den neuen Toyota RAV4 Plug-in Hybrid, der in unserem wöchentlichen Verbrauchstest auf einen Durchschnitt von 3,25 Liter/100 km kam. Die Voraussetzung für diesen neuen Verbrauchsrekord ist die etwa 15 kWh große Batterie (nutzbare Kapazität; brutto sind es 18,1 kWh). Bei einem deutschen Durchschnitts-Benzinpreis von derzeit 1,54 Euro/Liter ergibt das Spritkosten von 5,01 Euro/100 km. Dazu kommen freilich noch die Stromkosten, denn wir fuhren mit voller Batterie los.

Neuer Verbrauchsrekord bei den SUVs

Der RAV4 Plug-in Hybrid stellt mit seinen 3,25 Liter einen neuen Verbrauchsrekord in der Kategorie SUVs auf. So lässt er den kompakteren Kia Niro PHEV (3,30 Liter/100 km) hinter sich, genau wie den etwa gleich großen Ford Kuga 2.5 Plug-in Hybrid 2WD, der mit Frontantrieb einen hervorragenden Durchschnitt von 3,80 Litern erreichte.

Toyota RAV4 Plug-in Hybrid

Auch die Plug-in-Diesel-Hybride von Mercedes, der GLE 350 de 4Matic (3,95 Liter) und der GLC 300 de 4Matic (4,00 Liter), lagen dicht dahinter, ebenso wie der Peugeot 3008 Hybrid4 300 mit 4,50 Liter. Beim Verlassen von Rom legte der Toyota RAV4 Plug-in Hybrid 84 Kilometer im Elektromodus zurück und erreichte damit die zweitbeste jemals erzielte Leistung. Die Reichweite liegt auch über der WLTP-Normreichweite von 75 Kilometern. 

Zwischen SUV und Geländewagen, aber sehr wendig

Die getestete Version hatte die üppige italienische "Style+"-Ausstattung, die in Deutschland nicht angeboten wird. Serienmäßig sind hier 19-Zoll-Alufelgen, eine Lederausstattung mit belüfteten Vordersitzen, zweifarbige Perlmuttlackierung, Panorama-Schiebedach, elektrische Heckklappe, Abstandstempomat und Klimaautomatik. Vergleichbar ist wohl die deutsche Version mit Technik- und Style-Paket, die es für knapp 60.000 Euro gibt.

Die Plug-in-Version bietet den gleichen großen Laderaum wie der normale RAV4 und reichlich Platz für die Passagiere. Hinzu kommen robuste, abwaschbare Oberflächen und der Trail-Modus (mit automatischer Sperrdifferenzialsperre), die dem Modell Offroad-Fähigkeiten verleihen.

Toyota RAV4 ibrida plug-in arriva in Europa

Dazu kommen die 360 PS Systemleistung, die zustande kommen durch den 2,5-Liter-Benziner mit 185 PS und den Elektroantrieb mit 182 PS vorne und 55 PS an der Hinterachse. Beim Sprinten, Überholen und der Vehemenz, mit dem Steigungen in Angriff genommen werden, ist der Plug-in-RAV4 eher Sportwagen als SUV. Die Batterie wird mit bis zu 6,6 kW Wechselstrom aufgeladen; das dauert knapp drei Stunden.

Reichweite und Stromverbrauch im Elektromodus

Mit voller Batterie liegt die elektrische Reichweite zwischen 50 und 100 Kilometern; meist sind es etwa 80 km. Das bedeutet, dass der RAV4 Plug-in Hybrid auch dann sehr sparsam ist, wenn nur die beiden Elektromotoren für die Traktion sorgen. Dann sind bis 135 km/h möglich.

Lediglich auf der Autobahn oder bei sportlicher Fahrweise steigt der Stromverbrauch an, aber nie so weit, dass die Batterie zu schnell entleert werden.

Hier unsere Messwerte im Einzelnen:

  • Stadtverkehr (Rom): 19,0 kWh/100 km, 78 km Reichweite
  • Stadt-Umland-Mix: 14,8 kWh/100 km, 100 km Reichweite
  • (Italienische) Autobahn: 28,5 kWh/100 km, 52 km Reichweite
  • Stromspartest: 12,5 kWh/100 km, 120 km Reichweite
  • Maximaler Verbrauch: 80,3 kWh/100 km, 18 km Autonomie

Spritverbrauch bei leerer Batterie

Auch mit leerer Batterie kann man dank dem 55-Liter-Benzintank eine lange Strecke zurücklegen. Die Durchschnittsverbräuche bei (praktisch) leerer Batterie liegen sehr nahe an denen des RAV4 Hybrid AWD-i, der einen normalen Hybridantrieb ohne Auflademöglichkeit besitzt. Unter allen Bedingungen bleiben sie für den allradgetriebenen SUV sehr niedrig.

Hier die Ergebnisse im Einzelnen:

  • Stadt-Umland-Mix: 5,6 Liter/100 km, 979 km Reichweite
  • (Italienische) Autobahn: 6,2 Liter/100 km, 885 km Reichweite
  • Spritspartest: 3,6 Liter/100 km, 1.523 km Reichweite
  • Maximaler Verbrauch: 25,2 Liter/100 km, 214 km Reichweite
Toyota RAV4 ibrida plug-in arriva in Europa

Aus dem offiziellen Datenblatt

Modell Kraftstoff Leistung Abgasnorm CO2-Emissionen
(NEFZ)
Verbrauch
(NEFZ)
Toyota RAv4 Plug-in Hybrid Benzin 306 PS Euro 6d-ISC-FCM 26 g/km 1,2 Liter/100 m

Daten des Testfahrzeugs

Fahrzeug: Toyota RAV4 Plug-in Hybrid Style+ (Ausstattung in Deutschland nicht angeboten)
Deutscher Listenpreis: 59.890 Euro (mit Technik- und Style-Paket)
Testdatum: 2. Juli 2021
Wetter (Abfahrt/Ankunft): heiter, 34 Grad / heiter, 27 Grad
Insgesamt während der Tests gefahren: 888 km
Durchschnittsgeschwindigkeit auf der Strecke Rom-Forlì: 78 km/h
Reifen: Yokohama Avid GT S35 - 235/55 R19

Verbrauch und Kosten

Bordcomputer-Anzeige: 3,2 Liter/100 km
An der Zapfsäule bestimmter Verbrauch: 3,3 Liter/100 km
Mittel aus diesen Werten: 3,25 Liter/100 km
Kraftstoffpreis: 1,54 Euro/Liter (Super E10)
Spritkosten: 5,01 Euro/100 km

Und so ermitteln wir den Verbrauch

Wenn Sie einen Freund nach dem Verbrauch seines Autos fragen, nennt er Ihnen wahrscheinlich einen Wert, der keinen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erhebt. Vielleicht hat er den Wert vom Bordcomputer abgelesen, oder er hat seine Tankrechnungen aufbewahrt und sich daraus einen Verbrauch errechnet.

Ähnlich ermitteln wir unseren Testverbrauch: Er ergibt sich als Mittel aus Bordcomputer-Wert und dem an der Tankstelle ermittelten Verbrauch. Die Testautos werden stets von Fabio Gemelli von Motor1.com Italien gefahren. Der Journalist fährt häufig fürs Wochenende von der Redaktion in Rom in seine Heimat Forlì (in der Emilia-Romagna).

Dabei bewegt er die Autos bewusst sparsam: Er bleibt knapp unter der Höchstgeschwindigkeit (auf der italienischen Autobahn: 130 km/h), vermeidet abruptes Beschleunigen und Bremsen und fährt vorausschauend. Die Teststrecke Rom-Forlì ist etwa 360 Kilometer lang und umfasst 65 Prozent Superstrada (autobahnähnliche Schnellstraße, Tempolimit zwischen 90 und 110 km/h), 25 Prozent Autostrada (Autobahn, Tempolimit 130 km/h), fünf Prozent Strada Statale (Bundesstraße, Tempolimit 90 km/h) und fünf Prozent Stadtverkehr.

Dabei wird der Apennin überquert, die Strecke enthält also durchaus auch Steigungen. Die Durchschnittsgeschwindigkeit liegt in der Regel bei 70 bis 80 km/h. Am Ende der Strecke notiert unser Tester die Bordcomputer-Anzeige und berechnet (bei Autos mit Verbrennungsmotor) den Verbrauch an der Zapfsäule.

Dabei wird "von voll bis voll" gemessen, wobei voll bedeutet: Das Tanken wird beim ersten Klick der Zapfpistole beendet. Dann berechnet Fabio den Mittelwert. Die Kosten berechnen wir jedoch anhand der deutschen Preise (Durchschnittskosten laut ADAC zum Zeitpunkt der Veröffentlichung).

Bei Elektroautos verwenden wir den Bordcomputer-Verbrauch und einen durchschnittlichen Strompreis von 32 Cent pro kWh (gerundeter Durchschnittspreis für 1 kWh Haushaltsstrom in Deutschland im Jahr 2020 mit 19% Mwst. laut Bundeswirtschaftsministerium). Bei Erdgas- und Autogas-Fahrzeugen wird der Durchschnittspreis von www.gas-tankstellen.de in Anschlag gebracht.