Wie fährt es sich mit Erdgas respektive CNG im Kleinwagen?

Wie lebt es sich mit Erdgas im Auto-Alltag? Noch dazu in Gestalt eines Kleinwagens? Wir haben den Seat Ibiza 1.0 TGI drei Monate lang unter die Lupe genommen. Natürlich drehen sich die meisten Gedanken um das Einsparpotenzial. Der Verbrauch wird das Thema unserer Schlussbetrachtung im dritten Teil sein. Doch fest steht: In der Anschaffung ist der Ibiza TGI 1.000 Euro teurer als ein entsprechender "normaler" Benziner.

Jetzt geht es erst einmal um die alltäglichen Erfahrungen im wortwörtlichen Sinne. Was dem Autor dieser Zeilen zugute kommt: Er fährt seit Mitte 2019 einen Seat Ibiza 1.0 TSI mit dem gut vergleichbaren Benziner. Dieser 999-Kubik-Dreizylinder mit Turbo ist nämlich die Grundlage für die Erdgas/CNG-Version.

Allzu große Überraschungen hält der Umstieg von Ibiza zu Ibiza für mich zunächst nicht bereit. Aber unser Testwagen gibt sich wesentlich schicker: Lackiert in "Desire Rot", dazu die sportlich angehauchte FR-Ausstattung mit optionalen 18-Zöllern statt nüchternem "Style" und 15-Zoll-Alus bei mir.

Das merkt man auch innen: Ein Dekor in Lederoptik spannt sich über das Armaturenbrett und sorgt so für Glanz in der Hütte. Hinzu gesellen sich bequeme Sportsitze. An der Bedienung gibt es kaum etwas auszusetzen, vielleicht nur den etwas unpraktisch montierten Lenkstockhebel für den Tempomat. Der 8-Zoll-Touchscreen in der Mittelkonsole ist angenehm einfach beherrschbar, zum Glück verzichtet Seat im Ibiza bislang noch auf Digitalorgien wie im neuen Leon.

Apropos digital: Auf das optionale "Virtual Cockpit" muss der Gas-Ibiza verzichten, schließlich trägt er zwei Tankanzeigen für zwei Kraftstoffe. Sind beide Reservoirs vollgetankt, stehen 290 (CNG) und 110 Kilometer (Benzin) zu Buche, gesamt also 400 km. Drei Stahltanks sind dazu da, um CNG zu bevorraten.

Seat Ibiza TGI (2020) im Motor1-Dauertest, Teil 2

Die CNG-Variante des Ibiza verfügt dabei über dieselben technischen Systeme wie der bekannte 1,0-Liter-TSI-Benziner, wurde jedoch um zahlreiche zusätzliche Bauteile und Komponenten erweitert, die speziell für den Betrieb mit komprimiertem Erdgas ausgelegt sind. Dazu gehören auch die drei CNG-Tanks, die unter einer speziellen Bodenplatte im Heck verbaut sind, ein CNG-Einfüllstutzen neben dem Benzineinfüllstutzen, Gasleitungen aus Edelstahl, Gasdrucksensoren und ein elektronischer Druckregler, der die CNG-Verteilung im TGI-Antriebsstrang regelt.

Allerdings kosten die Gastanks Platz im Kofferraum: 262 bis 1.072 Liter bedeuten ein Minus von gut 100 Liter, zudem liegt der Ladeboden höher. Und man kann mit dem TGI keine Anhänger ziehen.

Seat Ibiza TGI (2020) im Motor1-Dauertest, Teil 2

Im Fahrgastraum geht es großzügiger zu, hier erstaunt jedes Mal aufs Neue, wie geräumig ein Kleinwagen inzwischen sein kann. Kurios: Aus unerfindlichen Gründen ist eine Mittelarmlehne vorne für den Ibiza TGI nicht erhältlich.

Nun aber losgefahren: Im Vergleich zum 95-PS-Benziner verliert der 1.0 TGI fünf Pferdestärken, dafür punktet er mit sechs statt fünf Gängen. Manuell geschaltet, versteht sich, ein DSG ist nicht erhältlich. Laufruhig zieht der Gas-Ibiza vorwärts, aber das Turboloch scheint gefühlt größer zu sein, er kommt etwas träger in die Puschen als sein Benzin-Bruder.

Seat Ibiza TGI (2020) im Motor1-Dauertest, Teil 2

Die nackten Zahlen bestätigen meinen Eindruck: Liegen beim TSI 175 Newtonmeter maximales Drehmoment ab 1.500 Touren an, so sind es beim TGI lediglich 160 Nm ab 1.800 U/min. Bei der Beschleunigung auf Tempo 100 ist der TGI um 1,2 Sekunden langsamer. Kein Wunder, denn bedingt durch die Gastanks ist er 122 Kilogramm schwerer als der TSI.

Unterhalb von 2.000 Umdrehungen ist die Beschleunigung sehr mäßig, man muss höher drehen, um gut voranzukommen. Angesichts des gut gedämmten Motors ist das aber erträglich. Überraschend gut fällt der Abrollkomfort der 18-Zoll-Räder aus. Ob sie und die FR-Ausstattung aber sein müssen, sei dahingestellt. Wer den Ibiza 1.0 TGI als "Style" mit Comfort-Paket und Parksensoren hinten nimmt, zahlt bei derzeit 16 Prozent Mehrwertsteuer exakt 19.905,21 Euro.

Bildergalerie: Seat Ibiza TGI (2020) im Motor1-Dauertest, Teil 2

Bild von: Fabian Grass

Seat Ibiza FR 1.0 TGI (Stand: September 2020)

Motor Dreizylinder-Turbo, Erdgas/Benzin bivalent, 999 ccm
Leistung 66 kW (90 PS)
Max. Drehmoment 160 Nm bei 1.800-3.500 U/min
Antrieb Frontantrieb
Getriebeart Sechsgang-Schaltgetriebe
Höchstgeschwindigkeit 184 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h 12,1 Sek.
Länge 4.059 mm
Breite 1.780 mm
Höhe 1.444 mm
Kofferraumvolumen 262-1.072 Liter
Leergewicht 1.250 kg
Zuladung 515 kg
Verbrauch 6,2 - 4,2 kg/100 km (nach WLTP)
Emission 112 - 103 g/km CO2 (nach WLTP)
Basispreis 20.996, 97 Euro (mit 16 Prozent MwSt.)
Preis des Testwagens 25.268 Euro (mit 16 Prozent MwSt.)