Was kann der edle Verwandte des VW Polo?

Klein, aber fein: Nach diesem Motto brachte Audi im Jahr 2010 den ersten A1 auf den Markt. Nach relativ langen acht Jahren steht nun bald der Nachfolger beim Händler. Der Grund: Der neue A1 teilt sich die noch recht frische MQB-A0-Plattform des Volkswagen-Konzerns mit dem Seat Ibiza und dem VW Polo. Parallel wechselte die Fertigung von Brüssel (dort baut Audi jetzt den e-tron) zu Seat ins spanische Martorell. Die wichtigste Frage ist natürlich: Kann sich der Premium-orientierte Audi A1 deutlich von seinen bürgerlichen Brüdern abheben?

Was hat sich beim Audi A1 getan?

Blicken wir zunächst auf das Design: Hier macht der A1 wirklich einen großen Schritt nach vorne. Er wirke nicht mehr so mopsig, meint mein Beifahrer und er fügt hinzu: „Jetzt ist es ein richtiges Auto.“ In der Tat wirkt der neue A1 sehr eigenständig. Große Lufteinlässe vorne betonen die Breite, obwohl sie sogar um sechs Millimeter abgenommen hat. Etwas zu gewollt wirken die drei Pseudo-Luftschlitze über dem Singleframe-Grill, sie sollen an den Sport Quattro und den R8 erinnern. Wie stark der persönliche A1 aufgebrezelt sein soll, hat der Kunde selbst in der Hand: Alle Ausstattungslinien für außen und innen sind frei kombinierbar. Insgesamt soll es laut Audi über eine Millionen möglicher Individualisierungsvarianten geben.

Pluspunkte sammelt der Audi A1 am Heck: Scharf geschnittene Rückleuchten und eine weniger wuchtige Heckklappe. Die ehemals an Frachtflugzeuge erinnernde, weit umfassende Klappe ist Vergangenheit, der nun 335 bis 1.090 Liter (plus 65 Liter) große Kofferraum lässt sich hervorragend beladen. Interessant ist der variable Boden, er ist in der obersten Position im hinteren Bereich leicht ansteigend, um bei umgelegten Lehnen eine Stufe abzumildern.

Ist der A1 stark gewachsen?

Doch zurück zu den Abmessungen des neuen Audi A1: In der Länge hat er um knapp sechs Zentimeter auf jetzt 4,03 Meter zugelegt, der Radstand wuchs sogar um rund neun Zentimeter auf 2,56 Meter. Im übrigen gibt es den A1 nur noch als fünftürigen Sportback, zuletzt machte der Dreitürer nur noch 20 Prozent der Verkäufe aus. Ähnlich ist es auch bei Seat Ibiza und VW Polo, was einen zusätzlichen Grund darstellen dürfte.

Wer im A1 gerne Passagiere mitnimmt, wird das Plus beim Radstand begrüßen: Selbst lange Mitfahrer fühlen sich im Fond wohl, erst ab etwa 1,90 Meter Mensch wird es im Fußraum etwas knapper. Ebenfalls gut: Beim Vorgänger wirkten die schmalen hinteren Türen immer wie nachträglich eingefügt, jetzt erleichtern breitere Portale den Einstieg immens.

Vorne gibt der neue Audi A1 keinen Anlass zur Klaustrophobie. Besonders gelungen ist die im Winkel von 13 Grad zum Fahrer geneigte Mitelkonsole. Ein digitales Instrumentendisplay ist stets serienmäßig, in der Basis allerdings ohne Verstellmöglichkeiten. Apropos Basis: Bei unter 20.000 Euro soll der günstigste A1 in Gestalt des 25 TFSI starten, der aber erst 2019 nachgeschoben wird.

Zum Marktstart Ende November 2018 steht zunächst nur der 30 TFSI bereit, er kostet mindestens 21.150 Euro. An diesem Punkt muss deutlich gesagt werden, dass vor allem die Türverkleidungen aus Hartplastik nicht zu diesem ambitionierten Preis passen. Für 160 Euro extra kommt eine schiefergraue Polygonstruktur ans Armaturenbrett, dazu je nach Gusto gelbe Akzente. Aber auch bei den Polygonen wirkt der Kunststoff zu billig. Vor dem Hintergrund, dass der im gleichen Werk gebaute, aber günstigere Seat Ibiza optional mit Leder im Cockpit glänzt, sollte Audi diesbezüglich dringend nachbessern.

Auch die volle Digitaldröhnung, die den Audi A1 zum feinen Kleinen macht, will bezahlt sein: Gut 2.000 (in Worten: zweitausend) Euro stehen für die Kombination aus „echtem“ Virtual Cockpit und Navi in der Preisliste, mit diversen weiteren Extras ist selbst für den 30 TFSI die 30.000-Euro-Marke nicht allzu fern. Ähnlich wie bei seinem schärfsten Rivalen, dem Mini, gilt auch für den A1: Wer es wohnlich und ansehnlich haben will, muss tief in die Tasche greifen.

Welche Motoren gibt es?

Kommen wir zum Motorenprogramm des neuen Audi A1, das Kenner des Volkswagen-Konzerns nicht überraschen dürfte: Los geht es In Gestalt des 1,0-Liter-Dreizylinders mit 95 PS (25 TFSI) oder 116 PS (30 TFSI). Wer auf Vierzylinder steht, hat die Wahl zwischen dem 35 TFSI mit 150 PS und Zylinderabschaltung oder dem 40 TFSI mit 200 PS. Letzterer unterscheidet sich vom gleich starken VW Polo GTI durch einen Miller-Zyklus. Diesel-Freunde, so es sie denn noch gibt, gehen leer aus: Der Selbstzünder entfällt beim A1.

Wir sind den A1 als 30 und 35 TFSI (die Audi-Nomenklatur bleibt etwas rätselhaft) gefahren. Im Alltag reicht der 30er-Dreizylinder vollkommen aus, er schiebt den A1 sauber voran. Bei normaler Fahrt ist der typische Dreizylinder-Klang nur entfernt wahrnehmbar, erst beim starken Tritt aufs Gaspedal und folgenden höheren Drehzahlen dringt etwas mehr Ton ans Ohr. Insgesamt ist der Motor aber sehr gut gedämmt.

Im Gegensatz dazu kann sich der 35er-A1 nicht so stark absetzen, wie es seine 150 PS vermuten lassen. Dank Vierzylinder ist der Sound runder, doch auftrumpfen kann das Aggregat erst, wenn schnell viel Leistung und Drehmoment gefragt ist. Hier liefert der 35 TFSI quasi noch den Klecks Sahne auf dem Kuchen. Eine echte Empfehlung ist übrigens das bei Audi „S Tronic“ genannte Doppelkupplungsgetriebe. Es wechselt seine sieben Gänge sehr harmonisch, die 1.600 Euro Aufpreis sind gut investiertes Geld.

Wie sieht es in Sachen Fahrwerk und Lenkung aus? Lassen Sie es mich so sagen: Auffällig unauffällig, wobei der Audi A1 eine leichte Tendenz zur Straffheit hat. Wer es lieber komfortabler mag, sollte bei den Felgen auf kleinere Formate setzen. 18 Zoll sind das Maximum, allerdings auf schlechten Straßen keine rechte Freude. Etwas überraschend sind stets die lauten Abrollgeräusche.

Und was kostet einen der Spaß?

Wie bereits erwähnt, bleibt sich der A1 bei der Preisgestaltung treu: Er wird zwar nicht wesentlich teurer, aber um ihn ansehnlich zu gestalten, rollt der Rubel. Als kleinen Spartipp können wir ihnen das adrette „Tiomangrün“ empfehlen, eine Uni-Lackierung für nur 275 Euro. Wo steht der neue A1 im Vergleich? Los geht es vorerst, wie bereits erwähnt, bei 21.150 Euro für 116 PS. Günstiger, aber auch schwächer ist der Mini One mit 102 PS, er startet bei 19.990 Euro. Und konzernintern? Für den Polo 1.0 TSI Comfortline mit 115 PS ruft VW die Summe von 19.050 Euro auf. Exakt 2.100 Euro trennen ihn also vom A1. Um Shakespeare aufzugreifen: Premium oder nicht Premium, das ist hier die Frage.

Fazit: 7 von 10

Der neue Audi A1 hat besonders beim Platzangebot spürbar gewonnen. In anderen Bereichen kann sich der A1 aber nicht so weit von seinen Kleinwagen-Konzernbrüdern absetzen, wie es der Preis verspricht. Bei den Materialien im Innenraum ist noch Luft nach oben.

Audi A1 Sportback 30 TFSI (2018)

Motor Reihen-Dreizylinder-Turbobenziner, 999 ccm
Leistung 85 kW (116 PS) bei 5.000 - 5.500 U/min
Max. Drehmoment 200 Nm bei 2.000 - 3.500 U/min
Getriebeart manuelle Sechsgang-Schaltung
Antrieb Frontantrieb
Beschleunigung 0-100 km/h 9,5 s
Höchstgeschwindigkeit 203 km/h
Verbrauch 4,9 l/100 km (NEFZ)
Emission 111 g/km
Länge 4,03 m
Breite 1,74 m
Höhe 1,41 m
Kofferraumvolumen 335 l
Leergewicht 1.180 kg
Zuladung 475 kg
Basispreis 21.150 Euro

Bildergalerie: Audi A1 (2018) im Test