Kompaktkombi mit neuem 1,4-Liter-Turbo schon gefahren

Er hat so viel zu erzählen wie Proust, tut es aber so elegant wie Balzac: Mit dieser Aussage versuchte kürzlich eine angesehene Tageszeitung einen deutschen Schaumwein zu loben. Für alle, die sich mehr für Autos als für französische Literatur interessieren: Das ist etwa so, wie wenn ich über den neuen Kia Ceed SW schreiben würde: Er kann so viel transportieren wie ein Jaguar F-Type, tut es aber so elegant wie ein Skoda Superb Combi. Genau, ein Kompliment wäre das nicht. Doch der neue Kompaktkombi aus Korea hat eher einen Strauß Blumen verdient als so eine Gemeinheit. Denn wir sind nach unserem Test sehr positiv überrascht. Die Gründe dafür lesen Sie hier.

Was ist das für ein Auto?

Die dritte Generation des Ceed ist seit dem Frühsommer 2018 auf dem Markt, nun kommt die Kombiversion Ceed SW, bevor Anfang 2019 dann noch ein eleganter gezeichnetes zweites Kombimodell namens ProCeed startet. Kia erwartet, dass künftig 50 Prozent der Verkäufe auf den normalen Ceed und jeweils 25 Prozent auf die beiden Kombis entfallen werden. Der neue Ceed SW ist mit 4,60 Meter fast zehn Zentimeter länger als der alte. Er tritt an gegen Autos wie den Skoda Octavia Combi, den Peugeot 308 SW oder natürlich auch den VW Golf Variant. Es gibt ihn mit einem 100 PS starken Saugbenziner, als 1.0 T-GDI mit 120 PS oder als 1.4 T-GDI mit 140 PS. Auf der Dieselseite steht ein 1.6 CRDi mit 115 oder 136 PS. Der Diesel soll 2019 ein Mildhybridsystem bekommen, und damit ist das Ende der Fahnenstange bei der Elektrifizierung noch nicht erreicht, heißt es bei Kia. Also eine Elektroversion? Nein, das wohl nicht, sagt Kia. Was bleibt dann übrig? Na klar, entweder ein klassisches Hybridsystem (gibt es ebenfalls im Niro) oder ein Plug-in-Antrieb.

Wie, gleich zwei Kombis? Was ist denn der Unterschied zwischen Ceed SW und ProCeed?

Der ProCeed ist der Elegante, der Schönling, der SW dagegen der Praktische und Günstige. Junge Familien werden den SW kaufen, wer eher auf Optik als auf den Preis achtet, den ProCeed. Letzteren gibt es auch erst ab der Ausstattung GT-Line. Als besondere Stärke des SW nennt Kia zuallererst das Kofferraumvolumen. Das ist mit 625 bis 1.694 Liter in der Tat sehr groß. Beim Volumen in fünfsitziger Konfiguration ist er Klassenbester, beim Maximalwert die Nummer zwei (hinter dem Skoda Octavia Combi, der 610 bis 1.740 Liter schafft). Der ProCeed wird bei 549 Liter liegen, das sind nur 31 Liter weniger als beim SW. Der Maximalwert ist noch nicht bekannt, hier dürfte der Unterschied zum SW wegen der abfallenden Dachlinie des ProCeed aber deutlich größer sein.

Kia Ceed SW 2019
Kia ProCeed 2019

Das klingt so, als wäre der Ceed SW nur ein Brot-und-Butter-Auto …

Das trifft es nicht. Erstens sieht der Ceed SW durchaus nicht übel aus, die serienmäßigen vier LED-Elemente im Scheinwerfer (das Tagfahrlicht) wirken dynamisch und markant, am Heck gibt es jetzt ebenfalls Tagfahrlicht, was nicht nur gut aussieht, sondern gerade im Herbstnebel ein Sicherheitsgewinn ist. Zweitens gibt es etliche Hightech-Elemente für den Kombi, wie LED-Scheinwerfer, sensorgesteuerte Heckklappe, Sitzbelüftung, elektrische Sitzeinstellung und vielfältige Assistenzsysteme bis hin zum Querverkehrswarner fürs Rückwärts-Ausparken. Gut, der letzte Technik-Schnickschnack fehlt ihm noch, zum Beispiel ein Instrumentendisplay à la Virtual Cockpit (bei der Ceed-Präsentation hieß es noch, es kommt demnächst, jetzt rudert Kia wieder zurück), ein richtig großes Navi-Display (im Golf geht es bis 9,2 Zoll, Kia macht bei 8,0 Zoll Schluss) oder adaptive Dämpfer. Auch Allradantrieb wird nicht angeboten. Und die sensorgesteuerte Heckklappe öffnet nur automatisch, zum Schließen muss man nochmal extra aktiv werden. Sie verhält sich auch anders als gewohnt: Nähert man sich dem Heck mit dem Schlüssel in der Tasche, piepst das Auto zur Warnung, dann geht automatisch die Heckklappe auf. Zum Schließen muss man dagegen eine Taste drücken -- nicht so praktisch, wenn gerade beide Hände gebraucht werden, um den eben  ausgeladenen Bierkasten zu halten.

Und wie fährt sich das Ding?

Die einfache Antwort ist: gut. Aber Sie wollen es sicher ein klein wenig genauer wissen. Gravierende Mängel haben wir nicht entdeckt. Der neue 1.4 T-GDI bietet 140 PS, was wohl nur in Extremsituationen wichtig ist, da die Topleistung erst bei 6.000 Touren zur Verfügung steht (aber das ist bei VW auch nicht anders). Wichtiger im Alltag ist das Drehmoment. Zwischen 1.500 und 3.200 Touren stehen laut Datenblatt 242 Newtonmeter zur Verfügung. Bei 1.500 Touren tut sich allerdings in der Praxis noch nichts, doch ab 1.800 U/min geht es voran. Der Motor reißt einen nicht zu Begeisterungsstürmen hin, aber er ist eine angemessene Motorisierung. Dank Partikelfilter hält der Wagen die scharfe Abgasnorm Euro 6d-Temp ein. (Das tut der Diesel auch, er hat dafür sowohl NOx-Speicherkat als auch ein SCR-System mit zwölf Liter großem Adblue-Tank). Die Sechsgangschaltung bietet kurze Schaltwege und lässt sich gut bedienen, klingt allerdings ein bisschen nach Plastik. An der Lenkung gefällt ihre überraschende Direktheit, man braucht also nicht weit auszulenken, um einen Effekt zu erzielen. Auf unebener Oberfläche fühlt sich der Ceed SW bisweilen etwas hart an, aber zumindest auf der kurzen Teststrecke nervte das nicht.

Und innen?

Alles paletti. Der Gesamteindruck ist positiv, das schwarze Klavierlack-Plastik ist ästhetisch nicht so unser Fall, aber das ist eine reine Geschmacksfrage. Die Sitze geben guten Seitenhalt am Rücken, an den Oberschenkeln weniger. Auch im Fond hat man viel Platz. Bei 1,75 Meter Körpergröße blieben dem Schreiber dieser Zeilen etwa zehn Zentimeter vor den Knien, auch die Kopffreiheit passt. Der Kofferraum lässt sich gut beladen, die Ladekante liegt niedrig, es gibt keine Schwelle. Bei den höheren Ausstattungen sind die Rücksitze im Verhältnis 40 zu 20 zu 40 umklappbar, sonst nur im Verhältnis 60 zu 40. Bei den Topversionen lassen sich die Rücksitze auch vom Heck aus per Griff umklappen, dabei bildet sich allerdings keine ganz plane Oberfläche. Für den Gepäckraum gibt es ein Schienensystem und diverse Sicherungsnetze. Die Gepäckraumabdeckung lässt sich in einem Fach unter dem Ladeboden verstauen.

2019 Kia Ceed SW Test
2019 Kia Ceed SW Test
2019 Kia Ceed SW Test

Wie viel billiger als ein VW Golf Variant ist das Auto denn?

Den Ceed SW 1.4 T-GDI mit 140 PS gibt es ab 23.090 Euro. Für einen Golf Variant 1.5 TSI mit 150 PS (250 Newtonmeter) zahlen Sie mindestens 26.725 Euro, also über 3.000 Euro mehr. Die 130-PS-Version (die aber mit 200 Newtonmeter deutlich weniger Drehmoment hat als der Ceed) gibt es ab 26.100 Euro, das sind ebenfalls 3.000 Euro mehr. Dabei istd er Kia sogar besser ausgestattet. Zum Basispreis bekommt man die Variante „Vision“, die unter anderem mit Klimaanlage, Radio, 7,0-Zoll-Touchscreen, Smartphone-Integration, 16-Zoll-Alufelgen, Nebelscheinwerfern, Parkpiepsern hinten, elektrisch beheizbaren Außenspiegeln ausgestattet ist. Sogar Rückfahrkamera, Abbiegelicht, Abstandstempomat und Sitzheizung vorn sind Serie. Bei VW bekommt man die weniger umfangreiche Ausstattung Comfortline. Einen Skoda Octavia Combi 1.5 TSI mit 150 PS erhält man ab 25.130 Euro, auch das tschechische Modell ist also noch runde 2.000 Euro teurer. Ganz ehrlich: Dass der Kia-Kombi so viel günstiger sein würde, hätten wir nicht gedacht.

 "Ganz ehrlich: Dass der Kia-Kombi so viel günstiger sein würde, hätten wir nicht gedacht."

Soll ich ihn kaufen?

Wenn Sie einen Kompaktkombi wollen und viel Stauraum haben wollen, wenn Sie auf Prestige sowie den allerletzten technologischen Schick verzichten können (es ist nicht viel, was fehlt), dann ja. Wenn Sie eher der sportliche Fahrer sind und Fahrspaß haben wollen, sollten Sie eher auf den ProCeed warten, den gibt es auch mit 204 PS. Das Drehmoment ist dort mit 265 Newtonmeter allerdings auch nicht viel größer. Von der Papierform her spricht uns der Ceed SW mehr an, die etwas elegantere Linie des ProCeed gleicht das nicht aus. Das beste Argument für den Ceed SW sind für uns der Preis und das Kofferraumvolumen -- in dieser Reihenfolge. Im Vergleich zur VW-Konkurrenz zählt aber auch die Sieben-Jahres-Garantie von Kia.

Fazit: 9 von 10

+ über 3.000 Euro günstiger als entsprechender VW, großes Kofferraumvolumen, gute Ausstattung, viele Extras verfügbar

- kein Instrumentendisplay à la Virtual Cockpit

Kia Ceed SW 1.4 T-GDI

Motor Vierzylinder-Turbobenziner, 1.353 ccm
Leistung 103 kW / 140 PS bei 6.000 U/min
Max. Drehmoment 242 Nm bei 1.500 - 3.200 U/min
Antrieb Frontantrieb
Getriebeart Sechsgang-Schaltung
Beschleunigung 0-100 km/h 9,1 s
Höchstgeschwindigkeit 210 km/h
Verbrauch 5,7 l / 100 km
Emission 130 g CO2 / km
Leergewicht 1.352 kg
Zuladung 498 kg
Anhängelast 1.410 kg (12% Steigung, gebremst)
Länge 4.600 mm
Breite 1.800 mm (ohne Außenspiegel)
Höhe 1.465 mm
Kofferraumvolumen 625 - 1.694 l
Basispreis 23.090 €
Marktstart 29. September 2018

Bildergalerie: Kia Ceed SW (2019) Test