Die vierte Generation des Nobel-SUVs wird noch digitaler und kriegt streitbares Cockpit

Was ist das?

Fünf Jahre: Keine lange Zeit, zumal in der Automobilindustrie. Anno 2013 brachte BMW die dritte Generation des X5 auf den Markt, rund 760.000 Fahrzeuge wurden seitdem weltweit verkauft. Doch während andere Hersteller nach fünf Jahren ein Facelift auf den Markt bringen, stellt BMW jetzt den vierten X5 vor. Wir haben das noble Oberklasse-SUV bereits testen können.

Es SUVt gewaltig bei BMW

Warum dreht man bei BMW den X5 so früh auf links? Nun, der Grund heißt CLAR und ist die modulare Plattform ab 3er aufwärts. Auf ihr basiert künftig auch der neue X7, jener große Bruder des X5. Gebaut werden beide SUVs im US-Werk Spartanburg. Aus Gründen der Produktionsvereinfachung führt man nicht den 2013er X5 fort, sondern gleicht ihn technisch dem X7 an.

Was ist neu?

Sehen wir uns den neuen BMW X5 genauer an: Designtechnisch unterscheidet er sich nicht radikal vom bisherigen Modell, auch um die bisherigen X5-Kunden nicht mit einem deutlich sichtbar alten Auto stehenzulassen. An den Rückleuchten mit Anleihen am X3 ist der X5 des Jahres 2018 noch am klarsten zu erkennen. Interessant: Die BMW-Niere wirkt in der Realität weniger groß als auf den Fotos. Eine weitere optische Neuerung: Auf Wunsch gibt es bis zu 22 Zoll große Felgen.

Die Abmessungen: Vier Zentimeter mehr Radstand auf jetzt 2,97 Meter. Die Länge wächst um das gleiche Maß auf 4,92 Meter. An Platz mangelt es dem neuen BMW X5 dadurch nicht, 650 bis 1.860 Liter Kofferraumvolumen sprechen eine deutliche Sprache. Für viele X5-Kunden noch wichtiger ist die Anhängelast. Sie beträgt bei den meisten Motorisierungen 2,7 Tonnen. Mehr eine Konzession an den wichtigen US-Markt ist die ab Dezember 2018 erhältliche dritte Sitzreihe.

BMW X5 (2019) Test
BMW X5 (2019) Test

Für Erstaunen sorgt das hervorragend verarbeitete Cockpit des BMW X5: Wie in der neuen 8er-Reihe dominieren digitale Anzeigen. Ihre Integration ist gut gelöst: Man wird nicht von Monitoren erschlagen, das Armaturenbrett wirkt wie aus einem Guss. Zwei 12,3-Zoll-Monitore informieren den Fahrer. Während das mittige Infotainmentsystem sinnvoll aufgeräumt wurde, sorgen die klassischen Instrumente für Diskussionen unter den Kollegen. Denn klassisch sind sie nicht mehr: Vielmehr informieren zwei Halbkreise über Geschwindigkeit und Drehzahl.

Die virtuelle Nadel des Drehzahlmessers huscht gegenläufig über die Skala, der rote Bereich ist durch die rote Hintergrundfarbe schwer zu erkennen. Ausnahme ist der Eco-Pro-Modus, hier wird es blau, der Drehzahlmesser verschwindet zugunsten einer Verbrauchsanzeige. Begründet wird das Layout damit, dass man in der Mitte maximalen Platz für die Kartendarstellung hat. Klingt logisch, nur leider ist keine andere Ansicht vorgesehen. Anders als etwa bei Audi kann man nicht wählen, ob man die Karte groß vor der Nase haben möchte oder doch lieber klassische Rundinstrumente. So fühlt sich der Fahrer bevormundet, zumal wenn je nach Ausstattung mittig und auf dem großen Head-up-Display Navigationshinweise sichtbar sind.

"Trotz des sportlichen Anspruchs und 21-Zoll-Felgen gefällt der Abrollkomfort."

Wie fährt er?

Warum ich mich so ausführlich zum Cockpit äußere? Nun, es gibt ansonsten kaum etwas am neuen X5 herumzumäkeln. Meine erste Runde drehe ich im Diesel-Topmodell, dem M50d. Hier stellt ein Reihen-Sechszylinder 400 PS und 760 Newtonmeter maximales Drehmoment bereit. Alle X5 weisen serienmäßig die Achtgang-Automatik auf. An der Ampel schüttelt der M50d nach einer Gedenksekunde seine ganze Kraft aus dem Ärmel. Dabei muss man schon genau hinhören, denn der Dieselklang wird äußerst gut weggedämmt.

Trotz des sportlichen Anspruchs und 21-Zoll-Felgen gefällt der Abrollkomfort des im Fahrwerk durch ein Sportdifferential optimierten M50d, auf Wunsch bietet BMW eine Luftfederung an beiden Achsen an. In Verbindung mit dem ebenfalls optionalen Offroad-Paket (nicht für den M50d) kraxelt der X5 besser durchs Gelände als sein Vorgänger.

BMW X5 (2019) Test

Überhaupt die Technik des neuen BMW X5: Ob Mechanik oder Konnektivität, das SUV wirkt bisweilen wie eine Vorlesung in der Fächern Informatik und Ingenieurswesen. Integral-Aktivlenkung mit maximal drei Grad Hinterradlenkung? Gibt es. Die Nutzung des Smartphone als Autoschlüssel? Geht auch.

Fast könnte man darüber vergessen, wie fahrdynamisch der bis zu 2,3 Tonnen schwere X5 ist. Klar, ein Kurvenräuber vor dem Herrn ist der Wagen nicht (dafür ist der kommende X5 M zuständig), aber das Gewicht hat BMW erfolgreich in den Hintergrund gedrängt. So bleibt lediglich Jammern auf hohem Niveau: Die Lenkung könnte in der Mittellage noch etwas präziser sein.

Was muss ich sonst noch wissen?

Blicken wir noch auf die weiteren Motoren, die es zum Marktstart im November 2018 geben wird. Wer einigermaßen auf den Verbrauch achtet, sollte zum xDrive30d (265 PS/620 Nm) greifen. Als interessante Alternative für Diesel-Skeptiker bietet sich der X5 xDrive40i an. Anders als seine Bezeichnung suggeriert, ist auch hier ein Reihen-Sechszylinder aktiv. Doch er hat es in sich: 340 PS, 450 Newtonmeter, 5,5 Sekunden auf Tempo 100 und 243 km/h. In der Praxis klingt er bei Bedarf nicht schlecht, ist ansonsten leise und auch verhältnismäßig sparsam. Bei zivilisiertem Landstraßentempo (55 Meilen respektive 88 km/h in den USA) und Dahinrollen in der Start kamen wir auf 9,2 Liter auf 100 Kilometer. Offiziell ist der xDrive40i mit 8,8 Liter angegeben.

Und wo liegt der neue BMW X5 preislich? Deutlich über dem Vorgänger, dafür ist aber serienmäßig auch mehr Ausstattung an Bord. Los geht‘s bei 71.590 Euro für den X5 xDrive 30d (ein auch in diesem Brummer ganz vortrefflicher Diesel, wohlgemerkt). Der Benziner xDrive 40i kostet mindestens 73.090 Euro, für den M50d werden 92.900 Euro fällig. Was der 394 PS starke Hybrid xDrive45e kosten wird, ist noch nicht bekannt. Zum Vergleich: Der Volvo XC90 ist mit 235-PS-Diesel ab 59.900 Euro zu haben, der Audi Q7 mit 286-PS-Selbstzünder kostet mindestens 67.300 Euro.

Soll ich ihn kaufen?

Wenn Sie auf den absoluten Technik-Overkill stehen, dann auf jeden Fall. Der neue X5 überzeugt aber auch bei den Antrieben und der Fahrdynamik. Außerdem ist er offroad besser, als man denken würde. Das Interieur ist sehr geräumig, komfortabel und schick, wenn auch die neue Art der Instrumente ein paar Tücken bereithält.

Fazit: 8 von 10

+ hervorragende Antriebe; kompetente Fahrdynamik; extrem viel Technik; verbesserte Geländeeigenschaften; geräumiges, komfortables Interieur mit sehr guter Ergonomie

- neues Instrumentendisplay diskussionswürdig; hohe Preise

 

BMW X5 xDrive30d 2019

Motor Sechszylinder-Diesel; 2.993 ccm
Leistung 265 PS @ 4.000 U/min
Max. Drehmoment 620 Nm @ 2.000 U/min
Antrieb Allradantrieb
Getriebeart 8-Gang-Automatik
Leergewicht 2.185 kg
Beschleunigung 0-100 km/h 6,5 s
Höchstgeschwindigkeit 230 km/h
Verbrauch 6,0 l/100 km
Emission 158 g/km
Bodenfreiheit 214 mm
Kofferraumvolumen 645-1.860 l
Zuladung 770 kg
Basispreis 71.590 €

Bildergalerie: BMW X5 (2019) Test