Gleicher Motor in zwei ungleichen Autos

Stellen Sie sich vor, Sie wären Ihrem Traumpartner begegnet. Gleich beim zweiten Treffen sitzen Sie zufällig am Steuer eines fremden Autos. Was wäre für Sie peinlicher: Ein zehn Jahre alter Fiat Panda mit Stockflecken auf den Polstern und Zigarettenkippen auf dem Rücksitz? Oder ein weißer Porsche 911 Turbo mit Riesenspoiler, rot-weißen Ledersitzen und Rallyegurten? Das lässt Sie völlig kalt? Dann gehören Sie wohl zu der Minderheit, denen das Image beim Autokauf nicht wichtig ist.

Einige Gemeinsamkeiten
Den anderen wird einleuchten, dass das Image des Mini ein ganz anderes ist als das des Toyota Yaris. Doch die beiden Autos haben auch einiges gemeinsam: Sie gehören beide von ihrer Länge her - rund 3,60 Meter - zu den Kleinstwagen, werden aber vom Kraftfahrtbundesamt eine Klasse höher als Kleinwagen eingestuft. Eine weitere Gemeinsamkeit: Es gibt sie mit dem gleichen Motor, einem 1,4-Liter-Diesel mit 75 PS. In dieser Motorisierung haben wir die beiden Autos getestet und verglichen.

Motor und Getriebe: Yaris vorn
Der Common-Rail-Diesel mit 1,4 Litern Hubraum, 75 PS und einem maximalen Drehmoment von 170 Newtonmetern wird im Rahmen der Kooperation zwischen BMW und Toyota in beiden Autos eingesetzt. Doch auch wenn die Autos genau den gleichen Motor haben: Der Mini wirkt weniger spritzig als der Yaris. Die Daten belegen es: Der Yaris spurtet in 12,9 Sekunden auf 100 km/h, der Mini in 13,8 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeiten betragen 170 km/h beim Yaris und 165 beim Mini. Bei diesen Daten liegt der Mini also hinter dem Toyota. Dies mag unter anderem daran liegen, dass der Yaris 130 Kilo leichter ist. Dafür ist die Lautstärke im Innenraum beim Mini zumindest subjektiv geringer. Der Motor erfüllt in keinem von beiden Fahrzeugen die Euro-4-Abgasnorm.

Sechs Gänge beim Mini, fünf beim Yaris
Der Mini besitzt serienmäßig ein Sechsgang-Schaltgetriebe, der Yaris nur eine Fünfgang-Schaltung. Doch was ist der Vorteil von einem Gang mehr? Sprit spart man damit wohl nicht - jedenfalls hat der Mini beim Verbrauch das Nachsehen: Der Yaris kommt laut Hersteller mit 4,2 Litern aus, der Mini braucht 4,8 Liter auf 100 Kilometer. Bei unseren Testfahrten war der Unterschied größer: Der Mini brauchte 7,1 Liter, der Yaris nur 5,2.

Fahrwerk: Pluspunkte für den Mini
Der von uns getestete Mini liegt deutlich satter auf der Straße als der Yaris. Dies fällt unter anderem in flott gefahrenen Kurven auf, wo sich der Yaris stärker nach außen neigt. Unser Mini besaß allerdings das aufpreispflichtige Sportfahrwerk. Doch auch serienmäßig hat der Mini hier die Nase vorn: Er hat eine aufwändige Mehrlenker-Hinterachse, während der Yaris mit der üblichen Verbundlenker-Hinterachse auskommen muss. Nicht vergessen darf man, dass der Toyota auch einen höheren Karosserieaufbau hat - der Unterschied beträgt fast neun Zentimeter. Bei Stößen reagiert der Mini ähnlich wie der Yaris: Geringe Federwege sorgen für ein eher unkomfortables Fahrerlebnis auf holprigen Strecken.

Beide Autos besitzen - bei Kleinst- und Kleinwagen eher ungewöhnlich - rundum Scheibenbremsen und verzögern ohne Probleme. Der Mini Diesel ist mit einem ESP ausgerüstet, das es beim Yaris - außer für den Top-Benziner TS - nicht gibt.

Innenraum: Yaris vorn
Im Mini kommen sogar Große gut auf den Vordersitzen unter. Und das Innere ist wirklich schick gestaltet - stylish möchte man sagen, wie das Äußere des bayrischen Briten. Und: Man kommt sich vor wie in einem deutlich größeren Auto. Der Yaris fühlt sich innen wie ein Kleinwagen an und sieht auch so aus.

Der Sitzkomfort im Fond ist beim Mini geringer als bei vielen anderen Fahrzeugen derselben Größe. Lehnt man den Kopf an die Kopfstütze, so stößt man bereits bei einer Körpergröße von 1,75 Metern fast an die Decke. Ein Erwachsener dieser Größe kann hinten nur dann sitzen, wenn der Fahrer entweder sehr klein ist, oder sehr weit nach vorne rückt. Außerdem ist der Mini grundsätzlich nur als Viersitzer ausgelegt.

Mehr Platz im Yaris
Beim Yaris sieht es da besser aus: Derselbe Passagier, der beim Mini kaum reinpasst, hat beim Yaris üppige sechs Zentimeter Platz vor den Knien. Der Kopf stößt aber auch beim Yaris an die Decke, und das, obwohl der Yaris deutlich höher als der Mini ist. Dass es auch bei dieser Fahrzeuggröße besser geht, zeigt etwa der Daihatsu Cuore. Als Plus für den Yaris ist zu werten, dass man die Wahl zwischen Drei- und Fünftürer hat - den Mini gibt es ausschließlich als Dreitürer.

Kofferraum: Plus für den Yaris
Ein Lob verdient die Zugänglichkeit des Kofferraums im Mini: Die Ladekante liegt mit 62 Zentimetern niedrig und besonders Frauen werden sich freuen, dass sie schwere Mineralwasserkästen nicht höher als 13 Zentimeter heben müssen, um sie aus dem Kofferraum zu wuchten. Beim Yaris sind es dagegen 21 Zentimeter.

Mini-Stauraum
Die Größe des Kofferraums enttäuscht beim Mini. Das Volumen beträgt 150 bis 670 Liter; beim Yaris passt mit 205 bis 960 Liter deutlich mehr rein. Einen Bonus bekommt der Yaris für die Variabilität des Innenraums: Die Rücksitzbank lässt sich um 15 Zentimeter längs verschieben, die Sitze lassen sich wickeln und der Laderaum wird vollständig eben. Beim Mini sind die Rücksitze serienmäßig symmetrisch geteilt umlegbar. Das Umlegen geht zwar leicht, es ergibt sich aber kein ebener Laderaum.

Image und Aussehen: Unentschieden
Beim Image trennen Mini und Yaris Welten. Der Yaris ist ein typisches Auto für Leute, die nicht allzu viel Geld für ein Auto ausgeben wollen und sich eher ein praktisches Stadtauto wünschen. Den Mini dagegen würden wir vom Gefühl her eher der Lifestyle-Ecke zuordnen. Einen Yaris fährt der Student und die Hausfrau, den Mini eher der gut verdienende Single oder die grundsätzlich Schwarz tragende Designerin. Welches Auto das bessere Image hat, ist deswegen eine falsche Frage. Hier muss jeder selbst entscheiden, welches Image zu ihm passt: Der Yaris ist dem aufstrebenden Single vielleicht zu bieder, der Mini der Hausfrau wohl zu extrovertiert-flippig.

Preis und Ausstattung: Plus für den Yaris
Deutliche Unterschiede gibt es beim Preis. Den Yaris gibt es als 1.4 D-4D C mit drei Türen für 13.100 Euro - für den Mini One Diesel muss man 16.150 Euro hinlegen, also schlappe 3.000 Euro mehr. Dabei ist der Yaris keineswegs mager ausgestattet: Zur Serienausstattung zählen unter anderem Frontairbags, Seitenairbags vorne, ABS und Servolenkung, ja sogar ein Kassettenradio. Ein Radio ist beim Mini nicht Serie, dafür bringt er zusätzlich elektrisch einstellbare Außenspiegel, elektrische Fensterheber vorne und eine Zentralverriegelung mit Fernbedienung mit. Schon erwähnt wurden die Sechsgang-Schaltung, das ESP und die aufwändige Hinterachse.

Topausstattung Sol
Besser mit dem gut ausgestatteten Mini vergleichen lässt sich die Topausstattung Yaris Sol. Sie beinhaltet neben elektrisch einstellbaren Außenspiegeln, elektrischen Fensterhebern vorne und Zentralverriegelung ein CD-Radio und eine Klimaanlage; damit kostet der Yaris 14.600 Euro. Mit CD-Radio und Klimaanlage kommt der Mini auf 16.150 plus 1.600 gleich 17.750 Euro - wieder 3.000 Euro mehr als der Yaris. Auch wenn man bedenkt, dass der Mini dem Yaris dann noch ESP, Sechsgang-Schaltung und Mehrlenker-Hinterachse voraus hat, wird klar: Der Mini ist teurer als der Yaris.
(sl)

Bildergalerie: Vergleichstest