Wir haben die Bergabfahrkontrolle des Amis mit 3,0-Liter-Diesel geprüft

Die Taue knarzen, der ächzende Dreimaster schwankt gemächlich von rechts nach links. Genau diese nautische Geräuschkulisse umgarnt uns, als wir mit dem neuen Jeep Grand Cherokee mit 1,6 km/h bei 65 Prozent Gefälle bergab fahren. Die neue Hill Descent Control macht`s möglich.

Mit Breitenwirkung
Zum Modelljahr 2008 hat Jeep den Grand Cherokee überarbeitet. Außen haben die Amerikaner den Wagen nur ganz vorsichtig angefasst. Der siebenschlitzige Grill wurde etwas in die Breite gezogen und die Frontlichter wirken kreisförmiger. Diese runde Struktur wird im Bereich der Lampen von der Motorhaube aufgenommen. Näher am Asphalt sitzen die Nebellampen, was aber eher funktionale statt optischer Gründe hat. Apropos funktional: Der untere Teil des Frontschwellers lässt sich zur Verbesserung des vorderen Böschungswinkels abnehmen, was man mit etwas Geschick und Kraft auch ohne Werkzeug hinbekommt.

Innen mehr Wert
Deutlich stärkere Aufmerksamkeit hat Jeep dem Innenraum des Grand Cherokee gewidmet. Insgesamt wirkt die Kabine deutlich hochwertiger als noch beim Vorgänger, hier ist bei Jeep ein eindeutiger Trend zu europäischer Qualitätsanmutung zu erkennen. Die Oberflächen sind auf Grund ihres Soft-Touch-Finishs kratzfest. Schalter, Düseneinsätze und Spalten wirken passgenau. Der im Grand Cherokee schon immer üppig dimensionierte Fond lädt jetzt mit einer Sitzheizung für die Rückbank zum Verweilen ein. Allerdings stört die mittlere Kopfstütze das im Rückspiegel abgebildete Bild. Die Vordersitze hinterlassen einen ausgesprochen Langstrecken tauglichen Eindruck und vermitteln nur sehr zurückhaltend Seitenhalt.

Grüße aus dem Cruising-Land
Ein Jeep ist schon aus Tradition dazu gezwungen, einen Haufen Geländefähigkeiten mitzubringen. Aber taugt er auch für lange Autobahnstrecken? Jedenfalls kommt der Wagen konstruktionsmäßig aus einem Land, in dem im Winter der Tempomat auf 65 Meilen pro Stunde (105 km/h) gestellt und erst im warmen Florida wieder abgeschaltet wird. Unter Berücksichtigung dieser Voraussetzungen schlägt sich der Grand Cherokee gut auf der deutschen Autobahn. Die vordere Einzelradaufhängung und die hintere Fünflenker-Achse lassen kaum Wanken oder Nicken aufkommen. Selbst bei Geschwindigkeiten um 200 km/h liegt der Wagen vollkommen sicher. Dabei kommt das Fahrwerk mit kurzen Querfugen ebenso zu Recht wie mit Kopfsteinpflaster und Bahnübergängen auf der Landstraße. Nur in tief liegende Gullydeckel und Schlaglöcher tritt der Ami wütend hinein und lässt seinen Zorn per Erschütterung bis zu den Insassen durch.

Anfahren ohne Scheu
Jeep hat nicht nur in Sachen Optik und Wertanmutung etwas fürs hauseigene Spitzen-SUV getan. Auch zwei auf dem ESP basierende elektronische Fahrhilfen sind jetzt zu haben. Zum einen gibt es da ,Hill Start Assist", was eine Berganfahrhilfe ist. Wer an einer bedrohlich wirkenden Steigung halten muss, hat jetzt alle Zeit der Welt, wieder den Fuß vom Brems- aufs Gaspedal zu wechseln. Ist die Bremse einmal getreten, hält sie den Wagen so lange in seiner Position, bis das Gaspedal berührt wird. Dann aber bitte nicht zu zaghaft Gas geben, da sich die Bremse ruckartig löst und der Wagen mit zu wenig Gas doch zum Zurückrollen neigt.

Extrem kontrolliert bergab
Jeeps zweiter Streich nennt sich ,Hill Descent Control". Die Bergabfahr-Hilfe funktioniert nur im 4WD-Low Modus, also mit Allradantrieb und eingeschalteter Untersetzung. Vergisst man die Aktivierung von 4WD-Low, dann bleibt der Druckknopf für die Hill Descent Control ohne Funktion. Vergisst man es nicht, dann versucht die Elektronik eine Bergabfahrt nachzubilden, die ein Jeep Wrangler Rubicon mit Vier-zu-eins-Geländeuntersetzung und manueller Sechsgangschaltung hinlegen würde. Über einen Bremseingriff, der stoßweise unter dem bereits beschriebenen extrem mechanischen Ächzen erfolgt, wird die Geschwindigkeit für jeden einzelnen Gang der Fünfgang-Automatik begrenzt. Legt man per Hand den ersten Gang ein, so sind maximal 1,6 km/h drin. Wir haben es auf der Versuchsstrecke mit 65 Prozent Gefälle probiert: Der Wagen kippt mit der Nase tief in die Schräge und man drückt sich mit den Armen vom Lenkrad weg. Das Fahrzeug bleibt ausgesprochen kontrollierbar. 1,6 km/h lassen Souveränität auch in dieser Extremsituation aufkommen.

Neutral auf vier km/h
Während sich der Wagen langsam den Berg runtergrunzt, kann man versuchsweise die Geschwindigkeit hochdrehen. Im zweiten Gang sind, genau wie im Leerlauf, vier km/h drin, im dritten geht's bis sechs, im vierten bis neun und im fünften bis 12 km/h hoch. 12 km/h kamen uns bei 65 Prozent Gefälle auf regennassem Kopfsteinpflaster-Untergrund beinahe ungebremst vor. Der Rückwärtsgang ist dankbarerweise wie der erste Gang nur für 1,6 km/h gut. Die Übergänge beim Hoch- und Runterschalten verlaufen dabei recht sanft. Bis auf die SRT-8-Version sind Hill Start Assist und Hill Descent Control in allen Jeep-Modellen serienmäßig mit dabei.

Er beruhigt sich
Der 218-PS-Dreiliter-Diesel rumpelt beim Anlassen fast schon Besorgnis erregend. Vibrationen verbreiten sich im gesamten Wagen und lassen auch die Echtholzeinlage im Lenkrad nicht aus. Aber diese Rauheit verschwindet spurlos, wenn der Motor warm ist. Und sein vorzeigbares Drehmoment von 510 Newtonmetern bei 1.600 bis 2.800 U/min spielt das Triebwerk vom ersten Moment an aus. In 9,0 Sekunden sprintet der 2,3-Tonnen-Wagen auf 100 km/h, bei 200 km/h geht's dann nicht mehr schneller. Allerdings umspülen sehr deutlich vernehmbare Windgeräusche ab 130 km/h die Außenspiegel. Obwohl der Grand Cherokee für die Exportmärkte im österreichischen Magna Steyer-Werk produziert wird, merkt man hier noch, dass die Heimat der Jeep-Konstrukteure mit 100-km/h-Highways gepflastert ist. Kombiniert verarbeitet das SUV 10,3 Liter Diesel auf 100 Kilometer, 272 Gramm CO2 landen pro Kilometer in der Luft.

Übergänge fließen
Verteilt werden die Kräfte des Triebwerks von einem automatischen Fünfganggetriebe. Dieser bei Chrysler auf den sperrigen Namen W5A580 hörende Mechanismus erzeugt weiche Schaltvorgänge und lässt angenehmerweise das Verschlucken und das Suchen nach dem richtigen Gang am Berg vermissen. Auch hier legt der Amerikaner landestypische Schwächen ab und ist Richtung Europa unterwegs.

Wertung

  • ★★★★★★★★★☆
  • Der überarbeitete Jeep Grand Cherokee ist gelungen. Vor allen Dingen die Qualitätsanmutung im Innenraum schafft den Sprung über den Teich und hat sich europäischen Premiummarken ein gutes Stück angenähert.

    Die elektronischen Hilfen Hill Start Assist und Hill Descent Control sind sinnvolle Merkmale für alle, die ihren Grand Cherokee auch mal abseits befestigter Straßen bewegen wollen – und dafür ist der Wagen deutlich besser geeignet als die meisten seiner SUV-Konkurrenten.

    Auch wenn es in Sachen Qualität und Technik Richtung Europa geht, das verlockende uramerikanische Preis-Leistungsverhältnis bleibt.

  • Antrieb
    85%
    durchzugsstarker Diesel
    im kalten Zustand sehr rau
  • Fahrwerk
    85%
    neue Fahrassistenten sind hilfreich
    trampelt in Schlaglöcher
  • Karosserie
    90%
    enormes Platzangebot vorne und hinten
    unterer Teil des Frontschwellers abnehmbar
  • Preis
    85%
    günstiger Einstieg in diese Fahrzeugklasse
    Verbrauch wird bei schneller Fahrt exorbitant ansteigen

Preisliste


Jeep Grand Cherokee 3.0 CRD

Grundpreis: 44.890 Euro
Modell Preis in Euro
Jeep Grand Cherokee Overland 53.990
Jeep Grand Cherokee Laredo 44.890
Jeep Grand Cherokee SRT8 67.890
Jeep Grand Cherokee Limited 49.590
Ausstattungen Preis in Euro
ABS Serie
ESP Serie
ASR Serie
Airbag Fahrer Serie
Airbag Beifahrer Serie
Kopfairbags vorn Serie
Kopfairbags hinten Serie
elektr. Fensterheber vorn Serie
elektr. Fensterheber hinten Serie
elektr. verstellbare Außenspiegel Serie
Klimaautomatik Serie
Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie
Automatikgetriebe Serie
CD-Radio Serie
MP3 Serie
Metalliclackierung 690
Tempomat Serie
Lederausstattung Serie
Nebelscheinwerfer Serie
Bergan- und -abfahrhilfe Serie
Reifendruckkontrollsystem Serie
Bordcomputer mit Reiserechner und Kompass Serie
Scheiben mit Wärmeschutzverglasung rundum Serie

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart Common-Rail-Turbodiesel 
Zylinder
Ventile
Hubraum in ccm 2.987 
Leistung in PS 218 
Leistung in kW 160 
bei U/min 1.600–2.800 
Drehmoment in Nm 510 
Antrieb Allradantrieb 
Gänge
Getriebe Automatik 
Kraftverteilung 50:50 (vorne : hinten) 
Fahrwerk
Spurweite vorn in mm 1.575 
Spurweite hinten in mm 1.575 
Radaufhängung vorn Einzelradaufhängung, Querstabilisator, Schraubenfedern, Hydraulikstoßdämpfer 
Radaufhängung hinten Starrachse an 4 Längslenkern, Querstabilisator, Panhardstab, Schraubenfedern, Hydraulikstoßdämpfer 
Bremsen vorn Scheibenbremsen, innenbelüftet 
Bremsen hinten Scheibenbremsen 
Wendekreis in m 11,8 
Räder, Reifen vorn 245/65 R17 
Räder, Reifen hinten 245/65 R17 
Lenkung Zahnstangenlenkung, hydraulisch unterstützt 
Geländekompetenz
Böschungswinkel vorn in Grad 23,3 
Böschungswinkel hinten in Grad 27,1 
Rampenwinkel in Grad 20,8 
Bodenfreiheit in mm 209 
Maße und Gewichte
Länge in mm 4.750 
Breite in mm 1.870 
Höhe in mm 1.740 
Radstand in mm 2.780 
Leergewicht in kg 2.310 
Zuladung in kg 440 
Kofferraumvolumen in Liter 978 
Kofferraumvolumen, variabel in Liter 1.909 
Anhängelast, gebremst in kg 3.500 
Tankinhalt in Liter 80 
Kraftstoffart Diesel 
Fahrleistungen / Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit in km/h 200 
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 9,0 
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 10,3 
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 13,2 
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 8,7 
CO2-Emission in g/km 272 
Schadstoffklasse Euro 4 
Fixkosten
Steuer pro Jahr in Euro 463 
Haftpflicht-Klasse 24 
Teilkasko-Klasse 27 
Vollkasko-Klasse 23 

Bildergalerie: Angst-Vernichter