Wir sind den Kleinwagen in der 100-PS-Variante mit i-Shift-Getriebe gefahren

Jazz ist eine Musikrichtung, die sich seit ihrer Entstehung ständig weiterentwickelt hat und häufig mit anderen Stilen vermischt wurde. Darüber hinaus hat Jazz auch Einfluss auf andere Sparten der Musik genommen. Da gibt es durchaus Parallelen zum neuen Honda Jazz. Die dritte Generation des Kleinwagens wirkt deutlich erwachsener als noch seine beiden Vorgänger und beinhaltet Stilelemente eines Kompakt-Vans. Was der kleine Japaner aus dem Stilmix macht, lesen Sie in unserem Test.

Die Summe macht die Veränderungen
Einzeln betrachtet sind die Veränderungen gegenüber dem zweiten Jazz nicht besonders augenfällig. Doch die Summe der Details verleihen dem Neuen einen deutlich gereifteren Gesichtsausdruck. Zu erwähnen sind hier die nun spitzer zulaufenden Scheinwerfer, die doppelte Sicke auf der Motorhaube und der anders geformte Kühlergrill. Die Änderungen am Heck fallen kaum ins Gewicht. Die Abmessungen des Jazz sind gewachsen: In der Länge legt der Honda um 55 Millimeter zu, in der Breite sind es 20 Millimeter. Zudem wurde der Radstand um 45 Millimeter und die Spur um 35 (vorn) beziehungsweise um 30 Millimeter (hinten) verbreitert. Das Größenwachstum kommt Honda hauptsächlich dem Innenraum zugute. Auch Fond-Passagiere mit einer Größe von 1,95 Meter stoßen mit den Knien nicht an die Vordersitze.

Gleicher Hubraum, mehr Leistung
Weitaus umfangreicher fielen die Modifikationen unter der Motorhaube des Jazz aus. Die beiden 1,2- und 1,4-Liter-Aggregate lieferten bislang eine Leistung von 78 beziehungsweise 83 PS. In der neuen Generation erstarken die beiden Triebwerke bei gleichem Hubraum auf 90 und 100 PS. Unser Testwagen in der 1,4-Liter-Variante ist mit dem optionalen automatisierten Schaltgetriebe i-Shift ausgerüstet, welches ausschließlich für den großen Motor erhältlich ist. Laut Honda dauert die Beschleunigung auf Tempo 100 13,6 Sekunden. Subjektiv gefühlt ist das eine halbe Ewigkeit. Vor allem Überholmanöver wollen wohl überlegt sein. Deutlich schneller geht es mit dem Schaltgetriebe voran, hier zeigt die Tachonadel bereits nach 11,4 Sekunden auf die 100. Nichtsdestotrotz, für den normalen Gebrauch im Stadtverkehr ist der Jazz 1.4 mehr als ausreichend motorisiert. Einen Verbrauchswert geben die Japaner noch nicht an, während unserer Testrunde in und um Frankfurt genehmigt sich der Jazz aber rund sieben Liter.

i-Shift: Bei behutsamer Fahrweise völlig in Ordnung
Bei normaler Fahrweise fallen die Nachteile des i-Shift-Getriebe weitaus weniger ins Gewicht, als bei der Kurvenhatz auf der Landstraße. Innerstädtisch überzeugt der Automat durch weiche Schaltwechsel, die je nach Streckung des Gasfußes von mehr oder minder starken Schaltrucken begleitet werden. Versucht man, außerhalb der City schnell auf Geschwindigkeit zu kommen, wird der im Leerlauf kaum zu vernehmende Motor unüberhörbar laut und dreht lange hoch. Zudem findet der Automat nicht für jedes Fahrmanöver auf Anhieb den passenden Gang. Wer dem entgehen will, schaltet das Getriebe auf Manuell und wechselt die Gänge per Schaltknüppel oder Wippen hinter dem Lenkrad.

Für den Sport zu weich und für den Komfort zu hart
Ähnlich indifferent zeigt sich das Fahrwerk des Honda Jazz. Die recht straff abgestimmte Federung erinnert auf den ersten Metern Fahrt an einen Sportwagen. Kleine Bodenunebenheiten und Gullideckel werden nahezu ungefiltert an den Allerwertesten des Fahrers weitergegeben und Lenkbefehle werden direkt umgesetzt. Das sind eigentlich gute Anzeichen für eine vernünftige Kurvenlage. Beim Honda Jazz trifft diese Annahme nur bedingt zu. Trotz der geringen Bauhöhe von 1,52 Meter neigt sich der Kleinwagen in flott gefahrenen Kurven spürbar zu Seite. Ist man deutlich zu schnell unterwegs, schiebt der Honda über alle vier Räder zur Kurvenaußenseite.

Ladewunder
Richtig interessant wird der Honda Jazz im Innenraum, genauer gesagt im Fond. Die Platzierung des Kraftstofftanks unter den Vordersitzen schafft in Reihe zwei Platz für die ,Magic Seats". Ein einziger Handgriff genügt, um die Rückbank umzuklappen, ohne vorher Fahrer- und Beifahrersitz nach vorne schieben zu müssen, selbst wenn sich diese in der hintersten Position befinden. So entsteht ein ebener Laderaum mit einer Länge von 1,72 Meter. Doch auch ohne umgelegte Lehne muss sich der Jazz bezüglich des Packvolumens nicht hinter der größeren Konkurrenz verstecken. 428 Liter Gepäck passen in das Ladeabteil des 3,90 Meter langen Jazz, im Golf sind es bei einer Gesamtlänge von 4,20 Meter lediglich 350 Liter. Als besonderer Clou kann die Sitzfläche der Rückbank senkrecht nach oben geklappt werden. Durch den an dieser Stelle fehlenden Tank entsteht ein durchgängiger Laderaum auf dem Niveau des Fahrzeugbodens, in dem sich auch ein Mountainbike mit ausgebautem Vorderrad verstauen lässt. Bei den 1,4-Liter-Modellen mit Reifenreparaturset bietet der horizontal zweigeteilte Kofferraum zusätzlichen Platz für Kleinkram.

Sitze bieten viel Seitenhalt
Das Cockpit wirkt trotz viel Plastik nicht billig, die unkonventionelle Anordnung der Instrumente und Bedienelemente lenken das Auge des Betrachters ab. Die Sitze machen optisch keinen sonderlich wertigen Eindruck, bieten aber erstaunlich viel Seitenhalt und können durchaus als sehr bequem bezeichnet werden. Schmale A-Säulen und große Dreiecksfenster sorgen für eine ausreichende Rundumsicht und ein optionales Panorama-Glas-Dach flutet den Innenraum mit viel Licht.

Umfangreiche Serienausstattung
Die getestete Ausstattungsvariante Comfort beinhaltet serienmäßig ein Fünfgang-Schaltgetriebe. Das von uns getestete i-Shift-Getriebe schlägt mit 1.100 Euro zu Buche. Ansonsten umfasst die Serienausstattung sechs Airbags, ABS, ESP, einen AUX-In-Anschluß, zehn Getränkehalter, eine Klimaautomatik und 15-Zoll-Leichtmetallfelgen. Nur gegen Aufpreis bekommt man das bereits erwähnte automatisierte Schaltgetriebe, eine Einparkhilfe für hinten, eine Metallic-/Pearl-Lackierung (in unserem Fall nannte sich die Farbe ,Cool Rose") und ein Sport-Paket. Es inkludiert für 1.100 Euro einen Bodykit, 16-Zoll-Leichtmetallfelgen, Nebelscheinwerfer, ab der B-Säule abgedunkelte Scheiben und eine Auspuff-Blende.

Ab 12.550 Euro
In der Basisversion mit 1,2-Liter-Motor wird der Jazz ab 12.550 Euro bei den Händlern stehen. Der von uns getestete Jazz 1.4 Comfort schlägt mit 15.950 Euro zu Buche. Der Marktstart in Deutschland erfolgt für alle Modelle voraussichtlich Mitte November 2008.

Wertung

  • ★★★★★★★★☆☆
  • Die vielen kleinen Veränderungen an der Karosserie des Honda Jazz lassen ihn moderner und zeitgemäßer auftreten. Die Leistungskur für den Motor steht ihm gut zu Gesicht und bei vernünftiger Fahrweise sind Verbräuche um sieben Liter realisierbar. Die Verlagerung des Tanks unter die Vordersitze erlaubt wie auch schon beim Vorgänger im Fond ein einzigartiges Packkonzept, das bislang ungeahnte Möglichkeiten bietet. Darüber hinaus ist das Ladevolumen des Jazz in seiner Klasse überdurchschnittlich. Etwas unter unseren Erwartungen blieb das Fahrwerk. Bereits bei der letzten Generation gab es Grund zur Klage, weil die Abstimmung zu straff und indifferent ausfiel. Auch der neue Jazz dürfte für den Großteil der Käuferschaft einen Tick zu sportlich getrimmt sein. Dennoch ist der Jazz eine lohnenswerte Alternative, die den Vorteil eines großen Ladevolumens mit innenstadttauglichen Abmessungen verbindet.

  • Antrieb
    80%
    Motor im Leerlauf erstaunlich leise
    mit i-Shift wenig Durchzug
  • Fahrwerk
    70%
    wankt in Kurven
    für Sport zu weich, für Komfort zu hart
  • Karosserie
    90%
    schicke Optik
    viel Platz im Innenraum, pfiffiges Ladekonzept
  • Kosten
    85%
    üppige Serienausstattung
    Leichtmetallfelgen und Nebelscheinwerfer nur im Paket

Preisliste


Honda Jazz 1.4 Comfort

Grundpreis: 15.950 Euro
Modell Preis in Euro
Honda Jazz 1.2 12.550
Honda Jazz 1.4 Comfort 15.950
Honda Jazz 1.4 Exclusive 18.850
Honda Jazz 1.4 Elegance 17.350
Honda Jazz 1.2 Trend 14.550
Ausstattungen Preis in Euro
ABS Serie
ESP Serie
ASR Serie
Airbag Fahrer Serie
Airbag Beifahrer Serie
Seitenairbags vorn Serie
Kopfairbags vorn Serie
Kopfairbags hinten Serie
elektr. Fensterheber vorn Serie
elektr. Fensterheber hinten -
elektr. verstellbare Außenspiegel Serie
Klimaautomatik Serie
Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie
CD-Radio Serie
MP3 Serie
Metalliclackierung 410
Tempomat -
i-Shift 1.100
Einparkhilfe hinten 380
Sport-Paket 1.100

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart Otto-Reihenmotor 
Zylinder
Ventile
Hubraum in ccm 1.339 
Leistung in PS 100 
Leistung in kW 73 
bei U/min 4.800 
Drehmoment in Nm 127 
Antrieb Frontantrieb 
Gänge
Getriebe automatisiertes Schaltgetriebe 
Fahrwerk
Spurweite vorn in mm 1.495 
Spurweite hinten in mm 1.475 
Radaufhängung vorn McPherson-Vorderradaufhängung 
Radaufhängung hinten Verbundlenker-Hinterachse 
Bremsen vorn innenbelüftete Scheibenbremsen mit einem Durchmesser von 262 Millimeter 
Bremsen hinten Scheibenbremsen mit einem Durchmesser von 239 Millimeter 
Wendekreis in m 10,1 
Räder, Reifen vorn 15-Zoll-Leichtmetallfelgen mit Reifen der Größe 175/65 R15 
Räder, Reifen hinten 15-Zoll-Leichtmetallfelgen mit Reifen der Größe 175/65 R15 
Maße und Gewichte
Länge in mm 3.900 
Breite in mm 1.695 
Höhe in mm 1.525 
Radstand in mm 2.495 
Leergewicht in kg 1.055 
Zuladung in kg 500 
Kofferraumvolumen in Liter 428 
Kofferraumvolumen, variabel in Liter 1.396 
Tankinhalt in Liter 42 
Kraftstoffart Super 
Fahrleistungen / Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit in km/h 180 
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 13,6 
Testverbrauch Gesamt in Liter/100 km 7,0 

Nicht Fisch, nicht Fleisch