Opel Insignia 2.0 CDTi vs. Ford Mondeo 2.2 TDCi und Mazda 6 Sport 2.2 MZR-CD

In der gut gefüllten Mittelklasse wird es immer schwerer, die richtige Wahl zu treffen. Da es zwischen vielen Modellen kaum noch gravierende Unterschiede gibt, sind es die kleinen und feinen Details, die ein bestimmtes Auto zum Favoriten werden lassen. Beim Kauf spielen mehr und mehr die persönlichen Präferenzen eine Rolle und nicht zuletzt der Umfang des Geldbeutels entscheidet beim Erwerb einer Limousine. Ein vielbeachteter Neuling in der Mittelklasse ist der Opel Insignia. In unserem Einzeltest hat er vor wenigen Monaten gut abgeschnitten. Doch wie macht er sich im Vergleich? Als Konkurrenten haben wir dem Insignia 2.0 CDTI einen Ford Mondeo 2.2 TDCi und einen Mazda 6 Sport 2.2 MZR-CD gegenübergestellt.

MOTOR/GETRIEBE
Schwach ist keiner: Alle drei Kandidaten werden von starken Selbstzündern vorangebracht. Spitzenreiter des Trios ist der Mondeo, der eine Leistung von 175 PS auf die Vorderräder schickt. Der Mazda folgt mit 163, der Opel liefert 160 Pferdestärken. Mit der höchsten Zahl sticht der Ford nicht nur im Autoquartett, er ist auch der spritzigste unseres Vergleichs. Allerdings will der Kölner nach dem Anfahren dieseltypisch erst einmal ordentlich Drehzahlen haben, untertourig gibt sich die Maschine recht zäh. Etwa ab 1.800 Umdrehungen sprintet der Mittelklässler aber mit mächtig viel Dampf los und drückt uns die Lehne in den Rücken. Klar, dass auch der Sprintwert Trumpf ist: 8,7 Sekunden vergehen bis zur Hunderter-Marke. Der Mazda erreicht den dreistelligen Tachobereich nach 9,2 Sekunden, der Opel benötigt 9,5 Sekunden. Gefühlt beschleunigt der Mazda allerdings am langsamsten, vielleicht liegt es das aber auch mit daran, dass er in diesem Vergleich den leisesten Motor hat.

Kräftig dieseln nach dem Kaltstart
Nach dem Kaltstart dieseln zwar alle drei erst einmal kräftig, aber beim Fahren bietet der Japaner das ruhigste Aggregat, gefolgt vom Ford. Die Maschine im Opel klingt beim Hochtouren recht rau. Etwas überrascht haben die drei Kandidaten bei den Verbräuchen. Die Werksangabe bei Ford sind 6,2 Liter. Im Alltag haben wir 8,2 Liter benötigt. Der Mazda ist mit 5,5 Liter beziffert und wurde von uns mit 7,8 Liter gefahren. Rüsselsheim nennt einen Wert von 5,8 Liter, unser Insignia hat sich aber im Durchschnitt 8,9 Liter genommen.

Mazda: Knackige Box
Beim Vergleich der Sechsgang-Schaltgetriebe schneidet der Mazda 6 ebenfalls gut ab: Die knackige Box bietet kurze Wege. Es macht hier am meisten Spaß, schnell die Gänge zu wechseln. Das Getriebe im Insignia ist nicht minder exakt, mit den früher recht teigigen Opel-Schaltungen hat dieses Teil nichts mehr zu tun. Die Wege dürften allerdings gern ein wenig kürzer sein. Nicht ganz so überzeugend ist die Schalteinrichtung im Mondeo: Beim Sortieren der Gänge kann es passieren, dass man nicht auf Anhieb die richtige Gasse trifft.

FAHRWERK/LENKUNG
Bei den Fahrwerken zeigen sich große Unterschiede. Hier kommt es eindeutig auf die persönlichen Vorlieben an. Wer einen straff abgestimmten Unterbau will, der auch in schnellen Kurven nicht zum Schwanken neigt, ist im Mazda 6 bestens aufgehoben. Die direkte, leichtgängige Lenkung hilft beim raschen Durcheilen der Wegbiegungen. Jedoch geht der Sportsgeist zu Lasten des Komforts: Unebenheiten wie Querrillen werden doch recht deutlich nach innen gemeldet. Ein auffälliges Gegenstück bildet der Mondeo: Komfortabel, fast weich abgestimmt, bügelt der Kölsche Jung´ den Asphalt eben. Weniger Spaß macht es aber, den Rheinländer dynamisch ums Eck zu bringen: Schnelle Kurven werden von einer spürbaren Seitenneigung begleitet, die Federung ist beinahe schwammig. Die recht indirekte Lenkung verleidet solches Tun zusätzlich. Einen gelungenen Kompromiss bildet unserer Meinung nach der Opel: Er bietet eine passende Mischung aus ,bequem" und ,sportlich". Zu kritisieren gibt es beim Rüsselsheimer die mechanisch-hydraulische Zahnstangenlenkung. Während sie beim Geradeausfahren direkt und beinahe unruhig auf leichte Bewegungen am Volant reagiert, ist das Verhalten in Kurven recht indirekt.

KAROSSERIE/INNENRAUM
Alle drei unserer Kandidaten haben ausreichend große Kofferräume, die sich durch das Umlegen der Rückbänke noch erweitern lassen. Der fünftürige Ford bietet 540 Liter, in den ebenfalls fünftürigen Mazda passen 510 Liter. Unser Opel-Testwagen ist ein Viertürer, daher schluckt er 500 Liter, in das fünftürige Pendant passen 520 Liter. Der Nachteil beim Insignia ist die hohe und schmal geschnittene Ladeöffnung: Wer Getränkekisten hineinwuchtet, muss gut auf den lackierten Stoßfänger aufpassen, sonst gibts dort unschöne Kratzer. Beim Mazda lässt sich die Heckklappe entweder mit dem Schlüssel oder mit einem gut versteckten kleinen Taster neben der dritten Bremsleuchte entriegeln. Dann ist ein zweiter Handgriff nötig, um die Klappe nach oben schwingen zu lassen. Praktisch: Eine elektrische Zuziehhilfe sorgt dafür, dass die Klappe ordentlich wieder ins Schloss rastet.

Tür schwingt weit nach oben
Beim Ford zeigt sich, dass eine fünfte Tür am Wagen nicht nur Vorteile bringt: Erstens schwingt sie beim Öffnen so weit nach oben, dass man in niedrigen Garagen vorsichtig sein muss, zweitens haben klein gewachsene Menschen Schwierigkeiten, nach oben zu langen, um sie wieder zu schließen.

Ford: Ohne Mühe in den Fond
Das Einsteigen in den Fond klappt beim Ford am besten. Ohne viel Mühe können wir die hintere Bank entern und spüren dort das beste Raumgefühl der drei Kandidaten. Wir haben genügend Kopf- und Beinfreiheit. Sowohl beim Opel als auch beim Mazda stören die weit vorn liegenden Radkästen. Wer beim Aussteigen nicht aufpasst, kann sich die Kleidung beschmutzen. Beide bieten aber ausreichend Platz, wenngleich auch beim Opel der Kopfraum vergleichsweise gering ist.

Opel hat die besten Sitze
Das beste Gestühl in der ersten Reihe hat für einen Aufpreis ab 350 Euro der Opel Insignia zu bieten. Auf dem Arbeitsplatz des Chauffeurs sitzen wir ausgezeichnet, und das im Sinne des Wortes: Der Fahrersitz unseres Testwagens trägt das Gütesiegel des Vereins ,Aktion Gesunder Rücken". Das bedeutet, dass wir uns auf langen Strecken bestens platziert fühlen. Zwar spürt man die hohen, straffen Wangen beim Aussteigen am Oberschenkel, aber dafür bietet der Sessel viel Seitenhalt und zudem eine ausziehbare Beinauflage. Ein Kritikpunkt sind die zu weit unten angebrachten Gurtschlösser: So wird das Anlegen des Sicherheits-Bandes zur Fummelei. Im Mazda ist die Sitzfläche recht kurz geraten und auch nicht verlängerbar, ansonsten fühlen wir uns auch an diesem Punkt im Mazda wohl. In puncto Sitzkomfort ist am Ford nur wenig zu mäkeln, auch der Seitenhalt passt.

Ford stylisch, Opel elegant
Die Cockpits unserer Kandidaten sind genau so gestylt, wie der äußere Auftritt der Autos vermuten lässt. Die Kölner Mittelklasse setzt auf progressive Eleganz: Die Armaturentafel sieht stylisch aus und hat jede Menge Schalter und Tasten. Die wichtigsten Funktionen lassen sich am Lenkrad bedienen, ein zweites Display zwischen den Uhren im Blickfeld des Fahrers zeigt relevante Daten an. Der Wagen in unserem Vergleich hat ein Navigationssystem mit Touchscreen, der bei ungünstigem Lichteinfall spiegelt. Auch die rot hinterleuchteten Funktionsbezeichnungen der Tasten lassen sich mitunter schwer ablesen.

Opel: Schwung und klare Linien
Mit viel Schwung und klaren Linien ist die Opel-Armaturentafel gezeichnet. Das Cockpit wirkt sehr elegant. Schick: Die Instrumente stecken in Röhren. Auch dieser Testwagen hat ein großes Display, das blickgünstig auf Höhe der Uhren liegt. In Verbindung mit dem Navigationssystem kommt im Insignia ein dem iDrive von BMW ähnliches System mit Drehrad und Tasten neben dem Knopf der elektrischen Parkbremse zum Einsatz. Das ist im Grundsatz eine gute Erfindung, nur der Multifunktionsknauf dreht sich so leicht, dass man beim versehentlichen Anstoßen mit der Hand beispielsweise das Radio verstellen kann. Im Vergleich zu den beiden Konkurrenten ist der Mazda beinahe nüchtern gestaltet. Die kühle Sachlichkeit überzeugt durch eine gute Funktionalität und praktische Bedienung der Funktionen.

AUSSTATTUNG/PREIS
Beim Startpreis für die von uns getesteten Motor-Getriebe-Versionen unterscheiden sich die drei Mittelklässler kaum: Der Mazda 6 kostet 29.100 Euro, dicht gefolgt vom Ford Mondeo für 29.400 Euro. Der Opel Insignia schlägt als Viertürer wie in unserem Test mit 29.755 Euro zu Buche, der Fünftürer kostet 30.145 Euro. Bei Ford und Mazda ist im Grundpreis bereits eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik dabei, Opel kühlt auch automatisch, aber in diesem Fall nur mit einer Zone. Dafür hat der Insignia das Navigationssystem bereits an Bord. Schade: Der Mazda kann in der Ausstattung ,Exclusive" weder mit Xenon-Scheinwerfern, noch mit Leder oder einem Navi-System ab Werk bestellt werden.

Wertung

  • ☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆
  • Testsieger in unserem Vergleich ist der Opel Insignia, ganz knapp gefolgt vom Mazda 6. Der Rüsselsheimer ist außen schick gestylt, elegant eingerichtet und bietet den besten Sitzkomfort. Auch sein gut abgestimmtes Fahrwerk, das sich auf der Geraden ebenso zu Hause fühlt wie in schnellen Biegungen, ist ein Pluspunkt. Der Mazda ist der Sportler des Trios: Ein straffer Unterbau, die knackige Schaltung und die direkte Lenkung machen ihn zum Kurvenräuber, weniger zum Cruiser. Dafür ist der Mondeo am besten geeignet. Der Ford hat zwar einen sehr starken Motor, aber seine Anfahrschwäche und das etwas schwammige Fahrverhalten bieten kein so stimmiges Gesamtbild wie beim Opel.

  • Opel Insignia
    95%
    eleganter Innenraum, gut abgestimmtes Fahrwerk
    Lenkung in Mittellage unruhig
  • Mazda 6 Sport
    95%
    straffer Unterbau, sportliches Kurvenverhalten
    unkomfortabel auf schlechten Wegen
  • Ford Mondeo
    80%
    gutes Raumangebot im Fond, starker Motor
    zäh im unteren Tourenbereich

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