Das erste viersitzige Cabrio der Marke im Test

Das Grollen und Brummen ist auf einmal so gedämpft. Das Dach macht den Innenraum des Wagens deutlich leiser. Wir sind unterwegs im Maserati GranCabrio, dem ersten vollwertigen Viersitzer der Marke, der seine Insassen mit einem Stoffverdeck vor Wind und Wetter schützt.

Sportliche Linie
Das GranCabrio basiert auf dem von Pininfarina gezeichneten Coupé GranTurismo, das uns nach wie vor mit seinem Aussehen in den Bann schlägt. Als Cabrio trägt der Wagen eine Mütze aus Stoff, die sich flach über die Insassen spannt und ihn somit schick aus dem Blech schauen lässt. Das 60 Kilogramm schwere Dach stammt vom deutschen Zulieferer Edscha und soll sich in 28 Sekunden öffnen oder schließen lassen. Auf unserer Stoppuhr stand der Zeiger bei immer noch erträglichen 31 Sekunden still.

Für die Golfplatzreise
Unterm geschlossenen Dach des GranCabrio geht es uns gut: Vorne genießen wir richtig viel Kopffreiheit. Allerdings wird diese von größeren Passagieren auf den hinteren Sitzen vermisst. Diese lassen sich wiederum leichter erreichen, wenn das Dach geöffnet ist. Tatsächlich passen vier Erwachsene in den Wagen, allerdings wird es dann in Sachen Beinfreiheit für alle etwas beengt. Das serienmäßige Ledergestühl gibt Halt auch auf langen Strecken und gegen Aufpreis baut Maserati für die hinteren Sitze spezielle Gepäckhalte-Gurte ein – nicht nur bei einem Cabrio eine gute Idee, wie wir finden. Zumal der Kofferraum naturgemäß geschrumpft ist: Da das Verdeck in einem eigenen Heckabteil schlummert, gehen vom Gepäckraum unverrückbar 87 Liter verloren – übrig bleiben 137 Liter. Für zwei Golfbags soll das reichen – und auf Parkplätzen vor Golfanlagen wird sich das GranCabrio öfter aufhalten.

Für Nichtraucher
So ein Maserati ist serienmäßig beinahe komplett ausgestattet. Allerdings gibt es eine Kleinigkeit nicht mal gegen Aufpreis: einen Zigaretten-Anzünder. Uns fällt das nur auf, weil der Knopf zum Öffnen des Daches unter einer schmalen Schiebe-Abdeckung ruht. Unter dieser steckt ebenfalls die Zigarettenanzünder-Buchse. Allerdings schließt die Abdeckung mit der Buchse bündig ab, so dass dort gar kein Platz mehr für einen Zigarettenanzünder wäre. Ebenfalls abwesend: Fensterheberknöpfe für die hinteren Fenster. Zwar lassen sich alle Fenster unabhängig voneinander öffnen und schließen, aber die Hoheit über den Fond hat in diesem Fall ausschließlich der Fahrer. Und alle Fenster lassen sich nur über den Dach-Öffnungs-Knopf gleichzeitig öffnen oder schließen. Und ob das Dach offen oder geschlossen ist: Hinter den Fond-Kopfstützen schnellen im Falle eines Überschlags in 190 Millisekunden Überrollbügel heraus.

Cruiser-Lenkung
Unser Cabrio lässt sich sauber um die Kurven der Hügellandschaft in der Umgebung von Rom führen. Allerdings ist die Weichheit der Lenkung für einen Wagen der sportlich sein will, gerade noch akzeptabel. Rückmeldung und Präzision gehen in Ordnung, scheinen aber eher für einen sportlichen Cruiser als für einen echten Sportler ausgelegt zu sein. Die Bremsen passen genau richtig und sind neuerdings mit einem hydraulischen Bremsassistenten ausgerüstet, der beispielsweise den Bremsweg aus einer Geschwindigkeit von 100 km/h um 7,6 Meter verkürzt.

Straff abgestimmt
Das Fahrwerk unseres GranCabrio ist recht straff abgestimmt, was wir zwar auf Schlaglochpisten spüren, was sich aber auch in der Kurve durch eine kaum spürbare Wankneigung auszahlt. Wer es noch härter angehen lassen will, der drückt auf die Sport-Taste. Jetzt verhärten sich die Dämpfer durch das Schließen von Ventilen in den Dämpferleitungen und die zackigste Kurvenkombination kann mit erfrischendem Schwung genommen werden. Hilfreich ist hier auch die ausgewogene Gewichtsverteilung von 49 zu 51 Prozent zwischen vorne hinten. Durch Öffnen des Daches verschiebt sich das Gewicht noch mal um einen Prozentpunkt weiter nach hinten – eine perfekte leichte Heckbetonung für einen Wagen mit Hinterradantrieb. Und für die Steifigkeit hat Maserati ein paar Verstärkungen in den Wagen gebaut – wir können keine störenden Verwindungen ausmachen.

440 PS – gebaut von Ferrari
Unter der eleganten Haube des GranCabrio brummt ein 4,7-Liter-Achtzylinder mit diesem typischen Maserati-Klang: kein Kreischen aber auch kein tiefes Grollen – irgendwas dazwischen. Und das wollen wir immer wieder hören: Jeder Gasstoß dringt kraftvoll ans Ohr, röhrt durch die laublosen Bäume ins Land. Nach Druck auf die Sport-Taste können wir uns an einem noch um einige Nuancen markanteren Klang ergötzen. Gebaut wird das Aggregat von Ferrari – schließlich sind sowohl Ferrari als auch Maserati Fiat-Töchter. Ganz nebenbei werden die Maseratis auch bei Ferrari lackiert – teilweise ist die Farbpalette identisch. Und Ferrari ist froh, in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Aufträge für Maserati erledigen zu können.

Süchtiger Performer
Der V8 dreht 440 PS und ein maximales Drehmoment von 490 Newtonmeter raus. Um das Cabrio behände durch die Gegend zu ballern, reicht das natürlich: In 5,3 Sekunden ist Tempo 100 erreicht. Rauf geht es im geschlossenen Zustand bis 283 km/h, ist das Dach offen, müssen 274 km/h genügen. Das Triebwerk dreht arbeitsfreudig hoch, nimmt sich aber auch einfach, was es braucht: viel Benzin. Richtig viel Benzin: 10,4 Liter – außerorts. Der Normverbrauch in der Stadt liegt bei 23,9 Liter, kombiniert kommen dann 15,4 Liter heraus (Herstellerangaben). Soviel Spaß, wie der Maserati-Muskel macht – zeitgemäß wirkt das nicht. Der Bordcomputer gibt den Verbrauch übrigens in Kilometer pro Liter an. Diese Anlehnung an amerikanische Verbrauchsangaben (Miles per Gallon) ist für Europa reichlich ungewöhnlich – und ein Hinweis auf den Hauptabsatzmarkt der Italiener: Die meisten Maseratis gehen in die USA.

Deutsches Schaltwerk
Für die Einteilung der Gänge ist serienmäßig eine vom deutschen Getriebe-Spezialisten ZF gefertigte Sechsgang-Automatik zuständig. Diese wurde im Frühjahr 2009 erstmals in das Coupé eingebaut, für das es auch die automatisierte Schaltung namens ,MC Shift" gibt. Das Cabrio bekommt immer die ZF-Automatik. Diese ist zwar keine Racer-Schaltung, macht uns aber keinerlei Sorgen: Sauber fließen die Stufen dahin, ruckeliges Verschalten oder das ,Hunting for Gears" genannte Gesuche nach dem richtigen Gang glänzt durch Abwesenheit. Nach Druck auf den Sport-Knopf wird erst bei spürbar höheren Drehzahlen in den jeweils nächsten Gang gewechselt. Zum Schalten per Hand stehen Paddles zur Verfügung (240 Euro), die sich beim Lenken nicht mitdrehen. Die Automatik passt zur sportlichen Cruiser-Attitüde des ab März 2010 verfügbaren mindestens 132.770 Euro teuren GranCabrio.

Wertung

  • ★★★★★★★★★☆
  • Extrem schick ist es, das Maserati GranCabrio. Und damit ist auch schon die mögliche Kundschaft anvisiert: Leute, die auf Stil achten und sich gerne mit exklusiven Dingen umgeben, werden für das GranCabrio offen sein.

    Der Wagen entpuppt sich als cruisingtauglicher Sportler mit dem typischen Maserati-V8-Brummen, von dem wir kaum genug bekommen können. Am meisten freut sich über den Brummton aber der Tankwart Ihres Vertrauens. Doch nicht nur die Spritmengen kosten, auch beim Einstiegspreis langt Maserati richtig kräftig zu – so mag das die Golfplatz-Klientel.

  • Antrieb
    80%
    durchzugsstark, super Sound, gute Schaltung
    Verbrauch jenseits von gut und böse
  • Fahrwerk
    90%
    schön straff, kein Wanken, jetzt gute Bremsen
    Lenkung ein wenig zu weich
  • Karosserie
    90%
    schick mit Stoffmütze, steif
    im Fond nach oben und vorne eng, Mini-Kofferraum
  • Kosten
    75%
    enormer Serienumfang
    enormer Einstiegspreis

Preisliste


Maserati GranCabrio

Grundpreis: 132.770 Euro
Ausstattungen Preis in Euro
ABS Serie
ESP Serie
ASR Serie
Airbag Fahrer Serie
Airbag Beifahrer Serie
Seitenairbags vorn Serie
Kopfairbags vorn Serie
elektr. Fensterheber vorn Serie
elektr. verstellbare Außenspiegel Serie
Klimaautomatik Serie
Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie
Automatikgetriebe Serie
Bildschirmnavigation Serie
CD-Radio Serie
MP3 Serie
Metalliclackierung 1.180
Leichtmetallfelgen Serie (20 Zoll)
Sitzhöheneinstellung Serie
Tempomat Serie
Lederausstattung Serie
Xenonlicht Serie
Leder-Maßgepäck (Satz) 4.284
Automatisch abblendende Außenspiegel 455
Fahrzeugabdeckhaube 310
Notrad 893
Parksensoren vorn 775
Reifendruckkontrolle 835
Schaltwippen am Lenkrad 240
Bose Surround Soundsystem 2.785
Integrierter Garagentoröffner 595
iPod Schnittstelle 360
Windschott 955
Nähte in Farbe nach Wahl 245
Pedalerie aus Aluminium 298
Perleffektlackierung "Bianco Fuji" 7.735

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart V-Ottomotor 
Zylinder
Ventile
Hubraum in ccm 4.691 
Leistung in PS 440 
Leistung in kW 323 
bei U/min 4.750 
Drehmoment in Nm 490 
Antrieb Heckantrieb 
Gänge
Getriebe Automatik 
Fahrwerk
Spurweite vorn in mm 1.586 
Spurweite hinten in mm 1.590 
Radaufhängung vorn Aluminium-Vierlenker, Stabilisator, verstellbare Dämpfer 
Radaufhängung hinten Aluminium-Vierlenker, Stabilisator, verstellbare Dämpfer 
Bremsen vorn Scheibenbremsen, innen belüftet, 360 x 32 mm 
Bremsen hinten Scheibenbremsen, innen belüftet, 330 x 28 
Wendekreis in m 10,7 
Räder, Reifen vorn 245/35 R20 auf 20 x 8.5J 
Räder, Reifen hinten 245/35 R20 auf 20 x 8.5J 
Lenkung Servolenkung, hydraulisch, geschwindigkeitsabhängig 
Maße und Gewichte
Länge in mm 4.881 
Breite in mm 1.915 
Höhe in mm 1.353 
Radstand in mm 2.942 
Leergewicht in kg 1,980 
Zuladung in kg 100 
Kofferraumvolumen in Liter 173 
Tankinhalt in Liter 75 
Kraftstoffart Super 
Fahrleistungen / Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit in km/h (Dach geschlossen) 283 
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 5,3 
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 15.4 
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 23.9 
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 10.4 
CO2-Emission in g/km 358 
Schadstoffklasse Euro 5 
Weitere Informationen
1/moreName 274 km/h 

Gallery: Freiheit mit Stil