VW Golf R Cabrio im Test: Der letzte Sechser

Seit Herbst 2012 spricht ganz Auto-Deutschland von der siebten Generation des VW Golf. Doch Nummer sechs ist beileibe noch nicht Vergangenheit, ganz im Gegenteil: Mit dem Golf R Cabrio geht im Frühling 2013 der stärkste offene Golf aller Zeiten an den Start und der basiert noch auf dem Sechser. Grund genug, den Frischlüfter genauer unter die Lupe zu nehmen.

Bissige Optik
Schon bei der ersten Begegnung wird klar: dieser Golf meint es erst. Zum Sportfahrwerk inklusive Tieferlegung um 25 Millimeter gesellen sich Stoßfänger in Motorsportoptik, ein Heckspoiler in Wagenfarbe sowie Bi-Xenon-Scheinwerfer in schwarzen Gehäusen. Das Gesamtresultat steht auf 18-Zoll-Leichtmetallrädern mit 225er-Bereifung. Also ein Auto für Angeber? Eher nicht, denn selbst der stärkste Golf hält sich optisch zurück. Das gilt ebenso für den Innenraum mit etwas mehr Chrom und Aluminium für die sportliche Note. Erstaunlich: Die bequemen Sportsitze können nur manuell verstellt werden.

Schippe drauf
Entscheidend ist vor allem das Triebwerk unter der Haube, welches den R von seinem GTI-Bruder unterscheidet. Hier kommt ein turboaufgeladener Zweiliter-Benzindirekteinspritzer der Baureihe EA 113 zum Einsatz. Soweit liegen GTI und R noch auf einer Wellenlänge, doch im Ober-Golf stehen ab 6.000 Umdrehungen 265 PS bereit, ein dickes Plus von 55 PS gegenüber dem GTI. Um diese Kraft auf die Straße zu bringen, ist ein Sechsgang-DSG immer serienmäßig an Bord.

Flotte Mütze
Also nichts wie ran an das recht glatt belederte Sportlenkrad und den DSG-Wählhebel auf D gestellt. Doch halt: Natürlich wollen wir den Golf R offen genießen. Das Stoffverdeck öffnet in fixen neun Sekunden bis zu einer Geschwindigkeit von 50 km/h. Allerdings ist das Cabrio schneller als seine Mütze: Schon nach 6,4 Sekunden werden 100 km/h erreicht. In dumpfer Tonlage setzt sich das Golf R Cabrio in Bewegung, aber wo ist der erwartete Biss abgeblieben? In Stufe ,D" wartet die Maschine eine Gedenksekunde lang, um dann vehement loszustürmen. Der Schub kommt recht unvermittelt, die technischen Daten untermauern den subjektiven Eindruck. Erst zwischen 2.500 und 5.000 Umdrehungen liegt das maximale Drehmoment von 350 Newtonmeter an. Weil das DSG sehr früh hochschaltet, liegt die Drehzahl im Durchschnitt unter 2.000 Touren. Das bedeutet nicht nur Beißhemmung, es klingt auch so: Ein dumpfes Brummen nervt auf Dauer die Gehörgänge.

Die böse Seite
Dass der offene Golf R aber auch ganz anders kann, zeigt sich beim Wechsel in den S-Modus des DSG. Hier werden die Gänge später gewechselt, die blaue Nadel des Drehzahlmessers darf weit über die 3.000er-Marke huschen. Als Untermalung gibt es ein sportliches Grollen, der Turbobenziner versucht sich an V8-Musik. Besonders hübsch: Wird ein Gang heruntergeschaltet, schallt ein Sprotzeln im Zwischengas-Stil durch die links und rechts angebrachten Endrohre.

Schwer in Fahrt
Sowohl das Fahrwerk als auch die Lenkung des Golf R Cabrio wurden VW zufolge sportlich abgestimmt. Hinsichtlich des Fahrwerks mit hinterer Mehrlenkerachse ist dem zuzustimmen, der Wagen rollt straff und verbindlich über das Pflaster, prügelt seine Insassen aber nicht windelweich. Weich ist eher ein Stichwort für die Lenkung: Sie dürfte gerne noch exakter sein, besonders in der Mittellage ist sie zu indifferent. Verzichtbar ist die adaptive Fahrwerksregelung DCC mit ihrem Sport- und Komfortmodus. Wirklich fühlbare Auswirkungen auf Fahrwerk und Lenkung sind nur in Nuancen feststellbar. Serienmäßig baut VW die elektronische Differenzialsperre XDS ein. Sie hilft beim Kurvenräubern, doch insbesondere bei starker Beschleunigung kann das Golf R Cabrio seinen Frontantrieb nicht leugnen. Hinzu kommt ein nicht gerade geringes Leergewicht von 1.614 Kilogramm.

Fast einzigartig
Nichtsdestotrotz ist das VW Golf R Cabrio ein interessantes Angebot für leistungshungrige Fans des Wolfsburger Kompakten. In dieser Klasse gibt es kaum alternative Angebote, die wie der Golf R bei offenem Verdeck genügend Platz für vier Erwachsene und das mit 265 PS kombinieren. Am ehesten vergleichbar ist noch das ebenfalls ,alte" BMW 135i Cabrio, was für 45.500 Euro aber schon 306 PS und einen Reihensechszylinder bietet. Leistungsmäßig gleichauf liegt hingegen der 48.291 Euro teure Porsche Boxster. Er bietet zwar auch 265 PS, weist aber nur zwei Plätze auf. Exakt 43.325 Euro ruft VW für das Golf R Cabrio auf, immerhin fast 10.000 Euro mehr als für ein GTI Cabrio mit DSG. Als Gegenwert gibt es eine reichhaltige Serienausstattung, zu der beispielsweise Ledermöbel plus Sitzheizung vorne zählen, aber auch eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik. Trotzdem ist noch reichlich Raum für Aufpreise, zum Beispiel beim Paket von Tempomat und Windschott für 450 Euro. Mindestens 665 Euro müssen für ein Navigationssystem der jüngst abgelösten Gerätegeneration hingelegt werden.

Wertung

  • ★★★★★★★★☆☆
  • Keine Frage, das VW Golf R Cabrio ist ein Fall für Fans. Dafür sorgt bereits der fette Aufpreis gegenüber dem auch nicht lahmen GTI Cabrio. Als Gegenwert erhält man eine bullige Kraftentfaltung, wenngleich der Motor etwas Punch aus dem Drehzahlkeller vermissen lässt. Auch die Lenkung könnte noch etwas Feinschliff vertragen. Für das Golf R Cabrio spricht aber die Tatsache, dass man in dieser Preis- und Leistungsklasse kaum andere viersitzige Cabrios findet.

  • Antrieb
    80%
    guter Klang in höheren Drehzahlen
    spürbare Antrittsschwäche
  • Fahrwerk
    80%
    ausgewogen straffe Federung
    indifferente Lenkung
  • Karosserie
    85%
    offen Platz für vier Personen
    gut nutzbarer Kofferraum
  • Kosten
    80%
    angemessener Grundpreis
    einfache Extras aufpreispflichtig

Preisliste


VW Golf R Cabrio

Grundpreis: 43.325 Euro
Ausstattungen Preis in Euro
ABS Serie
ESP Serie
ASR Serie
Airbag Fahrer Serie
Airbag Beifahrer Serie
Seitenairbags vorn Serie
elektr. Fensterheber vorn Serie
elektr. verstellbare Außenspiegel Serie (inklusive Heizung)
Klimaautomatik Serie (Zwei-Zonen)
Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie
Automatikgetriebe Serie
Bildschirmnavigation 665
CD-Radio Serie
MP3 Serie
Metalliclackierung 525
Leichtmetallfelgen Serie (18 Zoll)
Sitzhöheneinstellung Serie (Fahrer und Beifahrer)
Tempomat 230
Lederausstattung Serie
Xenonlicht Serie
Nebelscheinwerfer Serie
Adaptive Fahrwerksregelung 990
Rückfahrkamera 280

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart Benziner mit Turboaufladung und Direkteinspritzung 
Zylinder
Ventile
Hubraum in ccm 1.984 
Leistung in PS 265 
Leistung in kW 195 
bei U/min 2.500-5.000 
Drehmoment in Nm 350 
Antrieb Frontantrieb 
Gänge
Getriebe Doppelkupplungsgetriebe 
Fahrwerk
Spurweite vorn in mm 1.535 
Spurweite hinten in mm 1.517 
Radaufhängung vorn McPherson-Achse 
Radaufhängung hinten Mehrlenkerachse 
Bremsen vorn Scheiben innenbelüftet 
Bremsen hinten Scheiben innenbelüftet 
Wendekreis in m 10,9 
Räder, Reifen vorn 225/40 R18 
Räder, Reifen hinten 225/40 R18 
Lenkung elektromechanisch mit geschwindigkeitsabhängiger Servounterstützung 
Maße und Gewichte
Länge in mm 4.266 
Breite in mm 1.782 
Höhe in mm 1.405 
Radstand in mm 2.578 
Leergewicht in kg 1.614 
Zuladung in kg 461 
Kofferraumvolumen in Liter 250 
Tankinhalt in Liter 55 
Kraftstoffart Super 
Fahrleistungen / Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit in km/h 250 
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 6,4 
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 8,2 
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 11,0 
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 6,5 
CO2-Emission in g/km 190 
Schadstoffklasse Euro 5 
Fixkosten
Garantie 2 Jahre 

Schneller Sechser