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Ford Fiesta ST im Test: Was 182 PS im Kleinwagen anrichten

Henry Dinger 
Von: Henry Dinger
6. Mär. 2013 um 18:42 Uhr
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Kräftige Kleinwagen haben bei Ford eine lange Tradition: Schon in den 1980er Jahren hat der Fiesta XR2 eine Schar von Fans gefunden. Aus heutiger Sicht locken seine 84 PS zwar nur noch ein müdes Lächeln hervor, aber damals war der auch optisch geschärfte Fiesta schon ein rassiger Teenager-Traum. 2005 folgte der erste ST – das steht für Sport Technologies – mit auch heute noch respektablen 150 PS. Er wurde im Jahr 2008 eingestellt. Da freut es umso mehr, dass nun wieder ein kurzer Kölner mit ST-Badge antritt und damit neue Begehrlichkeiten weckt. Immerhin ist der neue ST der erste Serien-Fiesta, der die Tempo-100-Marke in unter sieben Sekunden knackt. Kein schlechter Wert für ein Modell, das normalerweise mit dem Klischee eines Stadtautos leben muss.
Bedrohlicher Kühlerschlund
Den ersten Kontakt mit der rheinischen Rennsemmel stellen wir im belgischen Lommel her. Dort ist das europäische Testzentrum von Ford, hier werden die Autos von den Ingenieuren und Technikern erprobt. Der neue ST verrät beim ersten Hinschauen schon, dass er anders als die übrigens Fiestas ist. Sein breites Grinsen wird bei unserem Vorserien-Testwagen noch durch den Umstand verstärkt, dass kein Nummernschild montiert ist. Dadurch wirkt der schwarz vergitterte Kühlerschlund noch bedrohlicher. Zur geänderten Frontschürze gesellen sich auffällige Schwelleraufsätze, doch den eigentlichen Blickfang bildet das Hinterteil. Hier gibt es nicht nur einen fetten Diffusor, sondern auch eine markantere Schürze. Das Abgas entweicht einem Doppelrohr auf der rechten Heckseite, auf ein vierflutiges Angeber-System wurde zum Glück verzichtet. Besonders gut gefallen uns die stahlgrauen 17-Zoll-Felgen, hinter denen ringsum rote Sättel hervorschimmern. Beides kann gegen Aufpreis hinzugebucht werden.
Zupackende Recaro-Sitze
Innen empfangen uns Recaro-Sitze, die guten Seitenhalt bieten und besonders den Oberkörper zupackend umschließen. Während Fahrer und Beifahrer bequem und mit ausreichend Platz untergebracht sind, hält sich im Fond besonders die Kniefreiheit für Erwachsene in bescheidenen Grenzen. Das Sportlenkrad hat einen dicken, griffigen Kranz mit ausgeformten Griffbereichen, es ist, ebenso wie Schalthebel und Handbremsgriff, serienmäßig in Leder gehüllt. Das Interieur wirkt insgesamt sportlich gestylt, nur der schwarze Klavierlack an der Mittelkonsole könnte unserem Geschmack nach durch eine Karbonoptik ersetzt werden.
Sound wird verstärkt
Per Startknopf wird der 1,6-Liter-Turbomotor geweckt. Der Sound klingt schon im Leerlauf kernig, beim Gasgeben wird das Geräusch richtig satt und bassig. Dass die Motormusik so wohlig ans Ohr dringt, liegt an einem technischen Trick: An der Stirnwand des Motorraumes sitzt ein so genannter Sound-Symposer, der mittels Membran das Ansauggeräusch verstärkt an die Passagiere überträgt.
15 Millimeter tiefer und straffer abgestimmt
Dass die Musik beim Fiesta ST vorn spielt, offenbart sich beim Losfahren. Schon aus dem Drehzahlkeller zieht der 182-PS-Direkteinspritzer den Kurzen überaus lebhaft nach vorn. Bereits bei 1.600 Touren liegt das maximale Drehmoment von 240 Newtonmeter an, es bleibt bis immerhin 5.000 Touren konstant. Das macht nicht nur beim Spurten richtig viel Spaß, sondern erlaubt auch eine schaltfaule Fahrweise. Doch aufs Cruisen haben wir beim ersten Test überhaupt keinen Bock, denn das Ford-Testgelände bietet eine Kurvenstrecke vom Feinsten. Hier kann der Kleine richtig zeigen, was in ihm steckt.
Tiefer und straffer
Im Vergleich zum normalen Fiesta ist nicht nur die Karosserie um 15 Millimeter tiefergelegt worden, sondern auch Dämpfercharakteristik und Federraten wurden für eine bessere Fahrdynamik modifiziert. Aufgrund der Modifikationen werden zwar kurze Bodenwellen spürbar an die Passagiere geleitet, aber für den Alltag ist noch genügend Restkomfort vorhanden. Auch am Setup der elektromechanischen Servolenkung wurde in Richtung mehr Fahrdynamik gedreht. Im Ergebnis allen Feinschliffs treibt einem der kleine Ford das Lachen ins Gesicht: Mit heftigem Speed lässt sich der ST durch Serpentinen jagen und um Haarnadel-Biegungen heizen. Die Torque Vectoring Control an der Vorderachse sorgt für eine optimale Verteilung des Drehmoments zwischen den Vorderrädern und lässt das scharfe Mobil linientreu durch die Kurven kommen. Um den ST aus der Spur zu bringen, braucht es schon viel Mutwillen und einen kräftigen Gasfuß. Aber selbst im Grenzbereich ist der Kölner noch gut beherrschbar. Die direkte Lenkung verstärkt das Vergnügen ebenso wie die knackige Sechsgang-Schaltung. Wer es richtig krachen lassen will, kann das ESP in drei Stufen entschärfen und sogar komplett ausschalten.
220 km/h Spitze
Auf dem Hochgeschwindigkeits-Oval des Testgeländes beweist der ST, dass er auch schnell geradeaus fahren kann. Laut Tacho haben wir dabei den vom Werk angegebenen Wert von 220 km/h locker erreicht, auch wenn die Beschleunigung ab etwa 180 km/h recht zäh wird. Das können wir über die Leistung der Bremsen nicht behaupten: Wenn beim Tritt aufs Pedal die vier Scheiben rundum in die Zange genommen werden, kommt das Kraftpaket schnell zum Stillstand.
Ab 19.990 Euro
Der Fiesta ST ist ab 19.990 Euro zu haben. In diesem Preis sind schon Recaro-Sitze vorn, eine Klimaanlage, Nebelscheinwerfer und ein CD-Audiosystem mit 8,8-Zentimeter-Bildschirm und verschiedenen Schnittstellen dabei. Gegen 1.000 Euro Aufpreis gibt's ein Leder-Sport-Paket, bei dem die dann belederten Recaros auch beheizbar sind. Rote Bremssättel und graue Felgen gibt's im Performance-Paket-1 gegen 220 Euro zusätzlich. Dass der Anschaffungspreis vergleichsweise günstig ist, zeigt ein Blick zur Konkurrenz: Der Opel Corsa OPC mit 192 PS ist 24.265 Euro teuer und der VW Polo GTI mit 180 PS steht für 22.925 Euro in der Liste.
Wertung
-
★★★★★★★★★☆
Der Fiesta ST ist ein starker Kleinwagen, der seine Freunde vor allem unter jungen Leuten finden dürfte. Dabei dürfte vor allem sein vergleichsweise günstiger Anschaffungspreis eine Rolle spielen. Wer (noch) ohne Familie unterwegs ist und hin und wieder Lust auf einen sportlichen Ausritt hat, wird seine Freude haben. Die direkte Lenkung und das sportlich-straff abgestimmte Fahrwerk bieten ein rasantes Fahrvergnügen, ohne Alltags-Komfort vermissen zu lassen. Unser Tipp: Das Performance-Paket-1 zuzubuchen. Mit roten Bremssätteln hinter grauen Felgen sieht der Kleine nämlich so richtig scharf aus.
-
Antrieb
85%
starker Antritt beim Start bassiger Sound
-
Fahrwerk
90%
starff, aber nicht unkomfortabel angestimmt direkte Lenkung
-
Karosserie
80%
zupackende Sportsitze wenig Kniefreiheit im Fond
-
Kosten
85%
vergleichsweise günstiger Anschaffungspreis gute Serienausstattung
Preisliste
Ford Fiesta ST
Grundpreis: 19.990 Euro
Ausstattungen Preis in Euro ABS Serie ESP Serie ASR Serie Airbag Fahrer Serie Airbag Beifahrer Serie Seitenairbags vorn Serie Kopfairbags vorn Serie Kopfairbags hinten Serie elektr. Fensterheber vorn Serie elektr. verstellbare Außenspiegel Serie Klimaanlage Serie Klimaautomatik (Serie im Leder-Sport-Paket) Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie Automatikgetriebe - Bildschirmnavigation 505 CD-Radio Serie MP3 Serie elektr. Schiebedach - Metalliclackierung 565 Leichtmetallfelgen Serie (17 Zoll) Sitzhöheneinstellung Serie Tempomat 190 Lederausstattung (Serie im Leder-Sport-Paket) Xenonlicht - Kurvenlicht - Nebelscheinwerfer Serie Anhängevorrichtung -
Leder-Sport Paket mit Sony-Audiosystem inkl. Ford SYNC und 10,6-cm-Display, Klimaautomatik, Premium-Recarositze mit Leder-Stoff-Bezug, 3. Kopfstütze hinten, Sitzheizungen vorn 1.000 Performance Paket 1 mit grau lackierten 17-Zoll-Felgen, Einstiegsleisten mit rot beleuchtetem ST-Logo, rote Bremssättel 220 Performance Paket 2 mit schlüssellosem Startsystem, dunkel getönte Fondscheiben inkl. dunkler Heckscheibe 220 Recaro-Sitze Serie Ambiente-Beleuchtung vorn Serie Schaltknauf, Lenkrad und Handbremshebel lederbezogen Serie Scheibenbremsen vorn und hinten Serie Sportfahrwerk, 15 Millimeter tiefer, inkl. geänderter Dämpferkennung, Federraten und Lenkungscharakteristik Serie
Datenblatt
Motor und Antrieb Motorart Reihen-Ottomotor Zylinder 4 Ventile 4 Hubraum in ccm 1.596 Leistung in PS 182 Leistung in kW 134 bei U/min 1.600 - 5.000 Drehmoment in Nm 240 Antrieb Frontantrieb Gänge 6 Getriebe Schaltgetriebe Fahrwerk Spurweite vorn in mm 1.492 Spurweite hinten in mm 1.481 Radaufhängung vorn Einzelradaufhängung an McPherson-Federbeinen Radaufhängung hinten Verbundlenkerachse mit progressiver Spursteuerung Bremsen vorn Scheiben, innenbelüftet Bremsen hinten Scheiben Wendekreis in m 11,2 Räder, Reifen vorn 205 / 40 R17 Räder, Reifen hinten 205 / 40 R17 Lenkung Zahnstange mit elektrischer Unterstützung Maße und Gewichte Länge in mm 3.975 Breite in mm 1.709 Höhe in mm 1.456 Radstand in mm 2.489 Leergewicht in kg 1.163 Zuladung in kg 412 Kofferraumvolumen in Liter 281 Kofferraumvolumen, variabel in Liter 979 Anhängelast, gebremst in kg - Tankinhalt in Liter 42 Kraftstoffart Super Fahrleistungen / Verbrauch Höchstgeschwindigkeit in km/h 220 Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 6,9 EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 5,9 EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 7,9 EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 4,8 CO2-Emission in g/km 138 Schadstoffklasse Euro 5
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