Kurzer Kurvenkünstler
Ford Fiesta ST im Test: Was 182 PS im Kleinwagen anrichten
Bedrohlicher Kühlerschlund
Den ersten Kontakt mit der rheinischen Rennsemmel stellen wir im belgischen Lommel her. Dort ist das europäische Testzentrum von Ford, hier werden die Autos von den Ingenieuren und Technikern erprobt. Der neue ST verrät beim ersten Hinschauen schon, dass er anders als die übrigens Fiestas ist. Sein breites Grinsen wird bei unserem Vorserien-Testwagen noch durch den Umstand verstärkt, dass kein Nummernschild montiert ist. Dadurch wirkt der schwarz vergitterte Kühlerschlund noch bedrohlicher. Zur geänderten Frontschürze gesellen sich auffällige Schwelleraufsätze, doch den eigentlichen Blickfang bildet das Hinterteil. Hier gibt es nicht nur einen fetten Diffusor, sondern auch eine markantere Schürze. Das Abgas entweicht einem Doppelrohr auf der rechten Heckseite, auf ein vierflutiges Angeber-System wurde zum Glück verzichtet. Besonders gut gefallen uns die stahlgrauen 17-Zoll-Felgen, hinter denen ringsum rote Sättel hervorschimmern. Beides kann gegen Aufpreis hinzugebucht werden.
Zupackende Recaro-Sitze
Innen empfangen uns Recaro-Sitze, die guten Seitenhalt bieten und besonders den Oberkörper zupackend umschließen. Während Fahrer und Beifahrer bequem und mit ausreichend Platz untergebracht sind, hält sich im Fond besonders die Kniefreiheit für Erwachsene in bescheidenen Grenzen. Das Sportlenkrad hat einen dicken, griffigen Kranz mit ausgeformten Griffbereichen, es ist, ebenso wie Schalthebel und Handbremsgriff, serienmäßig in Leder gehüllt. Das Interieur wirkt insgesamt sportlich gestylt, nur der schwarze Klavierlack an der Mittelkonsole könnte unserem Geschmack nach durch eine Karbonoptik ersetzt werden.
Sound wird verstärkt
Per Startknopf wird der 1,6-Liter-Turbomotor geweckt. Der Sound klingt schon im Leerlauf kernig, beim Gasgeben wird das Geräusch richtig satt und bassig. Dass die Motormusik so wohlig ans Ohr dringt, liegt an einem technischen Trick: An der Stirnwand des Motorraumes sitzt ein so genannter Sound-Symposer, der mittels Membran das Ansauggeräusch verstärkt an die Passagiere überträgt.
15 Millimeter tiefer und straffer abgestimmt
Dass die Musik beim Fiesta ST vorn spielt, offenbart sich beim Losfahren. Schon aus dem Drehzahlkeller zieht der 182-PS-Direkteinspritzer den Kurzen überaus lebhaft nach vorn. Bereits bei 1.600 Touren liegt das maximale Drehmoment von 240 Newtonmeter an, es bleibt bis immerhin 5.000 Touren konstant. Das macht nicht nur beim Spurten richtig viel Spaß, sondern erlaubt auch eine schaltfaule Fahrweise. Doch aufs Cruisen haben wir beim ersten Test überhaupt keinen Bock, denn das Ford-Testgelände bietet eine Kurvenstrecke vom Feinsten. Hier kann der Kleine richtig zeigen, was in ihm steckt.
Tiefer und straffer
Im Vergleich zum normalen Fiesta ist nicht nur die Karosserie um 15 Millimeter tiefergelegt worden, sondern auch Dämpfercharakteristik und Federraten wurden für eine bessere Fahrdynamik modifiziert. Aufgrund der Modifikationen werden zwar kurze Bodenwellen spürbar an die Passagiere geleitet, aber für den Alltag ist noch genügend Restkomfort vorhanden. Auch am Setup der elektromechanischen Servolenkung wurde in Richtung mehr Fahrdynamik gedreht. Im Ergebnis allen Feinschliffs treibt einem der kleine Ford das Lachen ins Gesicht: Mit heftigem Speed lässt sich der ST durch Serpentinen jagen und um Haarnadel-Biegungen heizen. Die Torque Vectoring Control an der Vorderachse sorgt für eine optimale Verteilung des Drehmoments zwischen den Vorderrädern und lässt das scharfe Mobil linientreu durch die Kurven kommen. Um den ST aus der Spur zu bringen, braucht es schon viel Mutwillen und einen kräftigen Gasfuß. Aber selbst im Grenzbereich ist der Kölner noch gut beherrschbar. Die direkte Lenkung verstärkt das Vergnügen ebenso wie die knackige Sechsgang-Schaltung. Wer es richtig krachen lassen will, kann das ESP in drei Stufen entschärfen und sogar komplett ausschalten.
220 km/h Spitze
Auf dem Hochgeschwindigkeits-Oval des Testgeländes beweist der ST, dass er auch schnell geradeaus fahren kann. Laut Tacho haben wir dabei den vom Werk angegebenen Wert von 220 km/h locker erreicht, auch wenn die Beschleunigung ab etwa 180 km/h recht zäh wird. Das können wir über die Leistung der Bremsen nicht behaupten: Wenn beim Tritt aufs Pedal die vier Scheiben rundum in die Zange genommen werden, kommt das Kraftpaket schnell zum Stillstand.
Ab 19.990 Euro
Der Fiesta ST ist ab 19.990 Euro zu haben. In diesem Preis sind schon Recaro-Sitze vorn, eine Klimaanlage, Nebelscheinwerfer und ein CD-Audiosystem mit 8,8-Zentimeter-Bildschirm und verschiedenen Schnittstellen dabei. Gegen 1.000 Euro Aufpreis gibt's ein Leder-Sport-Paket, bei dem die dann belederten Recaros auch beheizbar sind. Rote Bremssättel und graue Felgen gibt's im Performance-Paket-1 gegen 220 Euro zusätzlich. Dass der Anschaffungspreis vergleichsweise günstig ist, zeigt ein Blick zur Konkurrenz: Der Opel Corsa OPC mit 192 PS ist 24.265 Euro teuer und der VW Polo GTI mit 180 PS steht für 22.925 Euro in der Liste.
Wertung
Preisliste
|
Ford Fiesta ST |
|
| Grundpreis: | 19.990 Euro |
| Ausstattungen | Preis in Euro |
| ABS | Serie |
| ESP | Serie |
| ASR | Serie |
| Airbag Fahrer | Serie |
| Airbag Beifahrer | Serie |
| Seitenairbags vorn | Serie |
| Kopfairbags vorn | Serie |
| Kopfairbags hinten | Serie |
| elektr. Fensterheber vorn | Serie |
| elektr. verstellbare Außenspiegel | Serie |
| Klimaanlage | Serie |
| Klimaautomatik | (Serie im Leder-Sport-Paket) |
| Zentralverriegelung mit Fernbed. | Serie |
| Automatikgetriebe | - |
| Bildschirmnavigation | 505 |
| CD-Radio | Serie |
| MP3 | Serie |
| elektr. Schiebedach | - |
| Metalliclackierung | 565 |
| Leichtmetallfelgen | Serie (17 Zoll) |
| Sitzhöheneinstellung | Serie |
| Tempomat | 190 |
| Lederausstattung | (Serie im Leder-Sport-Paket) |
| Xenonlicht | - |
| Kurvenlicht | - |
| Nebelscheinwerfer | Serie |
| Anhängevorrichtung | - |
| Leder-Sport Paket mit Sony-Audiosystem inkl. Ford SYNC und 10,6-cm-Display, Klimaautomatik, Premium-Recarositze mit Leder-Stoff-Bezug, 3. Kopfstütze hinten, Sitzheizungen vorn | 1.000 |
| Performance Paket 1 mit grau lackierten 17-Zoll-Felgen, Einstiegsleisten mit rot beleuchtetem ST-Logo, rote Bremssättel | 220 |
| Performance Paket 2 mit schlüssellosem Startsystem, dunkel getönte Fondscheiben inkl. dunkler Heckscheibe | 220 |
| Recaro-Sitze | Serie |
| Ambiente-Beleuchtung vorn | Serie |
| Schaltknauf, Lenkrad und Handbremshebel lederbezogen | Serie |
| Scheibenbremsen vorn und hinten | Serie |
| Sportfahrwerk, 15 Millimeter tiefer, inkl. geänderter Dämpferkennung, Federraten und Lenkungscharakteristik | Serie |
Datenblatt
| Motor und Antrieb | |
| Motorart | Reihen-Ottomotor |
| Zylinder | 4 |
| Ventile | 4 |
| Hubraum in ccm | 1.596 |
| Leistung in PS | 182 |
| Leistung in kW | 134 |
| bei U/min | 1.600 - 5.000 |
| Drehmoment in Nm | 240 |
| Antrieb | Frontantrieb |
| Gänge | 6 |
| Getriebe | Schaltgetriebe |
| Fahrwerk | |
| Spurweite vorn in mm | 1.492 |
| Spurweite hinten in mm | 1.481 |
| Radaufhängung vorn | Einzelradaufhängung an McPherson-Federbeinen |
| Radaufhängung hinten | Verbundlenkerachse mit progressiver Spursteuerung |
| Bremsen vorn | Scheiben, innenbelüftet |
| Bremsen hinten | Scheiben |
| Wendekreis in m | 11,2 |
| Räder, Reifen vorn | 205 / 40 R17 |
| Räder, Reifen hinten | 205 / 40 R17 |
| Lenkung | Zahnstange mit elektrischer Unterstützung |
| Maße und Gewichte | |
| Länge in mm | 3.975 |
| Breite in mm | 1.709 |
| Höhe in mm | 1.456 |
| Radstand in mm | 2.489 |
| Leergewicht in kg | 1.163 |
| Zuladung in kg | 412 |
| Kofferraumvolumen in Liter | 281 |
| Kofferraumvolumen, variabel in Liter | 979 |
| Anhängelast, gebremst in kg | - |
| Tankinhalt in Liter | 42 |
| Kraftstoffart | Super |
| Fahrleistungen / Verbrauch | |
| Höchstgeschwindigkeit in km/h | 220 |
| Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden | 6,9 |
| EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km | 5,9 |
| EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km | 7,9 |
| EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km | 4,8 |
| CO2-Emission in g/km | 138 |
| Schadstoffklasse | Euro 5 |
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