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Stern oder nicht Stern?

Die überarbeitete Mercedes E-Klasse im Test

Strahl-Kraft

Roland Hildebrandt Roland Hildebrandt

Von: Roland Hildebrandt

7. Feb. 2013 um 10:58 Uhr

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Der Blick schweift vom Lenkrad über die Motorhaube der neuen Mercedes E-Klasse. Irgendetwas fehlt. Der Stern ist weg. Nein, nicht abgerissen, sondern mitten in den Kühlergrill gewandert. Immerhin: Einige Ausführungen behalten die legendäre Peilhilfe auf dem Blech. Das doppelte Gesicht gehört zu den vielen Änderungen, die Mercedes seinem Zugpferd verpasst hat.

Umfangreich geändert
Anders als bei manchem Mikro-Lifting wurde bei der aktuellen E-Klasse nach vier Jahren Laufzeit das ganz große Skalpell rausgeholt. Unübersehbar sind die nun unter einem Glas zusammengefassten Scheinwerfer. Einzig die Grafik des LED-Tagfahrlichts erinnert an die einstigen Doppelleuchten. Apropos LED: Auch das Abblendlicht arbeitet mit Dioden, optional sind Voll-LED-Scheinwerfer erhältlich. Weitere markante Änderungen sind betreffen den Frontstoßfänger und den Bereich der hinteren Radhäuser. Hier entfällt künftig die so genannte ,Ponton-Sicke". Recht diskret ist die Überarbeitung der Heckleuchten, sie bekommen ein rotes Deckglas.

Frage der Tradition
So raumgreifend das Außendesign modifiziert wurde, so dezent sind die Modifikationen im Innenraum. Nach wie vor schluckt das Gepäckabteil einiges weg: Schon bei der Limousine sind es 540 Liter, ins T-Modell passen gigantische 1.950 Liter. Das bislang schon gut durchdachte Cockpit ist nun etwas hochwertiger, etwa durch ein neues Lenkrad und eine Analoguhr in der Mittelkonsole. Wer automatisch schaltet, tut das jetzt per Wählhebel am Lenkrad. Schwächen in der Bedienung fallen nur dann auf, wenn man nie oder selten Mercedes fährt. Dieser Punkt betrifft die Fußfeststellbremse und den Tempomathebel links am Lenkrad. Bequeme Sitze und ein großzügiges Platzangebot runden den guten Eindruck ab.

Strahl-Kraft
Unter der Haube bietet sich für Diesel-Fans ein gewohntes Bild, die Selbstzünderpalette reicht von 136 bis 252 PS. Zwischen 184 und 408 PS stehen auf der Benziner-Seite bereit, die AMG-Modelle nicht mitgerechnet. Ganz neu ist ein aufgeladener Vierzylinder mit strahlgeführter Direkteinspritzung, vollvariabler Nockenwellenverstellung sowie einer geregelten Ölpumpe. Heraus kommen 211 PS im E 250, ein Plus von 27 Pferdestärken gegenüber dem bisherigen E 250 CGI. Durch ein geschichtetes Magerbrennverfahren verspricht Mercedes einen Verbrauch von durchschnittlich 5,8 Liter, zudem wird die Euro-6-Abgasnorm erfüllt. Etwas mehr genehmigt sich der neue Dreiliter-V6-Biturbo im E 400. Das 333 PS starke Modell ergänzt laut Preisliste den bisherigen E 350 mit 306 PS, taucht aber erstaunlicherweise noch nicht im offiziellen E-Klasse-Prospekt auf.

Benziner mit Diesel-Bums
Aber wie schrieb schon Goethe? ,Grau, teurer Freund, ist alle Theorie". Also den Wählhebel der im E 250 serienmäßigen Siebengang-Automatik auf ,D" geschoben und los. Im Stand überrascht der Vierzylinder mit einer leicht dieseligen Klangkulisse, ansonsten brummt er gut gedämmt, aber ohne akustische Highlights im Hintergrund vor sich hin. Soundmäßig also eher ,Naja", bei der Kraftentfaltung dagegen ,Aha": Nach einer Gedenksekunde liegen 350 Newtonmeter maximales Drehmoment an, die Kurve erstreckt sich von 1.200 bis 4.000 Touren. Werte, bei denen manch Selbstzünder passen muss. In 7,4 Sekunden geht es auf Tempo 100, währenddessen ist die Automatik darum bemüht, die Gänge diskret zu wechseln.

Qual der Wahl
E-Klasse-Fahrer haben ab Mitte April 2013 die Wahl zwischen vier Fahrwerken. Die Basisversion und die Elegance-Linie weisen ein so genanntes ,Direct Control"-Fahrwerk mit selektivem Dämpfungssystem auf, in der Avantgarde-Linie ist es um 15 Millimeter tiefer gelegt. Nummer drei im Bunde ist ein Sportfahrwerk mit Tieferlegung, während die V8-Modelle serienmäßig mit Luftfederung an den Start gehen. Unser Testwagen war mit dem Avantgarde-Fahrwerk bestückt. Es bietet in den meisten Fällen einen guten Komfort, grobe Querfugen werden jedoch spürbar weitergereicht. Zum Vergleich hierzu drehen wir eine weitere Runde mit der Luftfederung namens ,Airmatic". Mit ihr rollt die E-Klasse deutlich weicher ab, dennoch ist die gefühlte Verbesserung nicht so groß, dass der üppige Aufpreis von 2.023 Euro gerechtfertigt wäre.

Erste Hilfe
Dieser Betrag kann sinnvoller in Assistenzsysteme gesteckt werden, welche die geliftete E-Klasse bei Bedarf zum mitdenkenden Auto macht. Zu diesem Zweck bekommt der Mercedes neue ,Augen" in Form einer Stereokamera hinter der Windschutzscheibe. Ihre Reichweite beträgt 500 Meter, erkannt werden Fußgänger, Fahrzeuge und Verkehrszeichen. Je nach Assistenzsystem ist außerdem einiges an Radartechnik an Bord. Die wichtigsten Systeme hat Mercedes in einem Paket für 2.677 Euro zusammengeschnürt. Inklusive sind hier ein Tempomat mit Abstandsregelung und der Fähigkeit zum teilautonomen Staufolgefahren, aber auch Helferlein zur Spurhaltung und Vermeidung des toten Winkels. Ebenfalls mit an Bord ist ein Bremsassistent, der auch Querverkehr sowie Fußgänger erkennt und die Bremsung des Fahrers verstärkt. Bei der Sichtung von Fußgängern kann die E-Klasse sogar bis zu einem Tempo von 50 km/h von selbst bis zum Stand bremsen.

Sicherheit gegen Aufpreis
Unverständlich bleibt die Tatsache, warum Mercedes einige weitere Systeme enorm verteuert. So ist der Fernlicht-Assistent Plus, der andere Fahrzeuge im Fernlichtkegel ausblendet, nur für insgesamt 1.844 Euro in Verbindung mit LED-Scheinwerfern zu haben. Richtig üppig wird es bei der Verkehrszeichenerkennung: Sie gibt es nur mit dem schon per se heftig eingepreistem Comand-Navigationssystem, macht unter dem Strich fette 3.504 Euro.

Eine Frage des Geldbeutels
Überhaupt lässt sich die Ausstattung der E-Klasse stark in die Höhe treiben, intensives Studium der 76-seitigen Preisliste vorausgesetzt. Daher zunächst der Blick, was es ab Werk gibt. Die namenlose Basisversion der E 250 Limousine steht für 46.275 Euro beim Händler, das sind auf den ersten Blick einige Scheine mehr als bislang. Wenn man aber die bislang nicht serienmäßige Automatik zum alten E 250 hinzurechnet, war dieser sogar knapp 800 Euro teurer. Was ist noch im Preis inklusive? Neben dem klassischen Stern auf der Haube unter anderem ein Tempomat, ein Start-Stopp-System, 16-Zoll-Alus mit 225er-Bereifung, elektrisch einstellbare Vordersitze, eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik, die erwähnten Teil-LED-Scheinwerfer und ein CD-Radio mit 5,8-Zoll-Farbdisplay und USB-Schnittstelle. Gar nicht mal so knickrig also, doch wo liegt die deutsche Konkurrenz? Der Audi A6 kostet als 2.8 FSI mit 204 PS und stufenlosem Multitronic-Getriebe deutlich günstigere 42.900 Euro. Bei BMW klafft zwischen dem 184 PS starken 520i und dem 528i mit 245 PS eine große Lücke. Für den 520i mit Acht-Gang-Automatik verlangen die Münchner 42.400 Euro.

Wertung

Preisliste

Mercedes E 250 Limousine

Grundpreis: 46.975 Euro

Modell Preis in Euro Elegance 48.921 Avantgarde 49.260

Ausstattungen Preis in Euro ABS Serie ESP Serie ASR Serie Airbag Fahrer Serie Airbag Beifahrer Serie Seitenairbags vorn Serie Kopfairbags vorn Serie Seitenairbags hinten 452 Kopfairbags hinten Serie elektr. Fensterheber vorn Serie elektr. Fensterheber hinten Serie elektr. verstellbare Außenspiegel Serie (inklusive Heizung) Klimaautomatik Serie (Zwei-Zonen) Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie Automatikgetriebe Serie Bildschirmnavigation ab 1.035 CD-Radio Serie MP3 Serie elektr. Schiebedach 1.339 Metalliclackierung 1.035 Leichtmetallfelgen Serie (16 Zoll) Sitzhöheneinstellung Serie (elektrisch, Fahrer und Beifahrer) Tempomat Serie Lederausstattung 2.059 Xenonlicht 1.725 (LED-Scheinwerfer) Nebelscheinwerfer Serie Anhängevorrichtung 1.059

Sitzheizung vorne 407 Spurhalte-Assistent 535 Totwinkel-Assistent 535 Aktiver Park-Assistent 869 schlüsselloser Zugang 1.309

Datenblatt

Motor und Antrieb Motorart Benziner mit Turboaufladung und Direkteinspritzung  Zylinder 4  Ventile 4  Hubraum in ccm 1.991  Leistung in PS 211  Leistung in kW 155  bei U/min 1.200 - 4.000  Drehmoment in Nm 350  Antrieb Hinterradantrieb  Gänge 7  Getriebe Automatik  Fahrwerk Spurweite vorn in mm 1.598  Spurweite hinten in mm 1.614  Radaufhängung vorn Dreilenkerachse  Radaufhängung hinten Raumlenkerachse  Bremsen vorn Scheiben innenbelüftet  Bremsen hinten Scheiben innenbelüftet  Räder, Reifen vorn 225/55 R16  Räder, Reifen hinten 225/55 R16  Lenkung Zahnstangenlenkung mit elektromechanischer Servounterstützung  Maße und Gewichte Länge in mm 4.879  Breite in mm 1.854  Höhe in mm 1.474  Radstand in mm 2.874  Leergewicht in kg 1.680  Zuladung in kg 565  Kofferraumvolumen in Liter 540  Anhängelast, gebremst in kg 1.900  Tankinhalt in Liter 59  Kraftstoffart Super  Fahrleistungen / Verbrauch Höchstgeschwindigkeit in km/h 243  Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 7,4  EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 5,8  EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 7,5  EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 4,8  CO2-Emission in g/km 135  Schadstoffklasse Euro 6 

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