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Mehrzweck mit Mehrwert

Der überarbeitete Dacia Duster im Test

Ehrliche Haut

Roland Hildebrandt Roland Hildebrandt

Von: Roland Hildebrandt

11. Nov. 2013 um 12:06 Uhr

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So sehen Erfolgsgeschichten aus: Seit seinem Debüt im Jahr 2010 wurde der Dacia Duster weitweit über 800.000-mal verkauft, davon die Hälfte mit Renault-Logo. Auch in Deutschland hat er eine große Fangemeinde, nur den Sandero bringt die Marke noch häufiger an den Mann oder die Frau. Jetzt hat Dacia sein SUV umfangreich aufgemöbelt. Wir waren im Duster mit neuem 125-PS-Turbobenziner unterwegs.

Tief gestapelt
Der erste Eindruck: Die Optik wurde geschickt im Detail verfeinert. Das macht Sinn, schließlich war und ist der Duster ansehnlicher als manche SUV-Modelle der Konkurrenz. Deutlich sichtbare Veränderungen gibt es hauptsächlich an der Frontpartie, hier glänzt jetzt mehr Chrom. Hinzu kommt eine andere Grafik der Scheinwerfer inklusive Tagfahrlicht. Am Heck erkennen freilich nur Dacia-Liebhaber die Unterschiede zum bisherigen Modell.

Hart aber herzlich
Besonders auffällig ist das aufgemöbelte Cockpit. Es bleibt dort zwar bei kostengünstigem Hartplastik, aber durch genarbte Oberfläche und einige Zierleisten wirkt das Ambiente hochwertiger. Die Vordersitze bieten guten Seitenhalt, aber eine zu kurze Sitzauflage. Abzüge gibt es außerdem für das nur in der Höhe verstellbare Lenkrad. Die mit Chromrahmen versehenen Instrumente stammen samt Blinker mit Tippfunktion vom Sandero. Eine Premiere bei Dacia: Erstmals befinden sich die Schalter der elektrischen Fensterheber in der Tür.

Kaum lesbar
Doch nicht überall ist Ergonomie Trumpf: Viel zu tief sind die Regler der Klimaanlage und das Display des jetzt auch im Duster erhältlichen Navigationssystems angeordnet. Speziell bei starker Sonneneinstrahlung ist der Bildschirm kaum ablesbar, generell wandert der Blick viel zu lange weg von der Straße. Das ist umso bedauerlicher, weil das nur 180 Euro teure System eine gute Arbeit macht.

Allrad muss nicht sein
Für die Arbeit unter der Haube stehen jetzt vier Motoren zur Auswahl bereit. Altbekannt sind der 105-PS-Benziner als Einstiegsmotor sowie die Diesel mit 90 und 110 PS. So sah das Angebot bislang aus, weshalb knapp die Hälfte der Duster-Käufer zum Selbstzünder griff. Jetzt rückt eine interessante Alternative ins Programm, nämlich ein Turbobenziner mit 1,2 Liter Hubraum und 125 PS, TCe 125 genannt. Zunächst gibt es ihn nur mit Frontantrieb, erst im Spätsommer 2014 wird die Allradvariante nachgereicht. Apropos 4x4: Der Allrad-Anteil beträgt bislang etwa ein Drittel, was wohl auch am Aufpreis von knapp 2.000 Euro liegt. Dabei macht der Allrad-Rumäne mit dem von Nissan abgeleiteten System im Gelände eine ordentliche Figur. Wer nicht in den Bergen oder schneereichen Gebieten wohnt, für den reicht aber der 4x2-Duster. Er hat schließlich die gleichen Böschungswinkel von 30 (vorne) und 36 Grad (hinten) sowie eine Bodenfreiheit von 21 Zentimeter. Auf grob geschotterten Waldwegen gibt der 4x2 deshalb eine prima Figur ab. Bevor wir es vergessen: Ein ESP ist jetzt in jedem Duster inklusive.

Leiser Geselle
Viel Arbeit hat Dacia laut Aussage in die Geräuschdämmung des Duster gesteckt. Das zahlt sich aus: Ob Diesel oder Benziner, der Wagen wirkt vernehmbar leiser. Die angenehm steil stehende A-Säule sorgt jedoch ab etwa 80 km/h für deutliche Windgeräusche. Auch beim 125-PS-Turbo ist es so, sie übertönen den laufruhigen Motor. Er zieht den Duster ordentlich voran, wirkt aber bei Steigungen und niedrigen Drehzahlen etwas schlapp. Das bestätigt der Blick in die Daten: Erst bei 2.000 Umdrehungen stehen die maximalen 205 Newtonmeter bereit. Sehr viel kräftiger ist der starke Diesel auch nicht, zudem sprintet der TCe 125 in klar besseren 10,4 Sekunden auf 100 km/h und nimmt dem Selbstzünder fast zwei Sekunden ab. Darüber legt der so ausgerüstete Benzin-Duster eher gemächlich zu, schuld ist der lang übersetzte sechste Gang. Besonders am Berg ist Zurückschalten im etwas hakeligen Getriebe Pflicht. Apropos Schaltung: Ein Dauerbrenner ist bei Dacia-Kunden die Frage nach einer Automatik. In Russland gibt es den Duster mit Zweiliter-Benziner und Vierstufen-Automatik. Und bei uns? Man arbeitet daran, sagen die Verantwortlichen, aus Kostengründen würde es aber wohl auf ein automatisiertes Schaltgetriebe hinauslaufen.

Auf Achse
Kostengründe sind es auch, die dafür sorgen, dass es in keinem Dacia ein Start-Stopp-System gibt. Dafür eine Eco-Taste, mit der die Leistung etwas gedrosselt wird. Wirklich spürbar ist das nicht, auf unserer rund 180 Kilometer langen Testfahrt hatten wir sie teilweise aktiviert. Das Ergebnis: Ein Verbrauch von 6,7 Liter, nicht weit weg von den ab Werk angegebenen sechs Litern. Dafür sorgt das relativ geringe Gewicht des Duster TCe 125 von 1.288 Kilogramm. Zum Vergleich: Ein VW Tiguan mit 122-PS-Benziner und Frontantrieb wiegt 1,5 Tonnen. Er hat dafür aber die bessere Hinterachse. Die 4x2-Varianten des Duster müssen mit einer Verbundlenker-Achse auskommen, erst die Allradler haben ein Mehrlenker-Modell. Auf schlechten Straßen schlägt sich auch die Billiglösung wacker, schließlich ist jeder Dacia für Schlaglochpisten in Schwellenländern konzipiert. Störend ist schon eher, dass der Duster lautstark über grobe Unebenheiten rumpelt.

Der Preis ist heiss
Der wichtigste Punkt ist natürlich bei Dacia der Preis. Beim Duster geht es unverändert bei 10.490 Euro los, dafür bekommt man den frontgetriebenen 105-PS-Benziner in Primitivausstattung. Mindestens 14.890 Euro werden für den von uns getesteten 125-PS-Benziner in der bereits sehr ordentlichen möblierten Laureaté-Variante fällig. Nicht übermäßig viel teurer ist mit 15.690 Euro die Topversion namens Prestige. Sie bietet praktisch eine Vollausstattung: Klimaanlage, Navigationssystem, Polster aus Leder und Kunstleder, 16-Zoll-Alus sowie außen etwas Optik-Chichi, was eigentlich nicht so recht zum robusten Charakter des Duster passt. Extras gibt es kaum noch, zu empfehlen sind die Parkpiepser hinten plus Tempomat für 350 Euro, die Sitzheizung vorne für 200 Euro und Metalliclack für 470 Euro. Macht zusammen immer noch schmale 16.710 Euro. Eine Summe, bei der dem freundlichen Skoda-Händler das Lächeln im Gesicht gefriert, vom VW-Verkäufer ganz zu schweigen: Unter 24.275 Euro gibt es gar keinen Tiguan, selbst der billigste Yeti kostet 18.990 Euro und bietet nicht mal eine Klimaanlage.

Wertung

Preisliste

Dacia Duster TCe 125 4x2 Prestige

Grundpreis: 15.690 Euro

Modell Preis in Euro Lauréate 14.890

Ausstattungen Preis in Euro ABS Serie ESP Serie ASR Serie Airbag Fahrer Serie Airbag Beifahrer Serie Seitenairbags vorn Serie elektr. Fensterheber vorn Serie elektr. Fensterheber hinten Serie elektr. verstellbare Außenspiegel Serie Klimaanlage Serie Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie Bildschirmnavigation Serie MP3 Serie Metalliclackierung 470 Leichtmetallfelgen Serie (16 Zoll) Sitzhöheneinstellung Serie (Fahrer) Tempomat 350 (inkl. Einparkhilfe hinten) Lederausstattung Serie (teilweise Kunstleder) Nebelscheinwerfer Serie Anhängevorrichtung 349 (Zubehör)

Sitzheizung vorne 200 Einparkhilfe hinten 350 (inkl. Tempomat)

Datenblatt

Motor und Antrieb Motorart Benziner mit Turboaufladung und Direkteinspritzung  Zylinder 4  Ventile 4  Hubraum in ccm 1.199  Leistung in PS 125  Leistung in kW 92  bei U/min 2.000  Drehmoment in Nm 205  Antrieb Frontantrieb  Gänge 6  Getriebe Schaltgetriebe  Fahrwerk Spurweite vorn in mm 1.560  Spurweite hinten in mm 1.567  Radaufhängung vorn McPherson-Achse  Radaufhängung hinten Verbundlenkerachse mit Schraubenfedern  Bremsen vorn Scheiben  Bremsen hinten Trommeln  Wendekreis in m 10,4  Räder, Reifen vorn 215/65 R16  Räder, Reifen hinten 215/65 R16  Lenkung servounterstützte Zahnstangenlenkung  Geländekompetenz Böschungswinkel vorn in Grad 30  Böschungswinkel hinten in Grad 36  Rampenwinkel in Grad 23  Bodenfreiheit in mm 205  Maße und Gewichte Länge in mm 4.315  Breite in mm 1.822  Höhe in mm 1.625  Radstand in mm 2.673  Leergewicht in kg 1.288  Zuladung in kg 462  Kofferraumvolumen in Liter 475  Kofferraumvolumen, variabel in Liter 1.636  Anhängelast, gebremst in kg 1.200  Dachlast in kg 80  Tankinhalt in Liter 50  Kraftstoffart Super  Fahrleistungen / Verbrauch Höchstgeschwindigkeit in km/h 175  Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 10,4  EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 6,0  EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 7,5  EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 5,4  CO2-Emission in g/km 140  Schadstoffklasse Euro 5  Fixkosten Garantie 3 Jahre oder 100.000 Kilometer 

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