Ist er der kompakte Kumpel fürs Gelände?

Wenn heute ein Hersteller wie Jeep kein gescheites Kompakt-SUV im Modellprogramm hat, dann ist das in etwa so, wie wenn irgendeine x-beliebige Fast-Food-Burger-Kette keinen Cheeseburger anbieten würde ... nicht gerade gut fürs Geschäft. Deshalb hat der amerikanische Autobauer jetzt den Compass neu aufgelegt und ganz wie das Gericht aus Brötchen, Rindfleischpatty plus ein bisschen Käse soll auch dieses SUV so ziemlich jeder Nationalität auf dem Planeten schmecken. Ob der neue Compass auch dem deutschen Gaumen mundet und ob Jeep ein konkurrenzfähiges Auto auf die Beine gestellt hat? Zeit für einen Test.

Kapitel 1: Abmessungen und Design
Der neue Compass ist 4,40 Meter lang, 1,82 Meter breit und 1,66 Meter hoch. Der Radstand beträgt 2,64 Meter. Dieser ist damit um sieben Zentimeter länger als der des Jeep Renegade, mit dem sich der Compass die Plattform teilt. Der Kofferraum fasst 368 (dann ist das vollwertige Ersatzrad an Bord) bis 1.251 Liter (wenn die im Verhältnis 60:40 umlegbare Rückbank umgeklappt ist) Gepäck. Diese Werte sind ausreichend, aber unterer Durchschnitt im Segment. Dafür kann der Compass optisch überzeugen. Das Design wirkt deutlich mehrheitsfähiger als das des Cherokee und nicht ganz so kantig wie das eines Renegade. Er sieht einfach aus wie ein geschrumpfter Grand Cherokee … was keine schlechte Eigenschaft ist. Dazu kommen in unserem Fall die typischen Trailhawk-Elemente wie zahlreiche Logos, andere Schürzen, Abschlepphaken, Unterfahrschütze, mehr Bodenfreiheit und 17-Zoll-Alufelgen mit Offroad-fähiger M+S-Bereifung.

Kapitel 2: Der Antrieb
Auch wenn es den Compass im allgemeinen mit verschiedenen Diesel- und Benzinmotoren von 120 bis 170 PS gibt und Sie die Wahl zwischen einem manuellen Sechsgang-Getriebe, einer Neungang-Automatik, Front- oder Allradantrieb haben, so ist der von uns gefahrene Trailhawk doch nur mit dem 2,0-Liter-Vierzylinder-Diesel mit 170 PS sowie der automatischen Wandler-Gangbox und Allrad erhältlich. Diese Motor-Getriebe-Antrieb-Kombination durften wir zuletzt in einem Renegade ausführen und waren damals nicht sehr begeistert. Warum? Der Selbstzünder fiel durch starke Vibrationen im Stand auf … und nicht gerade durch eine kultivierte Geräuschentwicklung. Im Compass ist das Aggregat aber gut gedämmt und im Stand schüttelt sich der Wagen auch nicht. Außerdem kommunizieren das Getriebe, der Motor und der variable Allrad endlich richtig miteinander. Die 380 Newtonmeter wirken zwar immer noch nicht sportlich, wirklich zäh geht es bei einem Kickdown aber auch nicht mehr zu. 0-100 km/h? 10,1 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit? 196 km/h.

Kapitel 3: Das Fahrverhalten
Dass der Trailhawk-Compass mit seinem Leergewicht von etwas über 1,7 Tonnen kein Kurvendynamiker ist, liegt nicht nur am Gewicht, sondern darüber hinaus an der amerikanischen Abstimmung von Fahrwerk und Lenkung. Angst vor einem wankenden und schwammigen Fahrverhalten oder einer allzu undefinierten Steuerung müssen Sie aber nicht haben. Die deutsche Konkurrenz geht bei diesen Eigenschaften zwar etwas bestimmter ans Werk, wenn wir aber die Segment-Gegner aus Frankreich betrachten, liegt der Jeep in Sachen Präzision irgendwo im Mittelfeld. Der Abrollkomfort passt … trotz der etwas grobschlächtigeren M+S-Bereifung. Bevor wir die asphaltierten Wege in Richtung Gelände verlassen, fällt uns außerdem auf, dass sich die Windgeräusche stets im Hintergrund gehalten haben.

Kapitel 4: Die Offroad-Fähigkeiten
Weil der Trailhawk aber nicht nur auf dem Weg zum Supermarkt oder zum Fußballtraining der Kids einen guten Eindruck machen soll, sondern auch auf unbefestigten Wegen zum … sagen wir … sehr abgelegenen Waldkindergarten, verspricht Jeep die besten Allrad-Fähigkeiten im Segment. Neben den bereits erwähnten Hardware-Komponenten, die für einen robusten Unterbau und die passenden Offroad-Werte sorgen, sind außerdem eine Bergabfahrhilfe sowie die Fahrprogramme Auto, Snow, Sand, Mud und der Trailhawk-spezifische Rock-Modus mit an Bord. So ausgestattet trauen wir dem Compass einiges zu. Auf der von Jeep gewählten Testroute durchs Unterholz bekommen wir auch einen ersten Eindruck von der Potenz des Kompakt-SUVs, doch wenn wir ehrlich sind, wären wir den Großteil der steinigen Feldwege auch mit einem normalen Golf gefahren. Trotzdem verlangt der Compass wenig Aufmerksamkeit was eine aufsetzende Ölwanne oder Fahrwerksteile betrifft. In den wenigen dann etwas anspruchsvolleren Passagen zeigen Allrad und Assistenten, wie sie mühelos die Motorkraft zwischen den Achsen jonglieren und uns so stets das Gefühl von Sicherheit vermitteln.

Kapitel 5: Assistenten, Technik und Innenraum
Wenn es um das Thema Technik geht, dann spricht Jeep davon, dass über 70 Technologien im neuen Compass stecken. Klingt nach einer Menge Holz, aber neben den Assistenten (Frontkollisionswarner, Parkassistent, Querverkehrwarner, adaptiver Tempomat, Spurverlassenwarner, Toter-Winkel-Warner) fasst der Hersteller auch relativ banale Funktionen unter dem Dachbegriff ,Technologien" zusammen. Ein Beispiel? Das Piepsen, wenn Sie Ihren Gurt nicht angelegt haben, zählt auch dazu. Das bekannte Uconnect-Multimediasystem kommt in seiner vierten Generation zum Einsatz. Die Bildschirmgröße in der Mittelkonsole variiert von fünf bis 8,4 Zoll. Nettes Detail: Die Offroad-Funktionen ,Jeep-Skills" des Infotainment-Systems in unserer Trailhawk-Edition. Hier haben Sie alle Gelände-Parameter des Wagens im Überblick. Übrigens: Die Sitze sind gut, der Platz auf der Rückbank ist okay und bei der Verarbeitung sowie der Materialwahl lässt der Compass nicht allzusehr den Amerikaner raushängen.

Kapitel 6: Preis und Ausstattung
Unser Trailhawk ist bereits in der Serie ziemlich gut ausgestattet. Mit an Bord sind eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik, eine Lenkradheizung, der eine oder andere Assistent, ein Infotainment-System mit 7-Zoll-Touchscreen und Apple CarPlay oder Android Auto sowie Sitzheizung vorne. Allerdings wollen für die Topversion mindestens 38.500 Euro investiert werden, und wenn jetzt noch ein Panorama-Schiebedach, eine Metallic-Lackierung, ein Navigationssystem oder eine Rückfahrkamera dazu gebucht werden, dürfte ein Hütte-voll-Compass bei etwa 45.000 Euro liegen. Viel Geld, im Segmentvergleich aber voll im Rahmen. Der Einstiegspreis in die Compass-Welt liegt übrigens bei 24.900 Euro. Dafür bekommen Sie den Wagen mit 140-PS-Turbobenziner, Sechsgang-Schaltung und Frontantrieb in der Ausstattungslinie Sport. Marktstart ist am 7. Juli 2017.

Wertung

  • ★★★★★★★★☆☆
  • Jeep hat nun ein konkurrenzfähiges Kompakt-SUV im Portfolio, das auf der Straße optisch wie fahrdynamisch eine gute Figur macht. Aber auch im Gelände schlägt sich die besonders Offroad-taugliche Trailhawk-Version gut. Sie bekommen eine Menge Auto fürs Geld und billig anmutendes Interieur oder eine schlechte Verarbeitung wie noch beim Vorgänger gehören nun weitestgehend der Vergangenheit an.

    + ausgewogene Motor-Getriebe-Kombination, europäische Fahrdynmamik, niedriger Geräuschpegel im Innenraum, hohe Offroad-Potenz, ansprechende Optik

    - kleiner Kofferraum

  • Antrieb
    85%
  • Fahrwerk
    85%
  • Karosserie
    80%
  • Kosten
    90%

Preisliste


Jeep Compass 2.0l MultiJet (125 kW) Trailhawk

Grundpreis: 38.500 Euro
Ausstattungen Preis in Euro
ABS Serie
ESP Serie
ASR Serie
Airbag Fahrer Serie
Airbag Beifahrer Serie
Seitenairbags vorn Serie
Kopfairbags vorn Serie
Seitenairbags hinten Serie
elektr. Fensterheber vorn Serie
elektr. Fensterheber hinten Serie
elektr. verstellbare Außenspiegel Serie
Klimaautomatik Serie (Zwei-Zonen)
Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie
Automatikgetriebe Serie
Bildschirmnavigation 1.690
elektr. Schiebedach 1.290
Metalliclackierung 690
Leichtmetallfelgen Serie (17 Zoll mit Offroad-Bereifung)
Sitzhöheneinstellung Serie
Tempomat Serie (adaptiv)
Lederausstattung 1.490
Xenonlicht 890
Anhängevorrichtung 700
Apple CarPlay / Android Auto Serie
Offroad-Stoßfänger mit größeren Böschungswinkeln Serie
Lenkradheizung Serie
LED-Tagfahrlicht Serie
Kombi-Intrument mit 7-Zoll-TFT-Display Serie
Unterfahrschutz Serie
Park-Paket 890

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart quer eingebauter Diesel-Reihenmotor, Turboaufladung 
Zylinder
Ventile
Hubraum in ccm 1.956 
Leistung in PS 170 
Leistung in kW 125 
bei U/min 1.750 
Drehmoment in Nm 380 
Antrieb Allrad 
Gänge
Getriebe Automatik 
Kraftverteilung variabel 
Fahrwerk
Spurweite vorn in mm 1.550 
Spurweite hinten in mm 1.545 
Radaufhängung vorn Einzelradaufhängung, McPherson-Federbein 
Radaufhängung hinten Einzelradaufhängung, McPherson-Federbein 
Bremsen vorn Scheiben innenbelüftet (305 Millimeter) 
Bremsen hinten Scheiben (278 Millimeter) 
Wendekreis in m 10,8 
Räder, Reifen vorn 225/60 R17 
Räder, Reifen hinten 225/60 R17 
Lenkung elektrische Zahnstangenlenkung 
Geländekompetenz
Böschungswinkel vorn in Grad 29,1 
Böschungswinkel hinten in Grad 33,1 
Rampenwinkel in Grad 23,7 
Wattiefe in mm 483 
Bodenfreiheit in mm 229 
Maße und Gewichte
Länge in mm 4.398 
Breite in mm 1.819 
Höhe in mm 1.660 
Radstand in mm 2.636 
Leergewicht in kg 1.706 
Zuladung in kg k.A. 
Kofferraumvolumen in Liter 438 (388 mit Notrad, 368 mit Ersatzrad) 
Kofferraumvolumen, variabel in Liter 1.251 
Anhängelast, gebremst in kg 1.500 
Tankinhalt in Liter 60 
Kraftstoffart Diesel 
Fahrleistungen / Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit in km/h 196 
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 10,1 
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 5,7 
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 6,7 
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 5,1 
CO2-Emission in g/km 150 
Schadstoffklasse Euro 6 
Fixkosten
Service-Intervalle 40.000 km 


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