Zum Hauptinhalt springen

Dieser traumhafte Maserati Ghibli SS von 1970 gehört der Familie Maserati

Zum 60-jährigen Jubiläum der Baureihe wird der Sportwagen nun öffentlich gezeigt

Maserati Ghibli SS Coupé (1970)
Bild von: Maserati
Roland Hildebrandt Roland Hildebrandt

Anlässlich des 60-jährigen Jubiläums der Modellreihe Ghibli rückt Maserati ein historisches Exemplar in den Mittelpunkt der Feierlichkeiten: Ein Maserati Ghibli SS Coupé aus dem Jahr 1970 mit der Fahrgestellnummer AM115/491948, das sich im Besitz der Familie Maserati befand und nun vom Werks-Zertifizierungsprogramm Maserati Classiche ausgezeichnet wurde.

Das am 25. November 1970 für den italienischen Markt produzierte Fahrzeug verkörpert als 2+2-Sitzer die Evolution des von Giorgetto Giugiaro für die Carrozzeria Ghia gezeichneten Entwurfs. Ursprünglich im goldenen Farbton "Oro Longchamps" ausgeliefert, präsentiert sich das Fahrzeug heute in "Giallo Fly", einem Gelb, kombiniert mit der originalen schwarzen Lederausstattung.

Bildergalerie: Maserati Ghibli SS Coupé (1970)

Unter der langgestreckten Motorhaube des Ghibli SS arbeitet der weiterentwickelte V8-Motor mit 4,9 Litern Hubraum und 335 PS. Die Gemischaufbereitung erfolgt über Vergaser, während die Kraftübertragung über ein Fünfgang-Schaltgetriebe von ZF auf die Hinterräder geleitet wird. Damit erreicht der Ghibli SS eine Höchstgeschwindigkeit von 280 km/h. Eine Besonderheit der Konstruktion ist die Trockensumpfschmierung des Rennsport-abgeleiteten V8-Triebwerks, die einen besonders tiefen Einbau des Motors und somit die flache Silhouette der Frontpartie ermöglichte.

Der Ursprung der Baureihe geht auf die Premiere des ersten Ghibli Coupés am 3. November 1966 auf dem Turiner Autosalon zurück. Giugiaro schuf damals ein Design mit langer Frontpartie, Klappscheinwerfern und einer fließenden Fastback-Hecklinie, das zum Maßstab für italienische Gran-Turismo-Fahrzeuge avancierte. Der Name der Modellreihe verweist auf den heißen Wüstenwind Nordafrikas und führte die Maserati-Tradition fort, Modelle nach Winden zu benennen.

So teuer wie zwei S-Klassen

Nach dem Marktstart des Serien-Coupés im Jahr 1967 ergänzte 1969 die Spyder-Variante das Modellangebot, bevor 1970 die leistungsstärkeren SS-Ausführungen beider Karosserievarianten folgten. Das Design fand international Beachtung; unter anderem erwarb Henry Ford II ein Exemplar zur Ausstellung im Ford-Entwicklungszentrum in Detroit.

Maserati Ghibli SS Coupé (1970)

Maserati Ghibli SS Coupé (1970)

Bild von: Maserati

Der Maserati Ghibli positionierte sich in seiner Preisstruktur im oberen Segment des damaligen Wettbewerbsfelds. Auf dem deutschen Markt kostete das Modell im Jahr 1969 rund 73.000 DM und übertraf damit seinerzeit den Neupreis von Zwölfzylinder-Konkurrenten wie dem Lamborghini Miura um gut 3.000 Mark. Für einen Ghibli SS gab es es bei Mercedes auch locker zwei 450 SE.

Trotz dieser ambitionierten Preisgestaltung verzeichnete die Baureihe über einen Produktionszeitraum von acht Jahren solide Stückzahlen. Insgesamt liefen 1.250 Einheiten des Sportwagens vom Band. Dabei entfiel der überwiegende Teil der Produktion auf das Coupé, während der offene Spyder mit 125 Exemplaren deutlich seltener blieb. Zum prominenten Kundenkreis des Ghibli zählten im Laufe der Jahre namhafte Persönlichkeiten aus Film, Musik und Wirtschaft wie Jean-Paul Belmondo, Sammy Davis Junior und Peter Sellers.

Cristiano Bolzoni, Leiter von Maserati Classiche, betont bei der Übergabe des Zertifikats den Stellenwert des Fahrzeugs für die Historie der Marke in Modena. Die Überprüfung der Originalität durch Maserati Classiche dient dem Erhalt des technischen Erbes und der Dokumentation der Fahrzeuggeschichte.

Die Jubiläumsaktivitäten verbinden zudem weitere historische Meilensteine des Herstellers: Parallel zum 60. Jahrestag des Ghibli-Debüts wird das 50-jährige Jubiläum der 1976 präsentierten Oberklasse-Limousine Quattroporte III gewürdigt. Ergänzend erinnert das Sondermodell Ghibli II "Primatist" von 1997 an den im November 1996 von Guido Cappellini aufgestellten Motorboot-Weltrekord mit Maserati-Antrieb.