Lamborghini Silhouette: Der seltene offene V8 wird 50 Jahre alt
8 hinter den Sitzen, Dach zum Herausnehmen und nur gut 50 Exemplare machen den Silhouette zu einem besonderen Lamborghini
Lange bevor Gallardo und Huracán als Spyder auf den Markt kommen, baut Lamborghini einen offenen V8-Sportwagen, den heute deutlich weniger Menschen kennen. Der Silhouette feiert 1976 auf dem Genfer Autosalon Premiere. Zum 50. Geburtstag erinnert der Hersteller an sein erstes offenes Serienmodell, von dem nur etwas mehr als 50 Exemplare entstehen.
Ein Cabriolet im klassischen Sinne ist der von Bertone gestaltete Zweisitzer allerdings nicht. Sein festes Dachteil lässt sich herausnehmen, während hinter den Insassen ein Überrollbügel stehen bleibt. Der Silhouette ist also ein Targa. Das bedeutet auch, dass seine Besitzer das Dach bei schönem Wetter an Bord behalten können.
Bildergalerie: Lamborghini Silhouette (1976-1979)
Das Dach fährt hinter den Sitzen mit
Die starre Dachplatte aus Kunststoff passt in ein eigenes Fach hinter den Sitzen, wo Befestigungen sie während der Fahrt sichern. Wer offen losfährt, muss sich deshalb bei einem Wetterwechsel keine Gedanken machen, ob das Hardtop noch zu Hause liegt. Die Targa-Lösung berücksichtigt zugleich die Sicherheitsanforderungen des nordamerikanischen Marktes, auf den Lamborghini mit dem Modell von Anfang an zielt.
Offene Lamborghini gibt es bereits vor dem Silhouette. Der 350 GTS und der Miura Roadster zeigen andere Karosserieformen, entstehen jedoch außerhalb des Herstellers und führen nicht zur Serienfertigung. Erst der Silhouette macht das Fahren ohne geschlossenes Dach zu einem regulären Angebot aus Sant’Agata Bolognese.
Ein Urraco mit eigenem Charakter
Die technische Grundlage liefert der Urraco P300, dessen quer eingebauten V8-Mittelmotor der Silhouette übernimmt. Intern heißt das Projekt Tipo 118, zunächst trägt es außerdem den Namen Urraco Silhouette. Der zweite Teil spielt auf die Silhouetten-Rennwagen der Gruppe 5 an, die trotz tiefgreifender technischer Umbauten noch die Umrisse ihrer Serienvorbilder erkennen lassen.
Bertone beschränkt sich beim Straßenauto jedoch keineswegs darauf, dem Urraco das Dach abzunehmen. Verbreiterte Radkästen schaffen Platz für breitere Reifen, ein Frontspoiler aus der Windkanalentwicklung soll die Stabilität bei hohem Tempo verbessern. Die bekannten Lamellen über dem Motor des Urraco entfallen. Stattdessen erhält der Silhouette eine senkrechte Heckscheibe zwischen schrägen Säulen.
Auch innen ändert sich einiges. Lamborghini gestaltet das Armaturenbrett neu, ordnet die Instrumente anders an und verwendet neue Sitze und Polster. Bei der Entwicklung untersuchen die Verantwortlichen außerdem die Luftströmung, um die Verwirbelungen im offenen Innenraum zu verringern.
Drei Liter Hubraum und vier Doppelvergaser
Hinter den beiden Sitzen arbeitet ein 3,0-Liter-V8 mit zwei obenliegenden Nockenwellen pro Zylinderbank, kettengetriebener Ventilsteuerung und vier Weber-Doppelvergasern. Die Kraft gelangt über ein manuelles Fünfganggetriebe an die Hinterräder. Als Höchstgeschwindigkeit nennt Lamborghini 260 km/h.
Damit der offene Aufbau ausreichend steif bleibt, verstärkt der Hersteller die Karosserie. Hinzu kommen eine überarbeitete Fahrwerksabstimmung mit härteren Federn und Dämpfern sowie Stabilisatoren. Der Umbau zum Targa erfordert damit auch unter dem Blech mehr Aufwand, als die enge Verwandtschaft zum Urraco zunächst vermuten lässt.
Breite Reifen auf kleinen Magnesiumrädern
Zu den auffälligsten Details gehören die 15-Zoll-Magnesiumräder von Campagnolo. Ihr Design mit kreisförmigen Öffnungen erinnert an eine Telefonwählscheibe. Es stammt vom Lamborghini Bravo, einer Studie, die 1974 Premiere feiert, aber nie in Serie geht. Auf dem Silhouette finden die Räder ihren Weg in die Produktion.
Darauf sitzen Pirelli-P7-Niederquerschnittsreifen, vorn im Format 195/50 VR 15 und hinten in 285/40 VR 15. Die deutlich breiteren Hinterreifen erklären, weshalb die ausgestellten Radkästen mehr sind als eine gestalterische Entscheidung.
Kleine Stückzahl, Fortsetzung im Jalpa
Zwischen 1976 und 1979 fertigt Lamborghini nur etwas mehr als 50 Silhouette. Damit zählt der Targa zu den seltensten Serienmodellen der Marke. Sein Grundkonzept bleibt dennoch erhalten. Der Jalpa, der 1981 debütiert, übernimmt die Architektur mit zwei Sitzen, V8-Mittelmotor und herausnehmbarem Dach und läuft bis 1988 vom Band.
Später setzen Diablo Roadster und Murciélago Roadster das offene Fahren bei den größeren V12-Modellen fort. In der kompakteren Baureihe folgen schließlich Gallardo Spyder und Huracán Spyder, nun mit V10-Motoren und einer anderen Dachkonstruktion.
Quelle: Lamborghini
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