Maserati 8CTF "Boyle Special" (1939): Eine filmreife Geschichte
Zweimal in Folge konnte der Bolide die 500 Meilen von Indianapolis gewinnen – jetzt wird ihm ein filmisches Denkmal gesetzt
Dieses Modell zählt zu den wichtigsten Maserati-Modellen in der Geschichte des Dreizacks. Jetzt steht es auch im Mittelpunkt eines neuen Films mit Al Pacino. Die Rede ist vom 8CTF "Boyle Special". Der Rennwagen rückt durch den Film "Maserati: The Brothers" erneut ins Rampenlicht rückt, der am 15. Oktober 2026 zunächst limitiert in Italien startet.
Das Biopic über die Maserati-Familie ist gespickt mit von alteingesessenen Schauspielern: darunter Al Pacino, Anthony Hopkins, Andy Garcia und Jessica Alba. Im Film stellt das 500-Meilen-Rennen von Indianapolis einen der zentralen Momente dar. In einem der bekanntesten Rennen der Welt sorgt ein in Bologna entstandener Rennwagen unter dem Namen Maserati für Aufsehen inmitten der versammelten amerikanischen Motorsport-Elite.
Wie der Maserati 8CTF entstand
Die Geschichte des Maserati 8CTF nimmt 1937 Gestalt an, als die Familie Maserati ihre Unternehmensanteile an die Orsi-Gruppe verkauft. Die neue Situation ermöglicht es den Maserati-Brüdern, sich stärker auf die Entwicklung von Rennwagen zu konzentrieren.
Maserati 8CTF “Boyle Special”
Entworfen wird der neue Einsitzer von Ernesto Maserati. Er entwickelt ein Fahrzeug, das auf die neuen internationalen Reglements zugeschnitten ist. Ab 1938 dürfen Grand-Prix-Wagen mit Kompressoraufladung nämlich maximal 3,0 Liter Hubraum haben.
Die Antwort von Maserati ist ein Reihenachtzylinder mit 2.991,4 ccm Hubraum. Der wird von zwei Roots-Kompressoren aufgeladen und über zwei Vergaser versorgt. Die Ventilsteuerung erfolgt über zwei obenliegende Nockenwellen und zwei Ventile pro Zylinder. Die Anfangsleistung liegt bei rund 350 PS (257 kW) und steigt später auf etwa 365 PS (268 kW).
Das Chassis folgt der für Einsitzer jener Zeit typischen Architektur mit zwei Stahl-Längsträgern, die durch Querträger verbunden sind. Die Karosserie besteht aus Aluminium. Das Gewicht beträgt lediglich 780 Kilogramm, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei rund 290 km/h. Die Bezeichnung 8CTF verweist direkt auf die besondere Motorkonfiguration: acht Zylinder und "Testa Fissa", also ein fester Zylinderkopf.
Von Europa nach Amerika
Der 8CTF zeigt sofort, dass er über erhebliches Potenzial verfügt. 1938 startet er bei mehreren europäischen Wettbewerben und erzielt Ergebnisse, die auch jenseits des Atlantiks Aufmerksamkeit erregen.
Maserati 8CTF “Boyle Special”, Heck-Dreiviertelansicht
In Indianapolis nimmt die Geschichte jedoch eine neue Wendung. Der Wagen wird von den Boyle Racing Headquarters gekauft, einem US-Rennstall im Besitz von Michael Joseph "Mike" Boyle. Der ist leidenschaftlicher Motorsport-Fan und entschlossen, das wichtigste Rennen Amerikas zu gewinnen.
Das für die USA bestimmte Exemplar wird speziell für das 500-Meilen-Rennen vorbereitet. Es erhält größere Räder, Firestone-Reifen und die charakteristische dunkelrote Lackierung des Teams. Gemeldet wird der Wagen unter dem Namen "Boyle Special".
Am Steuer sitzt Wilbur Shaw, ein Fahrer aus Indiana, der in Indianapolis bereits für Aufsehen gesorgt hatte. Die Kombination aus italienischem Boliden, US-amerikanischer Führsorge und der Erfahrung des Piloten erweist sich als außerordentlich wirkungsvoll.
Der Sieg von 1939
Am 30. Mai 1939 startet der Maserati 8CTF von der dritten Position, nachdem Shaw im Qualifying 208 km/h im Schnitt erreicht hat. Das Rennen erweist sich als harter Kampf. Shaw kämpft sich an die Spitze, kann das hohe Tempo über 51 Runden lang halten und dem Druck der Konkurrenz bis ins Ziel widerstehen.
Nach rund vier Stunden und zwanzig Minuten Renndauer überquert der Maserati als Erster die Ziellinie. Die Durchschnittsgeschwindigkeit in dieser Zeit beträgt mehr als 185 km/h. Wer würde das heute über vier Stunden in diesem Wagen fahren wollen?

Die Bedeutung dieses Erfolgs ist enorm. Erstmals seit 1919 gewinnt wieder ein europäisches Auto in Indianapolis. Vor allem aber triumphiert ein Maserati bei einem der prestigeträchtigsten Rennen des weltweiten Motorsports.
Und der Sieg bleibt kein Einzelfall. 1940 kehrt Wilbur Shaw am Steuer des 8CTF nach Indianapolis zurück und setzt sich erneut durch. Damit beweist Maserati nicht nur ihre Grundschnelligkeit, sondern auch eine außergewöhnliche Zuverlässigkeit über diese lange Distanz. Der zweite Sieg in Folge macht den 8CTF endgültig zur Legende des Ovals von Indiana.
Eines der drei gebauten Exemplare, die Fahrgestellnummer 3032, ist genau jener Wagen, der mit den Siegen von Wilbur Shaw in den Jahren 1939 und 1940 verbunden ist. Heute trägt er die feierliche Boyle-Special-Konfiguration und ist im Indianapolis Motor Speedway Museum ausgestellt.
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