Opel Astra Diesel (2026) im Test: Wo ist der Tank?
Der Rüsselsheimer glänzt im Test mit enormer Reichweite und Top-Sitzen. Aber für wen lohnt sich der Selbstzünder heute noch?
In 1.485 Kilometern können Sie beispielsweise die Strecken Köln-Madrid, München-London oder Paris-Budapest absolvieren. Mit dem Opel Astra Diesel und unserem Testverbrauch wäre das sogar komplett ohne Anhalten möglich. Vorausgesetzt, Sie haben eine mutierte Monsterblase und das Konzentrationsvermögen eines Schach-Großmeisters.
Frei interpretiert nach der einstigen Audi-Werbung, "Wo ist der Tank?", sind Reichweiten und Verbräuche bei Diesel-Aggregaten noch immer faszinierend. Leider nagt der Zahn der Zeit massiv an ihnen, weshalb der Kreis eines sinnvollen Gebrauchs für die Dinger immer kleiner wird. Gelinde gesagt müssten Sie inzwischen fast auf der Autobahn wohnen, um die Anschaffung zu rechtfertigen. Wenn dann aber noch ein Kompakter ins Auge gefasst werden soll, wird der überarbeitete Opel Astra schnell zu Ihrem Freund.
Bildergalerie: Opel Astra Diesel (2026) im Test
Die endlose Strecke möglich macht beim Rüsselsheimer ein 1,5-Liter-Turbodiesel mit 96 kW (130 PS) und 300 Nm Drehmoment. Eine Achtstufen-Automatik bringt die Kraft auf die Straße. Wer will, kann in 10,6 Sekunden von Null auf 100 km/h spurten, Schluss ist erst bei 209 km/h.
Opel gibt einen kombinierten Verbrauch von 4,8 Liter auf 100 Kilometer an. Auf der Autobahn soll es bei der Gangart "sehr schnell" eher in Richtung 5,2 Liter gehen. Aber ich verspreche Ihnen, wenn Sie ein wenig Zeit, vorausschauende Augenpaare und gleichmäßige Contenance mitbringen, geht da mehr ... viel, viel mehr!
| Schnelle Daten | Opel Astra (2026) Diesel |
| Antrieb | - 1.498 ccm Vierzylinder-Diesel - Frontantrieb |
| Getriebe | 8-Stufenautomatik |
| Systemleistung / Drehmoment | 96 kW (130 PS) / 300 Nm |
| 0 - 100 km/h | 10,6 Sekunden |
| Höchstgeschwindigkeit | 209 km/h |
| Verbrauch (WLTP) / CO2-Emission | 4,8 l/100 km / 127 g/km |
| Basispreis | 33.490 Euro |
Karosserie/Design | Innenraum | Antrieb/Fahreindrücke | Verbrauch/Preis | Fazit
Karosserie/Design
"Eine etwas zu aufdringliche Spielerei" hatte ich im Frühjahr den neuen beleuchteten Opel-Kompass genannt. Und ich muss das ein wenig korrigieren: Über zwei Wochen gewöhnt sich das Auge nicht nur an den frischen Anblick, gerade am Tag wirkt es tatsächlich eher wie eine unaufdringliche und vor allem gleichmäßige Zeichnung im Stile eines alten Chromgrills. Im Dunkeln ist mir das aber nach wie vor zu viel.
Ansonsten ist der Opel Astra seit 2022 vor allem eines: Eine Konstante, die ich mit ihren charakteristischen Ecken und Kanten auf 4,37 Metern gerne zwischen dem hundertsten gleich aussehenden und aerodynamisch glatt gebügelten SUV auf der Straße sehe. Der Rüsselsheimer hat immer noch Charakter – ob mit oder ohne beleuchtetem Grill. Oder wie es meine Nachbarn formulieren würden: "Samma, watt kost dat Schnuckel eigentlich?"
Innenraum
Zum Diesel-Aggregat passen die AGR-zertifizierten Sitze übrigens perfekt. Mit der Steißentlastung für mich die besten im Segment und am Ende ganz sicher nicht daran schuld, dass die 1.485 Kilometer nicht am Stück abgerissen werden konnten. Sitzfläche, Seitenhalt, Ergonomie und Einstellungsvielfalt sorgen für eine komfortable Fahrt.
Auf der Rückbank halten auch mittelgroße Erwachsene mal ne längere Tour aus. Die Lehne hätte mit dem Facelift allerdings mittels 40:20:40-Teilung mehr Flexibilität vertragen können. Die weiterhin vorhandene 60:40-Teilung wirkt da etwas altbacken. 422 bis 1.339 Liter Kofferraumvolumen sind dennoch absolut in Ordnung.
Die Winkel zum Lenkrad lassen sich auf viele Körpergrößen effektiv anpassen. Für den schnellen Zugang sorgen etliche Knöpfe und Taster in Fahrerausrichtung. Weil der Opel Astra als Facelift zudem auf die Klavierlackoptik verzichtet, ärgert man sich nachher auch nicht über sichtbare Fingerabdrücke auf Oberflächen. Das Infotainment arbeitet solide, wirkt wenig überladen und bietet einige zusätzliche Schnellzugänge, um beispielsweise Tempowarner und Spurhalteassistent abzuschalten.
Insgesamt wirkt der Innenraum mit stimmig zusammengestellten Materialien gut verarbeitet, auch wenn das Design mit der Hochglanzluftdüse links weiterhin fragwürdig asymmetrisch erscheint. Hartplastik bestimmt zudem das gröbste Bild. Muss man gerade in diesen dunklen Grautönen schon mögen, da es nur wenig helle Auflockerung gibt. Die Sicht beim Rangieren ist nach hinten zudem eingeschränkt, weshalb wir die Rückfahrkamera statt nackter Piepser empfehlen würden.
| Abmessungen | Opel Astra (2026) Diesel |
| Länge x Breite x Höhe | 4.374 x 1.859 x 1.460 mm |
| Radstand | 2.675 mm |
| Kofferraumvolumen | 422 - 1.339 Liter |
| Leergewicht | 1.438 kg |
| Zuladung | 502 kg |
| Max. Anhängelast | 1.550 kg |
| Max. Stützlast | 70 kg |
| Max Dachlast | 75 kg |
Antrieb/Fahreindrücke
Etwas zu rustikal ist der Diesel dann aber doch geraten. Der Astra tackert hörbar und vibrationsstark – nicht nur im Leerlauf, sondern auch beim langsamen Anfahren. Stehenbleiben oder langsames Kriechen ist also nicht so des Rüsselsheimer Ding. Kommt er einmal auf Reisegeschwindigkeit, ist jedoch Ruhe im Karton. Denn auch die zurückhaltenden Windgeräusche sind ein Plus auf langen Strecken.
Im unteren Anzug machen sich die 300 Nm angenehm und durchzugsstark bemerkbar. Obenrum verliert der Diesel dann klassischerweise etwas an Puste. Die Achtstufenautomatik begleitet Beschleunigung und Hochschalten beim Cruisen jedoch je nach Fahrmodi emsig oder ruhig.
Die Lenkung agiert angenehm direkt, das Fahrwerk bleibt weiterhin auf einer strafferen Seite. Die 17-Zöller bringen mit mehr Gummi auf der Felge hingegen Komfort und gute Abrollfähigkeiten zurück. Höher würde ich hier gar nicht gehen. Wer es eher noch nen Tacken komfortabler mag, bleibt bei den 16-Zöllern. Wer sportlicher will, darf gerne zur 18er-Bereifung greifen. Denn sportlich Kurven nehmen kann der Astra auch. Dann rattert jedoch "etwas mehr Diesel" durch die Leitungen in die Zylinder.
Verbrauch/Preis
Ich habe mich mit dem Opel Astra durch den dichten Verkehr rund um die A40 und A3 Richtung Utrecht, Niederlande gewuselt, und ja ... die eingeschränkte Durchschnittsgeschwindigkeit und das gleichmäßige Rollen taten dem Rüsselsheimer mal so richtig gut. Auf etwa 400 Kilometern hin und zurück verbrauchte der Kompakte überschaubare 3,4 Liter. Danach hatte sich die Tankanzeige gerade um ein Viertel bewegt.
Der kombinierte Schnitt von 5,5 Liter zeigt aber auch: Der Diesel lohnt wirklich nur noch auf der Langstrecke. Kommen noch ausgiebige Stadtfahrten und Kurzstrecken dazu, verdoppelt sich der Verbrauch nahezu jenseits der sechs Liter im Schnitt. Etliche Jahreskilometer und ein Nutzungsverhältnis von über 90 Prozent Autobahn könnten sich hier noch rentieren. Der Astra ist damit mehr eine Komfortfrage für Menschen, die auf der Langstrecke nicht regelmäßig länger stehen wollen.
Der Einstieg ins Astra-Dieselparadies gelingt passenderweise mit dem neuen Start für 33.490 Euro auf Stahlrädern mit Radkappen, inklusive LED-Scheinwerfern und Einparkhilfe. Etwas drüber liegt der Edition für 35.090 Euro mit 16-Zoll-Alus und Rückfahrkamera. Reichhaltiger wird das Ausstattungsangebot erst mit dem GS für 38.090 Euro und dem Ultimate für 41.890 Euro.
Erst bei letzterem kommt das neue Intellilux-Lichtsystem zum Einsatz. Unser Tipp: Nehmen Sie den Edition mit Winterpaket für 750 Euro Aufpreis. Dann fahren Sie gut ausgestattet mit Sitzheizung und AGR-zertifizierten Sitzen.
Schauen wir uns die Konkurrenz an: Der VW Golf TDI und der Seat Leon starten auf demselben Niveau bei 33.435 Euro, beziehungsweise 33.490 Euro – allerdings mit voluminöserem 2,0-Liter-Diesel. Der Plattform-Bruder Peugeot 308 ist mit 35.590 Euro etwas teurer als der Astra. Der BMW 118d kostet mindestens 39.350 Euro. Japaner und Koreaner haben sich längst vom Diesel im Kompakten verabschiedet.
Fazit: 8/10
In zeitlich geringeren Abständen tanken zu müssen, kann inzwischen fast als vorausschauender Beitrag zur psychischen Gesundheit verstanden werden. In dieser Hinsicht ist der Opel Astra mit seinem manchmal etwas zu rustikalen Diesel ein echter Therapeut. Zumindest solange man sich fast ausschließlich auf der Langstrecke bewegt.
Sitzkomfort, Fahrwerk und Haptik pflichten einem Kauf bei. Außer dem Preis an der Zapfsäule gibt es wenige Argumente gegen den Astra Diesel. Im Kompaktsegment liegt der Rüsselsheimer zudem eher auf der erschwinglichen Seite. Wer wirklich viel fährt, liegt bei ihm immer noch richtig.
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