Design: Dieses Detail im Profil verändert den Charakter des Autos
Die C-Säule erzählt viel mehr, als man denken würde: Vom Golf bis zum Renault 5 genügt ein Blick darauf, um ein Auto zu erkennen
Es gibt Autos, die erkennt man sofort. Und das, auch ohne die Frontpartie oder das Markenlogo auf der Motorhaube zu sehen: Ein kurzer Blick auf die Seitenlinie genügt und man weiß, um welches Modell es sich handelt. Der Grund dafür sind oft nicht die Dachlinie oder die Scheinwerfer, sondern ein deutlich unauffälligeres Detail.
Dieses Detail ist die C-Säule, also das Bauteil, das das Dach mit dem hinteren Teil der Karosserie verbindet. Sie steht nicht immer sofort im Mittelpunkt, ist aber einer der Bereiche, in denen Designer den Charakter eines Autos festlegen: Sie kann ein Fahrzeug eleganter, sportlicher, robuster oder sogar geräumiger wirken lassen – oft durch nur wenige Zentimeter Blech und Glas.
Die versteckte Signatur des Golf
Eines der bekanntesten Beispiele ist sicher der gute alte Volkswagen Golf. Nur ganz wenige Autos haben eine so konstante Persönlichkeit bewahrt wie der Bestseller aus Wolfsburg. Vom 1974 von Giorgetto Giugiaro gezeichneten Golf 1 bis heute ist die C-Säule eines der markantesten Elemente des Konzepts geblieben: breit, maßvoll geneigt und harmonisch ans Dach angebunden, trägt sie stärker zur Ausgewogenheit des gesamten Fahrzeugs bei, als man auf den ersten Blick vermuten würde.
Sie ist kein bloßes Stilelement: Diese Säule vermittelt Solidität, lässt den Innenraum optisch großzügiger wirken und macht den Golf selbst in der reinen Seitenansicht sofort erkennbar. Es ist eines jener Details, die über Generationen hinweg die Identität eines Modells prägen: Wer auch immer einen neuen Golf entwirft - er wird kaum daran vorbeikommen, genau dieses Element wieder als Erkennungsmerkmal einzubinden.
Giugiaro führte bei der ersten Golf-Generation, die vor inzwischen 52 Jahren auf den Markt kam, die breite C-Säule ein. Sie hat bis heute Bestand.
Der BMW 3.0 CSi ist nur eines von zahllosen Beispielen bis in jüngere Zeit für den Hofmeister-Knick, also den charakteristischen Knick der hinteren Säule zum Seitenfenster hin, auch wenn dieses in die hintere Tür integriert ist. Ein Merkmal, das es über Jahrzehnte ermöglichte, viele BMW schon am Profil zu erkennen
Wenige Zentimeter, viel Persönlichkeit
Das Design der Säule zu verändern, bedeutet, den Charakter des Autos zu verändern. Einige Hersteller haben die C-Säule zu einer echten stilistischen Signatur gemacht: Der berühmte Hofmeister-Knick von BMW ist wohl das bekannteste Beispiel dafür, wie eine einfache Linienführung zu einem weltweit wiedererkennbaren Symbol werden kann.
Auch Volkswagen setzt hier auf Kontinuität, während andere Marken dieses Detail immer wieder neu interpretieren. Erstaunlich ist, dass wenige Zentimeter Blech ausreichen können, damit ein Auto elegant, sportlich, geräumig oder sicher wirkt – noch bevor man überhaupt die Front betrachtet.
Die Bezüge zur Vergangenheit des Volvo EX30 sind vielleicht leichter zu erkennen, wenn man an die sportlichen Hatchbacks der Marke denkt, wie P 1800 Coupé oder 480 ES, die eigenständige Lösungen für die dritte Säule hatten; der schwedische Stromer greift das Thema des minimalistischen Designs auf, mit einer niedrigen Säule, auf der das kontrastierende Dach aufliegt
Der Renault 5 E-Tech hat zwei Referenzmodelle für die geneigte hintere Säule: die erste Generation mit dem charakteristischen Gitter entlang der Säule und den Super5 von Marcello Gandini, mit geometrischer gestalteten und besser eingebundenen Elementen. Beim neuen Modell kommt eine gewisse Muskulösität hinzu, und das vertikale Element wird durch einen dunklen Übergang unter dem Dach ersetzt, doch der Bezug zu den historischen Modellen ist offensichtlich, auch bei Proportionen und Neigung.
Auch Elektroautos haben eine Signatur
Bei Elektroautos hat die C-Säule eine noch wichtigere Rolle bekommen, etwa weil der Wegfall klassischer Proportionen neue und prägende Formen ermöglicht. Der Volvo EX30 und der Renault 5 E-Tech zeigen, wie unterschiedlich diese Ansätze ausfallen können – und das keineswegs zufällig.
Volvo setzt auf reduzierte Flächen und nahezu verborgene Säulen, um historisch eher an die futuristischen Coupés der Marke anzuknüpfen als an die besonders soliden Limousinen und Kombis – und um schwedisches Design mit neuer Technik neu zu interpretieren.
Renault hingegen hat ein klares historisches Vorbild: Die sehr charakteristische hintere Säule ruft unmittelbar die ursprünglichen R5-Modelle in Erinnerung, obwohl es sich um ein modernes Elektroauto mit anderen Abmessungen und Technologien handelt.
Design steckt in den Details
Wahrscheinlich wird niemand ein Auto allein wegen der Gestaltung der C-Säule kaufen. Doch gerade beim Blick auf solche Details wird die Arbeit der Designer verständlich: Es genügt, die Neigung zu verändern, die Glasfläche zu vergrößern oder den Übergang zum Dach anders zu gestalten, damit das gesamte Auto anders wirkt – selbst bei unveränderten Abmessungen.
Vielleicht liegt genau darin die Faszination des Automobildesigns: Die gelungensten stilistischen Signaturen sind nicht immer jene, die um jeden Preis auffallen wollen, sondern jene, die wir unbewusst wiederzuerkennen lernen – jedes Mal, wenn uns ein Auto überholt oder am Straßenrand geparkt ist.
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