Mercedes-AMG GT SUV: Erste Mitfahrt und alles ist plötzlich anders
Monterey Car Week, Mercedes-AMG GT SUV, 106,0-kWh-Akku: erste Mitfahrt im Elektro-AMG, wohl 2,5 Sekunden auf 100 km/h
Im Mai zog Mercedes-Benz die Hülle von seinem AMG GT 4-Türer der nächsten Generation – mit gemischter Resonanz. Der mächtige V8, der das Modell bislang antrieb, ist verschwunden, stattdessen übernimmt nun ein großer Akku die Hauptrolle. Auch die Plattform ist komplett neu und exklusiv für Mercedes-AMG entwickelt worden, mit dem Versprechen, sie künftig über den GT 4-Türer hinaus einzusetzen.
Bei der diesjährigen Monterey Car Week hatte unser amerkanischer Kollege Zander Sutton die Gelegenheit, in genau jenem Fahrzeug mitzufahren, das nicht nur das nächste AMG-Modell auf dieser Plattform werden dürfte, sondern möglicherweise auch das erste eigenständige AMG-SUV überhaupt. Hier seine Eindrücke:
AMG GT 4-Türer, nur größer
Mercedes-AMG GT SUV Prototyp
Einen offiziellen Namen für dieses Fahrzeug hat Mercedes noch nicht genannt. Vieles spricht jedoch dafür, dass es am Ende auf "Mercedes-AMG GT SUV" oder eine ähnliche Bezeichnung hinauslaufen wird. Trotz der Tarnfolie lassen sich bereits einige markante Designmerkmale erkennen, die diese Vermutung stützen.
Die Rückleuchten entsprechen im Design denen des regulären AMG GT 4-Türers. Auch die Scheinwerfer wirken, obwohl teilweise verdeckt, dem Limousinen-Pendant zum Verwechseln ähnlich.
Von den Abmessungen her bewegt sich der Mercedes auf dem Niveau des GLC. Auf Fotos wirkt er deutlich größer, tatsächlich fällt das Fahrzeug jedoch nicht größer aus als andere kompakte Premium-SUV.
Im Innenraum ist das Auto weitgehend identisch mit dem AMG GT 4-Türer. Es übernimmt das gleiche Armaturenbrett samt Bildschirmlandschaft: mit einem zum Fahrer geneigten Zentraldisplay und einem weiteren Bildschirm direkt vor dem Beifahrer.
Übertrieben? Vielleicht. Angesichts der Bildschirmflut in anderen aktuellen Mercedes-Modellen überrascht dieser Ansatz allerdings kaum.
Es handelte sich noch um einen Prototypen, weshalb im Innenraum Kabel, zusätzliche Tasten und weitere Entwicklungskomponenten sichtbar waren. Auch einige Materialien entsprachen noch nicht dem, was Mercedes als Serienstand bezeichnen würde.
So bestand die Kofferraumverkleidung beispielsweise aus einfachem Kunststoff. Der Gesamteindruck und die Materialanmutung, die bereits an die Limousinen-Schwester erinnern, lassen jedoch erwarten, dass der Innenraum dem angestrebten Preisniveau gerecht wird.
Elektro-Power
Mercedes erklärte, das Ziel bei diesem SUV sei es gewesen, die Batterie- und Plattformarchitektur möglichst unverändert in eine SUV-Karosserie zu übertragen. Natürlich mussten Fahrwerk und Dämpfer an die größere und schwerere Karosserie angepasst werden. Der Ingenieur, mit dem ich unterwegs war, versicherte jedoch, dass beide Fahrzeuge "mehr als 90 Prozent der Teile" gemeinsam hätten.
Deshalb darf man davon ausgehen, dass das kommende Modell denselben 106,0-kWh-Akku wie der reguläre GT 4-Türer nutzt, mit Zellen höherer Energiedichte, die mehr Kapazität und schnelleres Laden ermöglichen. Auch die Axialfluss-Elektromotoren an Vorder- und Hinterachse des GT 4-Türers dürften im Serienmodell zum Einsatz kommen.
Um es ganz direkt zu sagen: Dieses Auto ist extrem schnell.
Zwar konnte ich keine Zeit für den Sprint von 0 auf 100 km/h messen, mein Popometer verortet den Prototypen jedoch bei rund 2,5 Sekunden und damit ungefähr auf dem Niveau der Limousine. Der Ingenieur wollte außerdem nicht bestätigen, ob unser Testfahrzeug der späteren Topversion entsprach. Nach der Vorstellung des GT 4-Türers und angesichts seines vielsagenden Grinsens liegt jedoch die Vermutung nahe, dass Mercedes zunächst die leistungsstärkste Variante erprobt und auf den Markt bringen wird.
Zur elektrischen Reichweite machte Mercedes ebenfalls keine Angaben. Ein Blick auf das Display zeigte jedoch 96 Prozent Ladestand und 476 Kilometer Restreichweite. Hochgerechnet entspricht das einer Gesamtreichweite von rund 496 Kilometern und damit mehr als beim derzeit nächstliegenden Mercedes-Konkurrenten, dem Mercedes-AMG EQE SUV, der auf bis zu 378 Kilometer kommt.
Was das Handling angeht, war eine gewisse Seitenneigung durchaus spürbar. Gerade auf den kurvenreichen Straßen rund um Monterey fühlte sich der Wagen jedoch genau dort zu Hause, wo ein AMG sich wohlfühlen sollte. Anders als bei früheren elektrischen AMG-Modellen wie EQS und EQE scheint hier besonderer Wert darauf gelegt worden zu sein, dass sich dieses SUV wie ein echter AMG fährt und anfühlt und nicht lediglich wie eine AMG-Version eines bestehenden Mercedes-Elektroautos.
Dieses kommende SUV besitzt außerdem eines der umstrittensten Merkmale moderner Elektroautos: künstliche Fahrgeräusche. Bereits beim regulären AMG GT 4-Türer angekündigt, erzeugt auch das SUV im Sportmodus künstliche Auspuff- und Motorsounds. Anders als bei der Limousine wird das akustische Erlebnis beim "Hochdrehen" zusätzlich von leichten Vibrationen im Sitz begleitet, um das Fahrgefühl eines Verbrenners möglichst authentisch nachzuahmen.
Weitere Details folgen
Mercedes hat bislang keine Hinweise darauf gegeben, wann das AMG GT SUV offiziell vorgestellt wird. Angesichts des weit fortgeschrittenen Entwicklungsstands dürfte es jedoch nur noch eine Frage von Monaten sein, bis der Vorhang fällt.
Zu erwarten sind Einstiegspreise im Bereich von knapp 90.000 Euro. Es würde allerdings nicht überraschen, wenn die mutmaßliche Version, in der wir mitfuhren – möglicherweise ein AMG 63 Performance –, deutlich im sechsstelligen Euro-Bereich startet.
Wie der Markt auf ein solches Fahrzeug reagieren wird, bleibt abzuwarten. Der Mercedes-Ingenieur, mit dem ich unterwegs war, sprach während der Monterey Car Week von einer "sehr positiven" Resonanz. Angesichts schwankender Elektroauto-Verkäufe und des zunehmenden Wettbewerbs durch günstigere Modelle aus China wird Mercedes das SUV jedoch sorgfältig positionieren müssen, um ihm die besten Erfolgschancen zu geben.
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