BMW X5 G65 (2026) debütiert mit Neue Klasse-Design und beispielloser Antriebsvielfalt
800 Volt, bis zu 612 PS, von Diesel bis Wasserstoff, Optik wie ein Fels, Seltsam-Türgriffe, innen alles neu - wir saßen schon drin
Der BMW X5 ist der unbestrittene SUV-Urvater aus München. Als der damalige Entwicklungschef Dr. Burkhard Göschel in den 1990ern die Idee eines BMW-SUV vorantrieb, kostete ihn das fast den Job. Welchen Siegeszug dieses Konzept antreten würde, wollten/konnten viele bei BMW damals nicht begreifen. Der X5 machte das SUV-Segment im Premium-Bereich salonfähig und gilt bis heute als die Ertragsperle von BMW. Wenn eine neue Generation ansteht, darf also nichts schiefgehen.
Ende November 2026 schickt BMW nun die mittlerweile fünfte Generation des Erfolgsmodells ins Rennen. Und die Pfunde, mit denen der Dicke wuchert, sind technologisch beachtlich: Erstmals vereint ein Modell der bayerischen Marke fünf verschiedene Antriebsoptionen unter einer einzigen Karosserievariante – vom klassischen Sechszylinder-Diesel und Benziner über kräftige Plug-in-Hybride bis hin zum rein batterieelektrischen iX5 und einer späteren Wasserstoff-Kleinserie.
Bildergalerie: BMW X5 40 xDrive (2026)
Um diesen Spagat zu meistern, bedient sich der ewige Mercedes GLE-Rivale im Technologiebaukasten der „Neuen Klasse“ und adaptiert deren moderne Elektronik-Architektur. Wir haben alle Details zu Abmessungen, Motoren, Fahrwerk und Marktstart analysiert.
Abmessungen/Design: Monolithische Präsenz mit neuen Detaillösungen
Optisch macht der neue X5 keine Gefangenen. Er wirkt sehr aufrecht und seeehr monolithisch. Das wird jetzt wahrscheinlich jeder schreiben, aber er ist halt – naja - seeehr monolithisch. Die "Xe" in den Leuchten sind Kindergarten wie all die Sterne bei den neueren Mercedes-Modellen, aber es gibt eben Märkte, die stehen auf sowas und man kann die X-Signaturen in diesem Fall auch ausblenden.
Die angenehm kleine Niere verfügt serienmäßig über Beleuchtung. Flankiert wird das Markengesicht von den eben erwähnten "Doppel-X-Lichtikonen". Diese neuen Scheinwerfereinheiten bündeln das Abblend- und Tagfahrlicht ohne zusätzliche, klassische Linsenmodule in einem einzigen grafischen Element. Interessant: Die Front der Verbrenner unterscheidet sich eigentlich nur durch deutlich größere untere Lufteinlässe von der des elektrischen iX5.
Zwei Meter Breite klingen auf den ersten Blick nach Größenwahn und Ungemach in jedem Parkhaus, doch tatsächlich ist der Vorgänger auch nicht schmaler. Der Neue hat allerdings mehr Spurweite, also schauen Sie mal auf die Kotflügel, die sind jetzt glatt wie ein Baby-Popo. Da wurde jeglicher Kotflügelaufsatz komplett glattgeschliffen.
Die Länge des neuen G65 beträgt 4,99 Meter, die Höhe 1,75 Meter. Wichtig für die Proportionen: Der Radstand wächst spürbar um 60 Millimeter auf nunmehr 3.035 mm. Neben der Front sieht auch das Heck auf den ersten Blick nach iX3 aus, wirkt aber mit den schmaleren Rückleuchten etwas gefälliger. Dennoch bleiben die XL-Rücklichter Geschmackssache. Man wird sich vielleicht noch dran gewöhnen, dass alle neuen BMW aussehen wie Lincolns aus den 2000ern.
Bestimmt ist Ihnen auch aufgefallen, dass die Türen komplett blank sind. Die Befürchtung, dass man in den neuen X5 nicht mehr einsteigen kann, verflüchtigt sich allerdings beim Blick auf die Fenster. Dort thronen jetzt kleine, aerodynamisch geformte Türgriff-Satelliten, die auf Ziehen oder Berührung reagieren. Aero- (cW-Wert: 0,28) oder Geräuschnachteile sind laut BMW nicht gegeben. Man kann jetzt auch alle vier Türen gleichzeitig per Fernbedienung öffnen. Wirkt wie ein Gimmick, das nur für Instagram erfunden wurde. Man darf gespannt sein, wie oft die elektrischen Türen im Alltag für Frust sorgen.
Vorläufiges Topmodell aus sportlicher Sicht ist der X5 M60e xDrive. Dieses Modell hebt sich durch dunkel abgesetzte Nierenrahmen und gelbe „M Yellow Lights“ im Stile klassischer Langstrecken-Rennwagen von den zivileren Versionen ab. Zum Marktstart stehen insgesamt elf Außenfarben (darunter neue Frozen-Mattlackierungen) sowie Leichtmetallräder von 21 bis 23 Zoll zur Auswahl.
Motoren/Antriebe: Die Qual der Wahl
Unter der wuchtigen X5-Haube herrscht die absolute Qual der Wahl, die in der Automobilindustrie derzeit ihresgleichen sucht. Das Portfolio deckt jede nur erdenkliche Antriebsform ab, um den unterschiedlichen globalen Marktanforderungen gerecht zu werden.
BMW iX5 60 xDrive (BEV): Das anfangs einzige rein elektrische Angebot im neuen Modellprogramm. Von der Neuen Klasse kommt die eDrive-Technologie der 6. Generation mit zylindrischen Rundzellen. Ein Asynchronmotor an der Vorderachse (249 PS) und eine stromerregte Synchronmaschine an der Hinterachse (329 PS) generieren eine Systemleistung von 425 kW (578 PS) sowie ein maximales Drehmoment von 805 Nm.
Der Sprint von 0 auf 100 km/h gelingt in 4,6 Sekunden. Der 141-kWh-Netto-Akku sorgt für eine WLTP-Reichweite von 645 bis 845 Kilometern. Durch die 800-Volt-Architektur sind Ladeleistungen von bis zu 460 kW möglich. Damit erstarkt der Akku in 23 Minuten von 10 auf 80 Prozent. Zudem ist bidirektionales Laden (Vehicle-to-Load, Vehicle-to-Home und Vehicle-to-Grid) ab Werk implementiert.
Wenn Sie tiefer in die Welt des elektrischen iX5 60 eintauchen wollen, empfiehlt sich das Studium des Artikels auf unserer Partnerseite insideEVs.com.
BMW X5 40 xDrive (Mild-Hybrid-Benziner): Der gründlich optimierte 3,0-Liter-Reihensechszylinder-Benziner leistet nun 294 kW (400 PS) und stellt ein Systemdrehmoment von 580 Nm bereit. Von 0-100 km/h geht es in 5,3 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit wird elektronisch bei 250 km/h abgeregelt. Mit 2.365 Kilo inklusive Fahrer ist er der leichteste neue X5.
BMW X5 40d xDrive (Mild-Hybrid-Diesel): Vielfahrer im europäischen Raum dürfen aufatmen, denn BMW hält am Selbstzünder fest. Der Common-Rail-Reihensechszylinder-Diesel bringt es auf eine Leistung von 230 kW (313 PS) und schickt ein bulliges Drehmoment von 670 Nm an den xDrive-Allradantrieb. 0-100 km/h: 6,1 Sekunden, Topspeed: 230 km/h. Der WLTP-Normverbrauch liegt bei 7,0 bis 7,3 Litern je 100 Kilometer.
Die Plug-in-Hybride (X5 50e und M60e): Beide PHEV-Modelle kombinieren den bewährten 3,0-Liter-Reihensechszylinder-Benziner mit einer in die 8-Gang-Automatik integrierten E-Maschine, die 197 PS beisteuert. Dazu kommt ein Lithium-Ionen-Akku mit 26,5 kWh Nettokapazität. Die Systemleistung des X5 50e xDrive beläuft sich auf 360 kW (489 PS). Hier vergehen 5,0 Sekunden bis 100 km/h. Der M60e xDrive kommt mit einer Systemleistung von 450 kW (612 PS) und 800 Nm Drehmoment. Damit katapultiert sich der Koloss in 4,5 Sekunden auf Landstraßentempo.
BMW X5 Hydrogen: 2028 wird BMW eine Kleinserie mit Wasserstoff-Brennstoffzelle der 3. Generation nachschieben, die in enger Kooperation mit Toyota entwickelt wurde. Das Fahrzeug speichert rund 7 Kilogramm Wasserstoff in sieben innovativen Flachspeichertanks im Unterboden und soll praxisnahe Reichweiten von bis zu 750 Kilometern ohne Ladestopps ermöglichen.
Bildergalerie: BMW iX5 Hydrogen (2026)
Fahrwerk/Fahrdynamik: Das digitale "Superbrain" übernimmt
Trotz des stattlichen Leergewichts – der elektrische iX5 bringt bedenkliche 2.900 Kilogramm auf die Waage – verspricht BMW, dass der X5 das agilste und fahrdynamischste Fahrzeug seines Segments bleibt. Die Basis dafür legt eine Achslastverteilung von nahezu 50:50 in Kombination mit dem serienmäßigen Adaptiv-Fahrwerk inklusive elektronisch geregelter Dämpfer.
Bei den klassischen Verbrennern und den Plug-in-Hybriden verwaltet das Querdynamik-Management der zehnten Generation sämtliche Kraftflüsse und Bremseingriffe. Die Elektro- und Wasserstoff-Varianten erhalten hingegen das komplett neue, digitale „Superbrain“ namens Heart of Joy. Dieser integrierte Fahrstabilitäts- und Antriebs-Stack bündelt alle dynamischen Funktionen und regelt bis zu zehnmal schneller als bisherige, dezentrale Steuergeräte.
Bildergalerie: BMW X5 M60e xDrive (2026)
Gegen Aufpreis gibt es eine 2-Achs-Luftfederung und Hinterachslenkung. Im Stand lässt sich das Heck hier um 40 Millimeter absenken, um das Beladen des Kofferraums zu erleichtern. Wer das volle Fahrdynamik-Erlebnis will, muss die "Adaptive Chassis Control Professional" ankreuzen, dann gibt es zusätzlich eine aktive 48-Volt-Wankstabilisierung.
Innenraum/Infotainment/Konnektivität: Ein Hauch von Schiefer
Das Interieur des neuen X5 wurde radikal entrümpelt und zeigt sich nun ebenfalls im Neue Klasse-Stil, den wir bereits von iX3, i3 und 7er kennen. Analoge Tasten oder den klassischen iDrive-Dreh-Drücksteller sucht man im X5 der Generation G65 vergeblich. Dafür natürlich mit dabei: das neue BMW Panoramic Vision. Dabei handelt es sich um eine hochauflösende Projektionsfläche, die sich über die gesamte untere Breite der Windschutzscheibe zieht und fahrrelevante sowie Infotainment-Informationen darstellt. Der Fahrer blickt zusätzlich auf ein neues 3D Head-Up Display direkt im Sichtfeld.
Die primäre Bedienung erfolgt über ein zentrales, 17,9 Zoll großes Touch-Display im noch immer seltsamen asymmetrischen Free-Cut-Design. Auf diesem Bildschirm läuft das neue BMW Operating System X, welches auf einer Android-Open-Source-Basis aufbaut und eine extrem schnelle, intuitive Menüführung per Widgets ermöglichen soll.
Ein Novum ist die optionale Verwendung von echtem, hauchdünnem Schiefergestein als Dekoroberfläche auf der Mittelkonsole (Bestandteil des Interieurpakets „Clear & Bold“). Das Stein-Inlay verfügt über eine integrierte Touch-Funktion mit haptischem Feedback, über die sich Grundfunktionen wie der Warnblinker, die elektronische Parkbremse oder die Fahrprofilauswahl per Fingertipp steuern lassen.
Für den Beifahrer steht gegen Aufpreis ein eigener, 14,6 Zoll großer Full-HD Passenger Screen zur Verfügung, auf dem während der Fahrt Videos gestreamt oder Spiele gespielt werden können. Eine im Dachhimmel integrierte Innenraumkamera überwacht dabei permanent die Augenbewegungen des Fahrers und dunkelt den Beifahrerbildschirm automatisch ab, sobald dieser versucht, den Blick von der Straße dorthin zu wenden.
Das stattliche Radstand-Plus hat nur begrenzt Auswirkungen auf die Platzverhältnisse im Fond. Keine Sorge, hinten lümmelt es sich sehr ordentlich, aber für ein 5-Meter-SUV ist das Raumangebot auch nicht monumental. War beim X5 ja noch nie so. Empfehlenswert: Rundum sorgen optionale, an den Kopfstützen fixierte Nackenkissen für echtes Oberklasse-Feeling. Das Gepäckraumvolumen variiert je nach Antriebskonzept:
- Benziner und Diesel: 650 bis 1.850 Liter
- BMW iX5 (Elektro): 655 bis 1.850 Liter
- Plug-in-Hybride: 525 bis 1.680 Liter (bedingt durch den Platzbedarf des Leistungselektronik- und Akku-Setups über der Hinterachse)
Was bei der ersten Sitzprobe darüber hinaus auffiel: Das neue Lenkrad mit den kapazitiven Tasten hinter Glas ist eher kein Fortschritt. Weniger wäre hier mehr. Zudem interessant: Um das Thema "elektrisch öffnende Türen" nicht zum Sicherheitsthema werden zu lassen, verbaut BMW eine eigene Taste in der Türtafel, mit der mechanisch entriegelt werden kann. Außerdem gibt es ein neues XXL-Panorama-Glasdach, das auch geöffnet werden kann.
Die Material- und Verarbeitungsqualität wirkt auf den ersten Blick weitgehend überzeugend. Wie zuletzt leider häufiger erlebt (bei allen deutschen Premium-Herstellern übrigens), kommt aber auch hier im unteren Türbereich Plastik von der ganz dürren und harten Sorte zum Einsatz. Für eine Auskleidung der Türablagen reichte es ebenfalls nicht. In dieser Klasse finde ich das schwierig. Ein Trend, der dringend umgekehrt werden sollte.
Sicherheitssysteme und Fahrhilfen: Mensch und Maschine
BMW bündelt die Phalanx an modernen Assistenzsystemen unter dem neuen Oberbegriff BMW Symbiotic Drive. Diese Level-2-Systeme sollen ein nahtloses und unaufgeregtes Zusammenspiel zwischen menschlicher Lenkweise und maschineller Unterstützung ermöglichen, ohne den Fahrer durch nervöse Lenkeingriffe oder zu viel Gepiepse zu bevormunden. Im iX3 funktioniert das prächtig.
Neben den serienmäßigen Matrix-LED-Scheinwerfern, die eine Leuchtweite von bis zu 600 Metern erzielen, schützt der neue X5 seine Insassen und die Umwelt vor allem beim Ein- und Aussteigen.
Rund ums Fahrzeug verbaute Radarsensoren sichern die neuen Automatiktüren vollumfänglich ab. Erkennen die Sensoren beispielsweise einen sich von hinten nähernden Radfahrer oder ein anderes Fahrzeug, stoppen sie den elektrischen Öffnungsvorgang der Türen im Ernstfall sofort.
Bildergalerie: BMW iX5 60 xDrive (2026)
Wer sich für das optionale BMW Digital Premium-Paket entscheidet, erhält zudem den neuen „Security Assistant“. Dieser schickt bei Parkremplern oder einem versuchten Diebstahl sofort eine Push-Benachrichtigung inklusive Live-Videostream der Außenkameras direkt auf das Smartphone des Besitzers. Der integrierte BMW Drive Recorder speichert zudem im Falle eines Unfalls automatisch die Videoaufnahmen der letzten 30 Sekunden vor und nach dem Aufprall ab.
Marktstart/Preise: Produktion in Spartanburg läuft an
Die Serienproduktion der fünften Generation läuft im August 2026 im US-amerikanischen BMW-Werk Spartanburg an. Der offizielle Marktstart in Deutschland für die klassischen Verbrennermodelle ist für Ende November 2026 terminiert. Die Plug-in-Hybride sowie der vollelektrische iX5 werden Anfang 2027 zu den Händlern rollen. 2028 folgt dann die Wasserstoff-Variante des iX5.
Zu den konkreten Basispreisen für den deutschen Markt schweigt sich die offizielle Pressemitteilung zum aktuellen Zeitpunkt noch aus. Angesichts diverser Tech-Neuerungen dürfte sich der Einstiegstarif des X5 jedoch nach oben verschieben. Das noch aktuelle Modell startet mit dem 298-PS-Diesel bei 90.500 Euro.
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