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Skoda Roomster (2006-2015): Das Raumwunder wird 20

Warum gibt solche Autos eigentlich heute kaum noch?

Skoda Roomster (2006-2015)
Bild von: Motor1.com Deutschland

Man muss es jungen Menschen erklären: Es gab einmal eine Zeit, in der nicht jedes zweite Auto ein SUV war. Eine Zeit, in der man bei neuen Karosserieformen und Raumkonzepten noch mutig war. So wie beim Skoda Roomster, der jetzt 20 Jahre wird.

Die Geschichte des Skoda Roomster beginnt im Jahr 2003 mit einer vielbeachteten Vision auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt. Dort präsentiert die tschechische Volkswagen-Tochter die Studie eines kompakten Familienwagens. Das Konzept bricht mit traditionellen Designkonventionen und zieht durch ein außergewöhnlich großzügiges Raumangebot bei gleichzeitig kompakten Abmessungen das Interesse auf sich.

Verantwortlich für die Federführung des Entwurfs zeichnet das Designteam unter Thomas Ingenlath. Aufgrund der überaus positiven Reaktionen von Fachjournalisten und zahlreichen potenziellen Kunden entscheidet Skoda rasch, die Designstudie in ein Serienfahrzeug zu überführen. Bis zum Marktstart vergehen jedoch noch knapp drei Jahre, in denen das Fahrzeug fit für die Serie und den Alltagsbetrieb gemacht wird.

Skoda Roomster (2006-2015)

Skoda Roomster Concept (2003)

Bilder von: Skoda
Skoda Roomster (2006-2015)

Skoda Roomster (2006-2015)

Am 28. Februar 2006 feiert der Skoda Roomster auf dem Automobilsalon in Genf seine offizielle Weltpremiere und begründet damit als vierte Modellreihe die Erschließung eines völlig neuen Marktsegments für die Marke. Der offizielle Verkaufsstart auf den europäischen Kernmärkten ist für den Spätsommer desselben Jahres angesetzt.

Sofort beliebt

Schon vor der eigentlichen Markteinführung stehen die ersten Fahrzeuge zu Vorpremieren in den Schauräumen der Händler, um die Neugier der Kundschaft zu bedienen. Die Nachfrage übertrifft die Erwartungen des Herstellers deutlich: Allein in Deutschland verzeichnet das Unternehmen noch vor dem Verkaufsstart am 2. September 2006 mehr als 8.000 Neubestellungen.

Um der enormen Nachfrage gerecht zu werden, kündigt Skoda am 31. August 2006 die Einführung einer dritten Schicht im Produktionswerk Kvasiny ab dem 22. November an. Das Ziel ist es, bis zum Jahresende mehr als 20.000 Einheiten zu fertigen.

Skoda Roomster (2006-2015)

Skoda Roomster und Fabia Combi

Bild von: Skoda

Technisch basiert der Roomster auf einer cleveren Mischung bestehender Konzepte: Während der Vorderwagen im Wesentlichen der Plattform des Skoda Fabia entspricht, stammt die Hinterachse vom Skoda Octavia der ersten Generation. Dies ermöglicht einen extrem langen Radstand von 2.617 Millimetern, der die Basis für das unkonventionelle Raumkonzept bildet. Bei einer Gesamtlänge von 4.205 Millimetern bietet der Roomster überdurchschnittlich viel Platz für Passagiere und Gepäck.

Clevere Aufteilung

Optisch teilt sich das Fahrzeug in zwei Zonen: Das dynamisch gestaltete "Driving Room"-Cockpit mit flachen Fenstern vorn und den geräumigen "Living Room" im Fond mit deutlich tiefer gezogenen Seitenscheiben, die insbesondere Kindern eine hervorragende Aussicht bieten.

Skoda Roomster (2006-2015)
Bild von: Motor1.com Deutschland
Skoda Roomster (2006-2015)
Bild von: Skoda
Skoda Roomster (2006-2015)
Bild von: Skoda

Ein zentrales Kaufargument ist das sogenannte "Varioflex"-Sitzsystem. Die drei hinteren Einzelsitze lassen sich unabhängig voneinander verschieben, umklappen oder komplett ausbauen. Wird der mittlere Sitz entfernt, können die beiden äußeren Sitze für mehr Schulterfreiheit nach innen versetzt werden.

Das Kofferraumvolumen ist dadurch hochgradig variabel und reicht im Standardzustand von 450 bis 530 Liter, was zu den Spitzenwerten dieser Fahrzeugklasse zählt. Bei vollständig ausgebauten Rücksitzen wächst der Laderaum auf bis zu 1.780 Liter an, wodurch sich der Roomster im Handumdrehen in einen kleinen Transporter verwandelt.

Günstige Preise, überschaubare Leistung

Zur Markteinführung im Herbst 2006 stehen drei Ausstattungslinien zur Auswahl: Roomster, Style und Comfort. Die Preisgestaltung unterstreicht das Markenversprechen eines hervorragenden Preis-Leistungs-Verhältnisses. Das Basismodell startet bei 12.990 Euro, während die Linien Style und Comfort ab 14.490 Euro beziehungsweise 16.690 Euro erhältlich sind.

Die Antriebspalette umfasst sechs Motoren, die allesamt die Abgasnorm EU4 erfüllen. Bei den Benzinern bildet ein in Mlada Boleslav entwickelter 1,2-Liter-Dreizylinder mit 47 kW (64 PS) den Einstieg. Darüber rangieren ein 1,4-Liter-Vierzylinder mit 63 kW (86 PS) sowie als Top-Motorisierung ein 1,6-Liter-Vierzylinder mit 77 kW (105 PS), für den optional auch ein Automatikgetriebe zur Verfügung steht.

Skoda Roomster (2006-2015)

Skoda Roomster (2006-2015)

Bild von: Skoda

Das Diesel-Portfolio setzt sich aus zwei 1,4-Liter-Dreizylindern mit 51 kW (70 PS) und 59 kW (80 PS) sowie dem kräftigsten Selbstzünder, einem 1,9-Liter-Vierzylinder mit 77 kW (105 PS), zusammen. Die beiden stärkeren Dieselaggregate sind serienmäßig mit einem Dieselpartikelfilter ausgestattet. Je nach Motorisierung erreichen die Fahrzeuge Höchstgeschwindigkeiten zwischen 155 und 184 km/h.

Ein Hauch von Gelände

Ergänzt wird die Modellpalette im Jahr 2007 durch den Roomster Scout. Diese Variante im Offroad-Look unterscheidet sich von der Serienversion vor allem durch robuste Designelemente wie Kunststoffbeplankungen an den Schwellern und Radhäusern sowie einen optischen Unterfahrschutz. Diese Modifikationen lassen den Scout auf Abmessungen von 4.219 mm Länge, 1.695 mm Breite und 1.650 mm Höhe anwachsen.

Skoda Roomster (2006-2015)

Skoda Roomster Scout

Bild von: Skoda

Damit ist er bei identischem Radstand 14 mm länger, 11 mm breiter und 43 mm höher als die zivile Basisversion. Trotz des geländegängigen Erscheinungsbildes wird auch der Scout ausschließlich mit Frontantrieb ausgeliefert. Zudem erscheint mit dem "Praktik" eine Nutzfahrzeug-Variante mit verblechten hinteren Seitenfenstern und robuster Laderaumtrennung für Gewerbetreibende.

Ein Sparfuchs aus Österreich

Dass das Raumfahrzeug auch in puncto Effizienz überzeugen kann, beweist der österreichische Spritspar-Experte Gerhard Plattner auf einer ausgedehnten Europatour mit einem Skoda Roomster 1.4 TDI. Auf der 446 Kilometer langen Teilstrecke von Tallinn nach St. Petersburg stellt Plattner eine neue Bestmarke auf, indem er den Verbrauch auf lediglich 3,98 Liter senkt. Begünstigt wird diese Rekordfahrt durch ein flaches Streckenprofil und ein geringes Verkehrsaufkommen, das ein gleichmäßiges Dahinrollen erlaubt.

Bei seiner anschließenden Ankunft in Helsinki hat Plattner insgesamt 13.864 Kilometer absolviert und dabei 624,11 Liter Kraftstoff verbraucht. Dies entspricht einem beachtlichen Gesamtdurchschnittsverbrauch von 4,5 Litern pro 100 Kilometer. Auf dem letzten 437 Kilometer langen Abschnitt von St. Petersburg in die finnische Hauptstadt verbucht der Roomster einen Verbrauch von 4,21 Litern.

Facelift im Jahr 2010

Im Frühjahr 2010 erfährt die Modellreihe eine tiefgreifende Modellpflege. Auf dem Genfer Automobilsalon vom 4. bis 14. März präsentiert Skoda das "neue Gesicht" des Roomster sowie des technisch verwandten Fabia. Ein komplett neu entwickelter Vorderwagen mit veränderter Formensprache lässt das Raumwunder bei identischer Fahrzeughöhe optisch niedriger und breiter wirken, was dem Fahrzeug ein wesentlich dynamischeres Erscheinungsbild verleiht.

Skoda Roomster (2006-2015)

Skoda Roomster (ab 2010)

Bild von: Skoda

Auch die Scout-Variante erhält im Zuge dieses Facelifts ein optisches und technisches Update. Im Inneren halten modernere Infotainment-Systeme Einzug und die Motorenpalette wird auf effiziente TSI-Benziner und Common-Rail-TDI-Dieselmotoren umgestellt, die fortan die strengere Euro-5-Norm erfüllen.

Der Skoda Roomster bleibt bis in das Jahr 2015 hinein ein fester Bestandteil des Modellprogramms, ehe die Produktion nach rund 370.000 gebauten Exemplaren ohne direkten Nachfolger eingestellt wird. Pläne für eine zweite Generation auf Basis des Volkswagen Caddy werden kurz vor der Serienreife verworfen.