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Keine Fusion von Stellantis und Renault - trotz Gerüchten

Die beiden Unternehmen haben ein gemeinsames Ziel: die Rettung von Kleinwagen

Renault 5 E-Tech Electric
Bild von: Renault

Mit 14 Automarken unter dem Dach des Unternehmens ist Stellantis bereits ein automobiler Moloch. Renault ist auch nicht gerade klein, wenn man bedenkt, dass das Unternehmen die Sportwagenmarke Alpine und den Billigautohersteller Dacia besitzt.

Trotz Berichten, die eine mögliche Verbindung andeuten, wollen die beiden Unternehmen ihre Kräfte nicht bündeln. In einer Rede auf dem "Future of the Car Summit" der Financial Times in London sagte der Stellantis-Vorsitzende John Elkann (zitiert von Reuters) erklärt: "Wir sprechen nicht über eine Fusion."

Das ist kaum eine Überraschung. Stellantis hat ohnehin schon genug Sorgen. Carlos Tavares ist im Dezember 2024 zurückgetreten, und das Unternehmen hat noch keinen Nachfolger benannt. Laut der Automotive News ist Nordamerika-Chef Antonio Filosa der führende Kandidat für die Nachfolge, die in den kommenden Wochen offiziell bekannt gegeben werden soll.

Der neue CEO wird vor großen Herausforderungen stehen, da Stellantis mehrere leistungsschwache Marken führt. Chrysler ist nur noch ein Schatten seiner selbst, und die Wiederbelebung von Lancia bleibt hinter den Erwartungen zurück. Hinzu kommt DS Automobiles, eine französische Luxusmarke, in die das Unternehmen weiterhin Geld steckt, ohne greifbare Ergebnisse zu erzielen. Die Umstellung von Abarth auf vollelektrische Fahrzeuge zündet bislang auch nicht richtig. Kurzum, Stellantis hat dringendere Prioritäten als die Abwicklung einer großen Fusion.

Stellantis selbst ist aus einer Fusion hervorgegangen, die Anfang 2021 stattfand, als FCA und PSA sich zu einem einzigen Unternehmen zusammenschlossen. Eine Partnerschaft mit Renault hätte Peugeot und Citroën von Rivalen zu Verbündeten gemacht. Betrachtet man diese hypothetische Situation aus einem anderen Blickwinkel, so hätte eine Allianz zwischen Stellantis und Renault zu mehr europäischen Autos in den Vereinigten Staaten führen können. Doch selbst wenn eine Fusion vom Tisch ist, wird Alpine noch in diesem Jahrzehnt in Nordamerika starten.

Ein möglicher Zusammenschluss zwischen Stellantis und Renault wäre durch die bestehenden Verbindungen von Renault zu Nissan und Mitsubishi, die sich beide in Schwierigkeiten befinden, weiter erschwert worden. Da Stellantis bereits alle Hände voll zu tun hat, um so viele Marken zu verwalten, ist es verständlich, dass Elkann die Fusionsgerüchte zurückgewiesen hat.

Bildergalerie: Lancia Ypsilon (2024)

Stellantis steht vor Herausforderungen, die durch einen 12-prozentigen Rückgang der Auslieferungen im Jahr 2024 aufgrund "vorübergehender Lücken im Produktangebot" noch verschärft werden. Was die Renault-Gruppe betrifft, so verzeichneten alle drei Marken im vergangenen Jahr höhere Absatzzahlen: Renault stieg um 1,8 Prozent auf 1.577.351 Fahrzeuge, Dacia um 2,7 Prozent auf 676.340 Einheiten und Alpine um 5,9 Prozent auf 4.585 Einheiten.

Obwohl es nicht zu einer Fusion kommt, haben die beiden Unternehmen ein gemeinsames Anliegen. Stellantis-Chairman John Elkann und Renault-CEO Luca De Meo sind sich einig, dass Kleinwagen in Europa überleben müssen. Sie sind jedoch besorgt, dass die immer strengeren Emissionsvorschriften kleine und kompakte Verbrenner-Autos unrentabel machen. Das ist eine echte Sorge, die kürzlich auch vom Volkswagen-Konzern geäußert wurde. Wir haben bereits den Ford Fiesta verloren, und der Focus ist der nächste, dem wahrscheinlich noch weitere folgen werden, wenn sich die Gesetzgebung nicht ändert.

Zwar hat die Europäische Union den Autoherstellern kürzlich mehr Zeit eingeräumt, um die ab 2025 geltenden Emissionsvorgaben zu erfüllen, doch werden die Vorschriften bis 2030 noch strenger werden. Nur fünf Jahre später wird der Verkauf von Neuwagen mit schädlichen Emissionen in der EU vollständig verboten sein.