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Nissan immer tiefer in der Krise, streicht 20.000 Jobs

Neuer Chef Espinosa plant Kahlschlag bis 2027

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Wenn Sie in den letzten Woche und Monaten unsere Seite konsumiert haben, wissen Sie: Nissan steckt in ernsten Schwierigkeiten. Wie ernst, wurde heute nochmal so richtig klar: Der japanische Automobilhersteller verdoppelt überraschend den geplanten Stellenabbau. Ursprünglich war von 10.000 Arbeitsplätzen die Rede, nun sollen laut dem japanischen Sender NHK bis zu 20.000 Stellen gestrichen werden. Das berichtet unter anderem Bild.

Die Ankündigung erfolgt nur wenige Stunden vor der Veröffentlichung der aktuellen Geschäftszahlen – ein deutliches Signal für die ernste Lage des Unternehmens. Nun will der neue CEO Ivan Espinosa, der erst seit 1. April im Amt ist, einen knallharten Sanierungskurs fahren, der bis 2027 gut 15 Prozent der gesamten Belegschaft an Standorten in Japan, den USA und Europa treffen dürfte.

Deutlich höhere Verluste als erwartet

Für das abgelaufene Geschäftsjahr rechnet das Unternehmen mit einem Nettoverlust von bis zu 750 Milliarden Yen (ca. 4,6 Milliarden Euro). Ursprünglich hatte man mit einem Fehlbetrag von 80 Milliarden Yen (ca. 490 Millionen Euro) kalkuliert. Die massiven Verluste resultieren vor allem aus Abschreibungen in Nord- und Südamerika, Europa und Japan, die die Bilanz mit über 500 Milliarden Yen belasten. Zusätzlich fielen rund 60 Milliarden Yen an Kosten für den Konzernumbau an.

Geplantes Batteriewerk abgesagt

Im Zuge der drastischen Sparmaßnahmen wird auch ein bedeutendes Zukunftsprojekt eingestellt: Ein ursprünglich für 2028 geplantes Batteriewerk für Elektrofahrzeuge auf der Insel Kyushu wird nicht gebaut. Die Investition in Höhe von etwa 990 Millionen Euro) hätte 500 neue Arbeitsplätze geschaffen. Trotz zugesagter staatlicher Fördermittel kommt Nissan zu dem Schluss, dass sich das Projekt wirtschaftlich nicht rentiere.

Fusionsgespräche mit Honda gescheitert

Noch im Dezember 2024 hatte es Hoffnung auf eine strategische Allianz mit Honda gegeben. Ziel war die Gründung einer gemeinsamen Holding. Doch im Februar 2025 gaben beide Unternehmen das Ende der Fusionsgespräche bekannt. Hinter den Kulissen scheiterte die Fusion wohl an gegenseitigem Misstrauen: Nissan wollte keine Tochtergesellschaft von Honda werden. Auch Mitsubishi, ebenfalls Teil der Renault-Nissan-Allianz, zeigte sich zögerlich. Ein möglicher Einstieg des taiwanesischen Technologiekonzerns Foxconn kam ebenfalls nicht zustande.

Trumps Zollpolitik belastet Absatz in den USA

Ein besonders harter Schlag für Nissan ist die neue Zollpolitik der US-Regierung. Der Verkauf des wichtigsten Modells in den USA, des SUVs „Rogue“, ist seitdem massiv eingebrochen. Das Modell machte 2024 rund ein Viertel des US-Absatzes von Nissan aus.