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Carlos Ghosn sagt, Nissan ist in einer 'verzweifelten Situation'

Der einstige CEO behauptet zu wissen, was schief lief

Carlos Ghosn
Bild von: Nissan

Man kann über Carlos Ghosn sagen, was man will, aber er weiß, wie man Kontroversen anfacht. Nachdem er Ende 2019 aus dem Hausarrest geflohen und in den Libanon geflüchtet ist, spricht der ehemalige Nissan-Chef immer noch von Zeit zu Zeit mit der Presse. Bei jedem Medienauftritt übt er scharfe Kritik an seinem ehemaligen Arbeitgeber, und sein jüngstes Interview mit dem französischen Nachrichtensender BFM TV ist da keine Ausnahme.

Der 71-jährige ehemalige Manager von Nissan, Renault und deren Allianz behauptet, er habe die Probleme des japanischen Automobilherstellers kommen sehen: "Ich habe den Niedergang von Nissan und das Verschwinden der Allianz vorausgesehen". Mit dem ersten Teil mag er Recht gehabt haben, aber die beiden Unternehmen sind immer noch verbunden, auch wenn die Partnerschaft nicht mehr so stark ist wie früher. Die Überkreuzbeteiligung ist von 15 auf 10 Prozent gesunken, und Renault übernimmt Nissans 51-prozentige Beteiligung an deren indischen Aktivitäten.

Bild von: Nissan

Was die Fehler bei Nissan angeht, so macht Ghosn vor allem die Führung des Unternehmens verantwortlich: "Entscheidungen, die zu langsam getroffen wurden", sagte er und fügte hinzu, dass "die meisten Probleme beim Management von Nissan liegen." Der ehemalige CEO, der dafür bekannt ist, seine Meinung zu sagen, hielt sich nicht zurück: "Das Unternehmen befindet sich in einer verzweifelten Lage" und ist gezwungen, bei einem seiner wichtigsten Konkurrenten in Japan um Hilfe zu betteln.

Dieser Konkurrent ist Honda. Allerdings ist die geplante Megafusion zwischen den beiden Unternehmen nur wenige Monate nach Beginn der Verhandlungen gescheitert. Ghosn glaubt, dass ein Superunternehmen, das aus einer Fusion von Nissan und Honda hervorgegangen wäre, "keinen Sinn macht". Im vergangenen August erklärte er gegenüber Automotive News, dass Honda eine "verdeckte Übernahme" geplant habe, die das Unternehmen "auf den Fahrersitz" gesetzt hätte.

Damit hatte er nicht unrecht. Als die Gespräche scheiterten, gab Honda zu, dass es keine Fusion unter Gleichen anstrebte, sondern stattdessen Nissan zu einer Tochtergesellschaft machen wollte:

"Honda schlug vor, die Struktur von der Gründung einer gemeinsamen Holdinggesellschaft zu einer Struktur zu ändern, in der Honda die Muttergesellschaft und Nissan die Tochtergesellschaft durch einen Aktientausch wäre."

Ghosn hielt auch hier nicht hinter dem Berg, nannte den Nissan-Honda-Fusionsversuch einen "verzweifelten Schachzug". Er bezeichnete die bestehende Allianz mit Renault als "klein und zerbrechlich" und sagte, Nissan sei "langweilig und mittelmäßig" geworden. In seinem jüngsten Interview mit BFM TV behauptete er, Nissan befinde sich "in der Flaute".

Zur Erinnerung: Ghosn steht unter dem Verdacht des Missbrauchs von Firmenvermögen, der Geldwäsche und der Korruption. Berühmt wurde seine Flucht in einem Privatjet, bei der er sich angeblich in einer Transport-Box für Audiogeräte versteckte, weil die Kiste nicht in die Durchleuchtungsanlage passte. Später dementierte er dieses Gerücht jedoch in einem Interview mit Fox Business Network: "Ich war nicht in einer Musikbox."