Cupra Leon Sportstourer e-Hybrid Facelift (2025) im Fahrbericht
Wie schlägt sich der sportliche Kombi mit aufgefrischter Optik, besserem Infotainment und stärkerem Hybrid?
Der Cupra Leon ist ein echter Erfolgsgarant. Für die junge spanische Marke war er sogar der Grundstein des Erfolgs und ist neben dem in die Jahre gekommenen Ateca das letzte Modell, das Cupra noch mit der ehemaligen Mutter Seat teilt. Im vergangenen Jahr erhielt der Kompakte nach vier Jahren ein Facelift. Dabei wurden nicht nur das Design und das Infotainment aufgefrischt, sondern auch die Antriebe überarbeitet.
Exterieur | Interieur | Antrieb | Fahrverhalten | Abt | Preise | Fazit
Was ist das?
Besonders die Plug-in-Version „e-Hybrid“ wurde deutlich aufgewertet. Mit einer Gesamtleistung von nun 272 PS, einem auf 1,5 Liter vergrößerten Vierzylinder und mehr als 100 Kilometern elektrischer Reichweite soll dieser Antrieb nun auch den sportlichen Ansprüchen der Marke gerecht werden. Wir hatten die Gelegenheit, den Neuen bereits zu testen.
Bildergalerie: Cupra Leon ST (2025) im Test
Cupra hat eine bemerkenswerte Entwicklung hinter sich. Erst 2018 gegründet, hat die Marke inzwischen nicht nur Seat überholt, sondern ist als emotionaler Newcomer in die Herzen der Autofans gefahren. Klar, dass sich die Spanier gern selbst feiern und ihre mittlerweile sieben Modelle bei besonderen Events präsentieren. In Österreich durften wir den Fahrspaß dieser Kandidaten nicht nur auf der Straße, sondern auch auf Schnee und Eis erleben.
Unsere Wahl fiel auf den Cupra Leon Sportstourer e-Hybrid. Fronttriebler, Kombi, Plug-in-Hybrid – klingt vernünftig, aber trägt er auch den Cupra-Spirit?
| Schnelle Daten | Cupra Leon ST 1.5 e-Hybrid VZ |
| Antrieb | Plug-in-HybridVierzylinder Benzinmotor, 1,5 Liter Hubraum, Elektromotor, Frontantrieb |
| Leistung | Benziner 130 kW / 177 PS, Elektro 85 kW / 116 PS, Gesamt 200 kW / 272 PS |
| Länge / Breite / Höhe | 4.656 x 1.799 x 1.466 mm |
| Preis | ab 50.550 Euro |
Exterieur
Optisch hat Cupra beim Facelift vor allem die Front des Leon schärfer gezeichnet. Die markante Frontmaske mit den sichelförmigen Lufteinlässen sorgt definitiv für Wiedererkennung. Mir persönlich gefiel jedoch die alte Front mit ihren klareren Linien besser. Neue adaptive LED-Scheinwerfer mit dreieckigen Signaturen setzen aber markante Akzente. Und einen coolen Namen hat das Ganze natürlich auch: "Ceremony Signatur".
Am Heck änderte sich wenig. Natürlich bekam auch der Leon das heutzutage unvermeidbare Leuchtband spendiert, in dessen Mitte stolz das Cupra-Logo leuchtet. Das sieht bei Nacht im Gegensatz zu beispielsweise Volkswagen nicht billig aus, sondern wirkt ziemlich cool.
Die Seitenlinie profitiert vom deutlichen Längenzuwachs gegenüber dem Fünftürer und wirkt sehr gestreckt. Dabei hat die Länge nicht nur räumliche Vorteile, aber dazu später. Auffallend sind die Bicolor-Felgen „Polar Black/Copper“, die in dieser Form bis vor einigen Jahren noch der Star jedes Tuningtreffens gewesen wären. Dahinter macht sich die starke Brembo-Bremsanlage im selben Farbton breit. Im Kontrast zum Lack in „Glacial White“ wirkt das alles schon sehr sportlich und edel.
| Abmessungen | Cupra Leon ST 1.5 e-Hybrid VZ |
| Länge | 4.656 mm |
| Breite | 1.799 mm |
| Höhe | 1.463 mm |
| Radstand | 2.681 mm |
| Leergewicht | 1.756 kg |
| Gesamtgewicht | 2.150 kg |
| Anhängelast | 1.700 kg |
| Stützlast | 80 kg |
| Dachlast | 75 kg |
| Kofferraumvolumen | 470 - 1.450 Liter |
Interieur
Innen hat Cupra analog zum Formentor auch die Karte „MIB 4“ gezogen, also den „Modularen Infotainment-Baukasten“ von Volkswagen in der vierten Generation genutzt. Und das ist ein bedeutender Fortschritt gegenüber der Vorgängervariante. Daher ist es weniger der mit 12,9 Zoll deutlich größere Bildschirm, sondern vielmehr die wesentlich vereinfachte Bedienung über flache, logische Menüs, frei wählbare Shortcuts und große Icons. Die nach wie vor unpraktischen Slider für Temperatur und Lautstärke sind nun wenigstens beleuchtet.
In Sachen Multimedia und Car Connection ist alles an Bord, was das Herz begehrt. Apple Carplay, Android Auto und der hauseigene Cupra Assistent funktionieren einwandfrei. Die unvermeidlichen, aber nervigen Systeme wie Spurhalter oder Tempolimitwarner lassen sich am Lenkrad schnell abschalten. In Zusammenarbeit mit Sennheiser entstand ein Hifi-System mit zwölf Lautsprechern, das sehr ausgewogen und kraftvoll klingt.
Die Qualitätsanmutung des Innenraums hat sich deutlich verbessert. Feinere Materialien, neu gestaltete Elemente und weniger Hartplastik vermitteln einen Hauch von Premium. Die haltstarken Schalensitze sind serienmäßig und bieten einen guten Komfort, da sie nicht zu eng geschnitten sind. Überhaupt nicht eng ist der Raum auf der Rücksitzbank, wo man für ein kompaktes Fahrzeug überraschend viel Knieraum hat, sogar mehr als im Konzernbruder Golf. Das große Panoramadach sorgt für viel Licht und eine luftige Atmosphäre – hier lässt es sich gut aushalten.
Im Kofferraum herrscht Platz in Hülle und Fülle, wobei der e-Hybrid gegenüber den anderen Varianten 150 Liter einbüßt. Die verbliebenden 470 Liter klingen aber weniger, als sie sind, denn die Reduzierung betrifft ausschließlich den Raum unter der Bodenplatte, der beim Gesamtvolumen mitgezählt wird. Hier bleibt nur ein kleines Fach übrig, das mit einiger Gewalt aber immerhin das Standart-Ladekabel aufnimmt. Wem das alles nicht reicht, klappt per Fernentriegelung die Rücklehnen um. Dann reichts für (fast) alle Bedürfnisse.
Antrieb
Auch Cupra greift auf die neuen Plug-in-Technologien der Volkswagen-Gruppe zurück. Wir hatten das stärkere Modell mit 272 PS im Test. Der 1,5 Liter große Vierzylinder liefert 177 PS, dazu kommt der 85 kW starke Elektromotor. Das Systemdrehmoment von 400 Nm sorgt beim Beschleunigen für ordentlich Schub. Die 7,1 Sekunden von 0 auf 100 km/h nimmt man dem Leon sofort ab.
Das Zusammenspiel zwischen den Systemen gelingt bei normaler Fahrt recht unauffällig. Wann immer möglich, wird der Verbrenner aus dem Spiel genommen und elektrisch gerollt. Bei Leistungsanforderung springt der Benziner wieder hinzu, was nicht ganz ruckfrei gelingt. Wie wichtig der Elektroschub für das Gesamtkonzept ist, wird beim Wechsel in den Modus „Ladestand halten“ deutlich. Hier muss der Verbrenner alleine arbeiten. Hier wird es dann ziemlich zäh.
Schade nur, dass man auch im scharfen Cupra-Modus keine Chance hat, selbst ins Geschehen einzugreifen. Wir würden uns da einen Performance-Modus wünschen, in dem der Verbrenner immer den Hauptpart spielt und der E-Motor als Power-Booster fungiert.
So aber wird der Benziner auch im Cupra-Mode ständig ausgeknipst und muss dann jedes Mal wieder anspringen, was zu deutlichen Verzögerungen im Ansprechverhalten führt. Das verhindert einen schönen Rhythmus, wenn man sich von Kurve zu Kurve schwingt und ist unnötig.
Der Sound des Vierzylinders ist, nun ja, nicht gerade ein Highlight. Aber Cupra hat da vorgesorgt und verschiedene Soundprofile hinterlegt. Ein Soundaktuator verstärkt den Klang und spielt ein dunkles, heiseres Ansauggeräusch in den Innenraum. Das klingt ganz nett, aber auch etwas künstlich. Im Test des Cupra Terramar mit gleichem Antrieb hat uns der Sound deutlich besser gefallen.
Zum Verbrauch können wir angesichts der winterlichen Bedingungen und des ungewöhnlichen Streckenprofils nichts wirklich Aussagekräftiges sagen. Die elektrische Reichweite soll bei mehr als 100 Kilometern liegen. Wir waren meist hybridisch unterwegs und verbrauchten neben 4,5 l/100 km Benzin auch ca. 20 kWh/100 km.
Die knapp 20 kWh fassende Batterie lässt sich sowohl an der Wallbox mit 11 kW als auch am Schnelllader mit maximal 50 kW laden, was im Umfeld der PHEV-Kollegen kein schlechter Wert ist.
| Fahrleistungen | Cupra Leon ST 1.5 e-Hybrid VZ |
| 0 - 100 km/h | 7,1 Sekunden |
| Höchstgeschwindigkeit | 229 km/h |
| elektrische Reichweite | 122 - 125 km nach WLTP |
| Verbrauch nach WLTP | 5,4 l/100 km hybridisch (bei entladener Batterie) |
Fahrverhalten
Mit dem adaptiven DCC-Fahrwerk beherrscht der Cupra wie auch seine Konzernkollegen meisterhaft den Spagat zwischen Komfort und Sportlichkeit. Die Spreizung ist enorm und im Gegensatz zu manch Wettbewerbern auch deutlich spürbar.
Mit seinem Frontantrieb ist der starke Hybrid natürlich anfällig für Traktionsprobleme, vor allem bei unserem Test auf verschneiten Strecken. Trotzdem hat er erstaunlich viel Grip und lässt sich mit leichtem Einpendeln auch schön durch die Kurven werfen.
Welch Fahrspaß im Leon tatsächlich steckt, konnten wir auf dem vereisten Testparcours mit der Top-Motorisierung – dem 333 PS starken Sportstourer VZ Extreme – erleben. Die ideale Einstellung hierzu: Performance-Mode, ESP komplett off (ist natürlich trotzdem nicht komplett off…) und los geht’s. Und nun kommt der eingangs erwähnte lange Radstand voll zum Tragen. Während der Fünftürer im Slalom und auf dem Handlingkurs recht zappelig und nervös wirkt, bietet der lange Kombi genau die richtige Mischung aus extremer Handlichkeit und Stabilität.
Das Auto macht unter rutschigen Bedingungen derart viel Spaß, dass man nicht genug bekommt. Durch den Allradantrieb lässt der Leon seinen Hintern ordentlich schwingen, ohne jemals das Gefühl zu geben, man wäre jenseits der Sicherheitsleine unterwegs. Mit leichten Gasstößen, die unmittelbar durchgestellt werden, lässt sich das Ganze wunderbar kontrollieren. Das kann der e-Hybrid mangels angetriebener Hinterachse naturgemäß nicht. Die fein abgestimmte Progressivlenkung hat er aber auch an Bord.
Jetzt geht’s Abt
Zusätzlich hatten wir auch die Gelegenheit, mit dem Leon Sportstourer in seiner ultimativen Form zu fahren. Der von Abt Sportsline aufgepimpte Cupra bietet mit glatten 400 PS und 470 Nm Drehmoment eine deutliche Leistungsspritze zum Serienmodell. Das Ding hängt bissig am Gas und hat trotz der Leistungssteigerung nur ein minimales Turboloch. Dann geht es nur noch brutal vorwärts, was durch das Brabbeln und Sprotzeln der Abgasanlage akustisch untermalt wird.
Dabei kann auch der Abt – trotz der Kriegsbemalung – sehr dezent im Alltag bewegt werden. Mit geschlossenen Auspuffklappen und abgeschaltetem Soundaktuator ist man sehr komfortabel unterwegs und kann auf der Drehmomentwelle reiten. Die Abt-Tieferlegungsfedern sind zwar deutlich straffer als die Serienteile, bieten aber doch noch genügend Restkomfort. Insgesamt ein beeindruckendes Paket!
Preise
An Selbstbewusstsein mangelt es Cupra nicht. Das ist überall zu spüren und endet auch nicht bei den Preisen. Unser Testwagen kratzt mit einigen Extras an der 60.000-Euro-Marke und kostet 59.885 Euro. Der Basispreis als e-Hybrid VZ liegt bei 50.550 Euro. Ein Golf GTE - allerdings als Hatchback - kostet übrigens ab 47.895 Euro, wir sagens ja nur.
Los geht die Reise im Leon Sportstourer bei 38.650 Euro. Dann bekommt man einen 1,5 TSI mit 150 PS. Ab 289 Euro im Monat kann man den auch leasen. Top of the Pop ist der VZ Extreme, der mit 333 PS ab 61.625 Euro zu haben ist. Allen gemein ist die fünfjährige Garantie bis 150.000 Kilometer. Hier sind die Spanier (auch Seat bietet diesen Umfang) den anderen Konzernmarken deutlich überlegen.
Fazit: 8/10
Der Cupra Leon Sportstourer war schon immer ein sehr gutes Auto und hat durch das Facelift noch zugelegt. Viel Platz, ein tolles Interieur und ein Hauch Exklusivität machen ihn zu einer spannenden Alternative in der kompakten Mittelklasse. Wer sportliche Fahrleistungen mit hohem Nutzwert und einem PHEV-Antrieb kombinieren will, wird hier fündig. Nur das Zusammenspiel der Antriebssysteme kann leider nicht vollends überzeugen.
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