VW Virtus 170 TSI (2025): Stufenheck-Polo im Brasilien-Test
Wäre die bei uns nicht erhältliche Limousine auch etwas für Europa?
Erinnern Sie sich noch an den VW Derby und den Polo Classic? Bei beiden handelte es sich um eher glücklose Stufenheck-Ableger der Polo-Baureihe. Zumindest in Europa. Woanders lebt die Idee weiter. Etwa in Brasilien in Gestalt des 4,56 Meter langen Virtus, der die aktuelle Polo-Plattform nutzt. Dort hat unser Kollege das Einstiegsmodell mit Schaltgetriebe getestet. Wäre es auch etwas für uns?
Neue und immer anspruchsvollere Vorschriften bei Emission und Sicherheit machen Neuwagen immer komplexer und teurer. Gleichzeitig trägt die Nachfrage der Öffentlichkeit nach bestimmten Technologien und Annehmlichkeiten dazu bei, das gewisse Dinge im Auto verschwinden. Dies ist der Fall beim Schaltgetriebe.
Es wurde aufgrund der Verbraucherpräferenz für Automatikgetriebe zunehmend aus dem Angebot genommen und ist nur noch in den Einstiegsversionen verschiedener Modelle auf dem brasilianischen Markt zu finden, wie zum Beispiel im VW Virtus. Unter der Motorhaube steckt der 1.0 Turbo in seiner sanftesten Konfiguration, dem 170 TSI, und im Innenraum bietet er ein anständiges Ausstattungspaket, aber sein Preis von 116.990 R$ (etwa 18.700 Euro; deutsche Kunden würden jubeln) trägt nicht dazu bei, seinen Kauf zu rechtfertigen.
Bei Volkswagen gibt es nur für den Virtus drei Turbomotoren: 170 TSI, mit Schalt- oder Automatikgetriebe; 200 TSI, nur Automatik; und den 250 TSI, der im Publikumsliebling Virtus Exclusive eingebaut ist. Die 109/116 PS (je nach Ethanolanteil des Kraftstoffs in Brasilien) und 165 Nm Drehmoment des 170 TSI werden in dieser Version per Fünfgang-Schaltgetriebe auf den Asphalt gebracht. [Anmerkung der deutschen Redaktion: In Brasilien scheint VW der einstigen Audi-Mode zu seltsamen Bezeichnungen gefolgt zu sein. 170 und Co. weisen auf das maximale Drehmoment hin.]
Der einzige Grund, warum dieser Virtus 170 TSI nicht die Basisversion ist, ist, dass die Marke vor kurzem den Virtus Sense vorgestellt hat, eine Version, die sich auf den Flottenmarkt konzentriert, aber mit der gleichen Technik. Außerdem gibt es 15-Zoll-Leichtmetallfelgen, die trotz der unlackierten Teile an der Front, die im Kontrast zu den Voll-LED-Scheinwerfern stehen, nicht zu einfach aussehen.
Im Innenraum unterbricht die glänzende graue Kunststoffverkleidung die Abfolge von Hartplastik, die überall verstreut ist, mit einigen Graten, zum Beispiel an den Türen. Das Lenkrad erhält keinen Bezug aus Leder und ist ein älteres Stück als bei den anderen Versionen, ebenso wie die Stoffsitze mit integrierten Kopfstützen.
Dafür gibt es ein digitales 8-Zoll-Instrumentenbrett und VW Play Multimedia, das dank drahtloser Spiegelung von einer Induktionsladestation für Smartphones übertragen wird. Der Basis-Virtus verfügt über einen Tempomat, aber ohne Abstandsassistent, und die Rückfahrkamera wurde hinzugefügt, wobei die Aufgabe der Einparkhilfe allein dem hinteren Sensor überlassen wurde. Wenigstens muss er nicht auf sechs Airbags verzichten, die der brasilianische Polo Fließheck in keiner Version hat.
Wenn manuelle Autos auf dem Markt seltener werden, verschwinden sie auch aus unserem Testalltag. Was schade ist. Bei diesem Virtus 170 TSI habe ich mich an die Strategie erinnert, die Volkswagen einst in Brasilien bei der Einführung des Up TSI verfolgt hat: ein 1,0-Liter-Turbomotor mit gutem Drehmoment und ein Getriebe mit langen Übersetzungen zugunsten des Verbrauchs.
Ohne das "Gewicht" des Automatikgetriebes und des Drehmomentwandlers ist der 1,0-Liter-Motor freier und intelligenter. Die Verzögerung, die wir beim automatischen 1.0 TSI zwischen der Beschleunigung und dem tatsächlichen Hochdrehen des Autos sehen, ist viel weniger spürbar.
Die Kupplung ist leicht und gut dosierbar, während der Schalthebel VW-typisch ist, mit festem, leichtem Einrasten und kurzem Hebelweg. Vor 2.000 Umdrehungen pro Minute fordert die Schaltanzeige zum Hochschalten auf, und trotzdem entwickelt der Virtus eine gute Geschwindigkeit, besonders in der Stadt. Das kommt dem Verbrauch zugute.
Das heißt aber nicht, dass das Auto auf der Autobahn schwach ist. Er hält auch mit Passagieren auf der Autobahn gut mit. Eine gute Dynamik mit gutem Verhältnis von Handling und Komfort, das die Limousine seit ihrer Markteinführung bietet, noch mehr mit den größeren 195/65er-Reifen.
Unter den kompakten Limousinen ist der VW Virtus eine derjenigen mit dem besten Kofferraumvolumen von 521 Liter. Er bringt die Insassen gut unter, obwohl es in dieser Version keine Klimaanlage für die Rückbank gibt, und bietet vier Erwachsenen bequem Platz, wobei der fünfte immer benachteiligt ist, was bei den Kompakten üblich ist.
Aber lassen Sie uns über die Preise sprechen. Der Virtus 170 TSI mit Schaltgetriebe kostet 116.990 R$. Doch der Virtus 170 TSI Automatik ist mit 119.990 R$ kaum teurer, zumal hier ein adaptiver Tempomat und andere Extras bereits inklusive sind..
Mit anderen Worten: So gut die Limousine mit Schaltgetriebe auch ist, der Unterschied zwischen dem Komfort der Automatik und mehr Ausstattung ist zu gering. Da ist der Virtus Sense für 105.990 R$ (16.900 Euro) sinnvoller, auch wenn er auf die Leichtmetallräder, die Türgrifflackierung und die Rückspiegelabdeckungen, das Multimedia-Center und das Induktionsladegerät verzichtet, aber die gleichen Fahreigenschaften und das gleiche Platzangebot hat. Und so verschwinden und verschwinden manuell geschaltete Autos...
Auch interessant
VW hat eine viertürige Limousine in ein Cabriolet verwandelt
Citroen Saxo VTS: Der kleine Landstraßen-König wird 30
VW Virtus GTS Concept: Ein Polo GTI mit Stufenheck ... zumindest fast
Letzte Chance für Verbrenner-Macan: Porsche stockt Bestand vor Produktionsende auf
Die internationalen Modelle der großen Hersteller
Range Rover SV Ultra: Spitzenmodell wird zum Konzertsaal
VW Virtus: Der Stufenheck-Polo