VW Touran (2024) mit 2.0 TDI und 7-Gang DSG im Test
Kann ein stinknormaler Van mit einem ganz konventionellen 150-PS-Diesel heute noch begeistern?
Gibt es eigentlich noch Vans? Diese Frage stellten wir uns bei einem Treffen mit unseren Motorsport-Kollegen Anfang März 2024. Nach einem kurzen Brainstorming kamen wir auf den BMW 2er Active Tourer und die B-Klasse von Mercedes-Benz. Den VW Touran hatten wir nicht mehr auf dem Schirm. Aber es gibt ihn immer noch. Neu. Im Konfigurator. Fast 10 Jahre nach der Markteinführung der aktuellen Generation. Höchste Zeit für eine erneute Testfahrt, oder?
Was ist das?
Offiziell präsentiert wurde er auf dem Genfer Auto-Salon im März 2015. Am 26. Mai 2015 war der Produktionsstart im Werk Wolfsburg. In Deutschland ist er seit April 2015 bestellbar gewesen. Die ersten Fahrzeuge wurden dann im September 2015 ausgeliefert. Bei Markteinführung war der Touran zu einem Listenpreis ab 23.350 Euro erhältlich. Als "Trendline" mit 110-PS-Benziner und 6-Gang-Schaltgetriebe. Unser Testwagen kostet in der Basis mittlerweile mehr als das Doppelte. Ist aber auch weit weg von einem Basismodell von vor fast 10 Jahren.
| Schnelle Daten | VW Touran Highline 2.0 TDI 110 kW 7-Gang DSG |
| Motor | 2,0-Liter-Vierzylinder-Turbodiesel |
| Getriebe | 7-Gang-DSG |
| Antrieb | Frontantrieb |
| Leistung | 110 kW (150 PS) bei 3.500 - 4.000 U/min |
| Drehmoment | 360 Nm bei 1.600 - 2.750 U/min |
| Basispreis | 51.605 Euro |
Basierte der Touran II zu Beginn seiner Karriere noch auf der MQB-Version des Golf VII (ja, mittlerweile gibt es schon das Facelift des Golf VIII), so wurde das Modell doch immer irgendwie frisch und modern gehalten. Mit neueren Motoren, aktuellen Fahrassistenzsystemen und veränderten Ausstattungsumfängen.
Bildergalerie: VW Touran 2.0 TDI Highline (2024) im Test
Trotzdem sind die fetten Touran-Jahre mittlerweile auch in Deutschland vorbei. Wurden im ersten vollen Verkaufsjahr 2016 noch über 50.000 Einheiten neu zugelassen, waren es im vergangen Jahr 2023 nur noch knapp 17.000 Exemplare. Übrigens über den gesamten Zeitraum in einem nahezu 50:50-Verhältnis zwischen Benziner und Diesel.
Aber ist die Abkehr vom Touran gerechtfertigt oder macht das in die Jahre gekommene Modell ohne jegliche Lifestyle-Ambitionen in einer Welt voller SUVs und Crossover, Multivans und ID.Buzzes überhaupt noch Sinn. Vor allem bei einem Basispreis von über 50.000 Euro für unseren Testwagen? Wir haben dafür die Familie eingeladen, unseren Angelkram gepackt und sind über ein verlängertes Wochenende nach Mecklenburg-Vorpommern gefahren, um diesen Fragen auf den Grund zu gehen ...
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Exterieur | Interieur | Fahrbericht | Preise | Fazit
Exterieur
In den Abmessungen ähnelt der Touran nahezu dem aktuellen Tiguan. Er ist nur etwas schmaler und dafür aber höher. Außerdem ist der Radstand deutlich länger und ... nun ja ... es passt halt viel mehr Gepäck rein. Oder eben bis zu sieben Personen. Dafür bekommt man aber halt nicht die neueste VW-Designsprache (ob die erstrebenswert ist, sei mal dahingestellt), sondern eine auf quadratisch-praktisch-gut aufgeblasene Golf-VII-Optik.
| Abmessungen & Gewichte | VW Touran Highline 2.0 TDI 110 kW 7-Gang DSG |
| Länge x Breite x Höhe | 4.527 mm x 1.829 mm x 1.668 mm |
| Radstand | 2.786 mm |
| Sitzplätze | 7 |
| Kofferraumvolumen | 834 - 1.980 Liter |
| Leergewicht | 1.631 kg |
| Zuladung | 599 kg |
| Anhängelast | 750 kg (ungebremst) / 1.800 kg (bei 12% Steigung) |
Trotzdem sieht dieser Van doch irgendwie ganz cool aus. Langweilig-cool zwar, aber gerade das "Atlantik Blue Metallic" (die einzige echte Farbe im Programm, die 810 Euro Aufpreis kostet) und die 18-Zoll-Felgen namens "Marseille" (für 915 Euro zusätzlich) machen schon was her. Dazu moderne LED-Beleuchtung ringsum und Privacy-Verglasung an den hinteren Glasflächen schon vergisst man zumindest halbwegs, dass man mit diesem Auto trotzdem keine Blicke auf sich ziehen wird.
VW Touran 2.0 TDI Highline (2024) im Test
VW Touran 2.0 TDI Highline (2024) im Test
Unseren Fahrgästen ist das sowieso egal. Sie wollen einfach nur halbwegs komfortabel an die rund 600 km entfernte Seenplatte kommen und dabei soll am besten auch noch das ganze Gepäck mitkommen. Beim ersten Anblick fällt dann recht schnell das Urteil: Klappt nicht. Zu klein wirkt der Touran von außen. Aber an Ende entpuppt sich der klein wirkende Kompakt-Van dann doch als echtes Raumwunder.
Interieur
Im Interieur setzt sich aber erst einmal die nüchterne Sachlichkeit fort. Im Cockpit findet man mittlerweile zwar auch digitale Instrumente, Touchslider und einen ansprechend großen Infotainment-Bildschirm in der Mittelkonsole, aber alles mieft doch irgendwie noch gewaltig nach Golf VII. Trotz Hütte-voll-Highline-Ausstattung. Ey VW ... wer es einfach nur praktisch will, muss doch nicht unbedingt in grau-schwarzer Tristesse reisen wollen, oder?
VW Touran 2.0 TDI Highline (2024) im Test
Aber der Touran will auch gar nicht in der ersten Reihe irgendwelche Highlights setzen (obwohl die Massagesitze nach 300 km am Stück dann schon ganz nett sind), sondern Überzeugungsarbeit vor allem im hinteren Fahrzeugteil setzen. Mit Ladebuchsen für mobile Endgeräte, Klapptischen an den Rückenlehnen, Cupholdern und vor allem mit Variabilität bei den Sitzkonfigurationen in Hülle und Fülle.
VW Touran 2.0 TDI Highline (2024) im Test
VW Touran 2.0 TDI Highline (2024) im Test
Die Einzelsitze der Rückbank sind schnell verschoben, der Mittelsitz umgeklappt, die letzte Reihe im Kofferraumboden verstaut und der Platz unter dem doppelten Ladeboden mit den ersten Gepäckstücken befüllt. Machen wir es kurz: Am Ende finden vier Erwachsene mit persönlichen Reiseutensilien und privater Angelausrüstung sowie Verpflegung für fünf Tage in dem MQB-Raumwunder Platz. Easy. Nur bei den sperrigen und empfindlichen Angelruten mussten wir kreativ werden. Aber hier hat sich die Ablage auf dem Gepäckschutzgitter und einem Expander bewährt, der zwischen den Haltegriffen im Fond gespannt wurde.
Fahrbericht
Also Abfahrt. Wie zu erwarten ist so ein Kompakt-Van mit 150-PS-Diesel keine Performance-Offenbarung. Aber untermotorisiert kommt man sich auf unbegrenzten Autobahnen auch nicht vor. Selbst wenn man die Zuladung ans Maximum getrieben hat. Antrieb, Lenkung, Fahrwerk erinnern insgesamt an einen trägeren und etwas unausgegoreren Golf von vor ein paar Jahren. Stören tut das aber alles nicht. Die Mitfahrer schon gar nicht und selbst als Fahrer kommt man damit zurecht.
| Fahrleistungen | VW Touran Highline 2.0 TDI 110 kW 7-Gang DSG |
| 0-100 km/h | 9,3 Sek. |
| Höchstgeschwindigkeit | 206 km/h |
| Verbrauch | 5,3 l/100km (WLTP) / 7,4 l/100km (Testverbrauch) |
| CO2-Emissionen | 140 g/km |
Nervig sind eigentlich nur die harten Stöße, die das Fahrwerk in Verbindung mit den großen Felgen ab und an an den Fahrgastraum weitergibt. Und die ab 130 km/h doch sehr deutlich zu vernehmenden Windgeräusche. Ansonsten: Travel Assist an, Lieblingsmusik über Apple CarPlay oder Android Auto ausgewählt ... und entspannen.
Preise
Hier kommt der Knackpunkt. Denn gerade für preissensible Familien ist dieser Testwagen nun wirklich keine finanzgünstige Alternative mehr. Den Basispreis von über 50.000 Euro haben wir weiter oben schon erwähnt. Dazu noch ein bisschen Sonderausstattung, Individualisierung und Zubehör und schnell ist man der Nummer 6 an der ersten Stelle ein gutes Stück näher. Für einen Kompakt-Van wohlgemerkt. Uff.
Und wirklich günstiger wird es auch nicht, wenn man sich für die darunter liegende "Comfortline" mit 150-PS-Benziner und 6-Gang-Schaltgetriebe entscheidet. Dann liegt man zwar bei "nur" rund 45.000 Euro, aber wenn man wirklich nur Platz für Gepäck und sieben Sitze braucht und man sonst keinerlei automobile Ambitionen hegt, ist man bei Dacia vermutlich besser aufgehoben. Da gibt's den Hochdachkombi Jogger mit genau diesen Features. Ab 17.900 Euro.
Fazit: 7/10
Ein guter und flexibler Van mit all den Vorteilen der Fahrzeugklasse ist der VW Touran auch nach knapp 10 Jahren auf dem Markt immer noch. Technisch und optisch ist er ebenfalls am Zahn der Zeit. Allerdings können wir schon verstehen, dass die Zulassungszahlen mittlerweile stark zurückgegangen sind. Wir wären auch nicht wirklich gewillt, rund 50.000 Euro für ein Kompaktmodell auszugeben, das vor allem (oder halt eben nur) durch praktisches Understatement überzeugen kann.
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