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BMW-Chef Zipse warnt EU vor Scheinlösung beim Verbrenner-Aus

Auch die Strafzölle für Autos aus China sieht der CEO skeptisch

Oliver Zipse, Vorstandsvorsitzender BMW AG

BMW hat seine Bilanzzahlen für das erste Halbjahr 2024 vorgelegt. Das Konzernergebnis vor Steuern betrug rund 3,9 Mrd. Euro, was einer EBIT-Marge im Konzern von 10,5 Prozent entspricht. Im ersten Halbjahr lag der weltweite Absatz der BMW Group auf Vorjahresniveau.

Die Marke BMW wuchs weltweit um 2,3 Prozent bzw. um 6,2 Prozent, wenn man den chinesischen Markt ausklammert. Globale Wachstumstreiber sind vollelektrische Fahrzeuge und die Modelle aus dem oberen Premiumsegment, die beide zweistellig wuchsen.

Bildergalerie: BMW X3 20 xDrive (2024)

So weit, so gut. BMW-Chef Oliver Zipse nutzte die Präsentation der Zahlen aber auch, um der EU einiges ins Stammbuch zu schreiben. "Ich habe oft betont: Einem Hype unreflektiert zu folgen, ist noch keine Strategie. Zudem sind und waren Emotionalität und Nervosität noch nie gute Ratgeber.", so Zipse.

Zipse weiter: "Der effektivste Beitrag zum Klimaschutz ist der, den wir schon heute leisten. Sprich, jede Tonne CO2, die wir heute einsparen und nicht erst in der Zukunft. Dafür muss auch der Einsatz von CO2-armen Kraftstoffen wie eFuels, E 25 oder HVO100 gefordert und gefördert werden – und zwar so schnell wie möglich und in großer Breite."

Diese Kraftstoffe würden laut dem CEO sofort die CO2-Bilanz der Bestandsflotte von mehr als 250 Millionen Fahrzeugen in der EU verbessern.

Doch Zipse hadert mit der Politik: "Momentan sehen wir aber vor allem das Risiko, dass eFuels in der Debatte um das Verbot von Verbrennungsmotoren ab 2035 politisch instrumentalisiert werden. Aktuell deutet nämlich vieles darauf hin, dass die EU-Kommission hier eine Scheinlösung anstrebt, in der das Verbot von Verbrennungsmotoren allein durch eine vorgebliche Öffnung gegenüber eFuels gelockert wird.

Wenn sie dann allerdings nichts unternimmt, um den Hochlauf CO2-armer Kraftstoffe zu beschleunigen und den Einsatz auch praktikabel zu machen, wäre das ein gezieltes Verbrenner-Verbot durch die Hintertür.

Wir halten das kategorische Verbot der Verbrennertechnologie nach wie vor für falsch. Und wir stehen auch öffentlich zu unseren hocheffizienten Motoren und der Plug-in-Hybrid-Technologie, wie sie zum Beispiel in unserem neuen BMW X3 zum Einsatz kommen."

Auch zu den voraussichtlichen Strafzöllen auf chinesische Auto-Importe hat Zipse eine klare Meinung, die verständlich wird, wenn man weiß, dass der BMW iX3 und der neue Elektro-Mini in China gefertigt werden.

"Die Einführung von zusätzlichen Importzöllen, wie sie die EU vorläufig verhängt hat, führt in eine Sackgasse. Solche Maßnahme stärken nicht die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Hersteller. Im Gegenteil.

Die EU-Zölle auf BEVs aus China treffen vielmehr europäische Hersteller wie die BMW Group, die auch in China für den europäischen Markt produzieren. Außerdem schränken zusätzliche Zölle das Angebot von E-Autos für europäische Kunden ein. Das kann dazu führen, dass sich die Dekarbonisierung im Verkehrssektor verlangsamt.

Maßnahmen provozieren immer Gegenmaßnahmen. Dabei hängt nicht zuletzt die Umsetzung des Green Deals in Europa auch an Rohstoffen und Technologie insbesondere aus China."