Vermutlich wissen es nur absolute Kenner der Marke: Alfa Romeo hat lange auch Nutzfahrzeuge gebaut. Zwischen 1930 und 1967 laufen schwere Lastwagen vom Band, in den 1950ern zudem kurz der Geländewagen Matta. Von 1954 bis 1983 gibt es den Alfa Romeo Romeo (kein Tippfehler!) respektive die spätere F11- bis A12-Serie. 

Zum Nachfolger dieser Transporter-Baureihe werden zwei Fahrzeuge, die beim Betrachter spontan Erstaunen hervorrufen: ein Fiat Ducato und ein Iveco Daily mit Alfa-Scudetto im Grill. Da muss doch Photoshop im Spiel sein! Niemals gab es sowas! Doch. Aber nur in Italien.

Bildergalerie: Alfa Romeo AR6 (1985-1989)

Der Reihe nach: Alles beginnt 1978 mit einem Joint Venture namens "Sevel". Diese Abkürzung steht für "Società Europea Veicoli Leggeri", also in etwa "Europäische Gesellschaft für leichte Nutzfahrzeuge". Die Konzerne Fiat und PSA sind jeweils zu 50 Prozent beteiligt, gewissermaßen eine Vorstufe zum heutigen Stellantis-Verbund.

Im italienischen Atessa entsteht ein großes Werk, welches bis heute existiert. Der wirtschaftliche Hintergrund liegt auf der Hand: Die gemeinschaftliche Entwicklung von Nutzfahrzeugen spart Geld und Ressourcen. Ähnliche Beispiele sind der erste Mercedes Sprinter alias VW LT, Toyota im Verbund mit Stellantis oder ganz aktuell der neue VW T7 Transporter auf Basis des Ford Transit/Tourneo Custom.  

Aber zurück in die frühen 1980er-Jahre zu Sevel: Dort laufen ab Januar 1982 der Fiat Ducato I sowie Citroën C25, Peugeot J5 und Talbot Express (Typ 280) als leichte Nutzfahrzeuge bis August 1990 vom Band.

Alfa Romeo AR6 (1985-1989)

Alfa Romeo AR6 (1985-1989)

Das Joint Venture zeigt sich an nahezu baugleichen Fahrzeugen der ursprünglich fünf und zuletzt noch drei Marken der beiden Kooperationspartner. So ist die erste Ducato-Generation weitgehend baugleich mit dem Peugeot J5, Citroën C25 und dem Talbot Express.

In Italien wird der Ducato schließlich von April 1985 bis Dezember 1989 auch unter dem Namen Alfa Romeo AR6 angeboten. Warum so spät? Nun, in dieser Phase bahnt sich die Übernahme von Alfa durch Fiat an. Und nach dem Auslaufen des A12 scheint die Marke aus Arese offenbar noch einen Kundenstamm für leichte Nutzfahrzeuge zu sehen.

Bildergalerie: Alfa Romeo AR8 (1978-1988)

Der anscheinend groß genug ist, um in Gestalt des Alfa Romeo AR8 noch eine Schippe draufzulegen. Schon seit 1973 entwickeln Fiat, Alfa Romeo und Officine Meccaniche (OM) einen großen Transporter als Fiat S-Reihe, der schließlich 1978 als Fiat Daily präsentiert wird. Später vereinheitlicht man die Baureihe zum Iveco Daily.

Auch der Alfa Romeo AR8 gibt es wie den späteren AR6 ausschließlich in Italien. Die AR -Reihe umfasst zunächst drei Grundmodelle: "30 AR.8", "35 AR.8" und "40 AR.8", deren Nutzlast zwischen 1.300 und 2.000 kg variiert.

Alle Modelle sind mit demselben "Fiat-Sofim 8140"-Dieselmotor ausgestattet, einem 4-Zylinder-Motor mit indirekter Einspritzung und Vorkammer. Der Motor hat einen Hubraum von 2.445 ccm und leistet 72 DIN-PS bei 4.200 U/min. Das Getriebe verfügt über fünf Vorwärtsgänge und einen Rückwärtsgang.

Alfa Romeo AR8 (1978-1985)

Alfa Romeo AR8 (1978-1981)

Das Fahrgestell entspricht mit seinen C-Längsträgern den Kriterien für schwerere Nutzfahrzeuge. Hinzu kommen Scheibenbremsen an der Vorderachse. Das Fahrerhaus ist ein Halbvorderwagen, bei dem die Vorderachse vor den Türen liegt.

Die Baureihe umfasst insgesamt nicht weniger als 40 Versionen mit unterschiedlichen Radständen und Höhen, die für die Beförderung von Gütern und Personen in Form von Kleinbussen geeignet sind.

Bei einer ersten Überarbeitung der Modellreihe im Jahr 1979 wird die Anzahl der Versionen auf 57 erhöht.

Alfa Romeo AR8 (1978-1985)

Alfa Romeo AR8 (1978-1981)

Am 1. Januar 1981 wird das Alfa Romeo "Apomi"-Werk in Pomigliano d'Arco bei Neapel, in dem die Flugzeugmotoren und alle Nutzfahrzeugmodelle der Marke hergestellt werden, in eine doppelte Tochtergesellschaft umgewandelt, von der eine in "ARAVIO" umbenannt und in Alfa Romeo Avio integriert wird, während die andere nun "ARVECO" heißt und dem Geschäftsbereich "Alfa Romeo Veicoli Commerciali" untersteht.

Auf dem 7. Turiner Salon für Industrie- und Nutzfahrzeuge im Mai 1981 stellt Alfa Romeo offiziell die zweite Serie des AR8 vor. Diese zweite Serie zeichnet sich durch einen geänderten Innenraum aus. Hinzu kommen bessere Fahrleistungen durch einen neuen Turbomotor, dessen Hubraum zwar gleich bleibt, dessen Leistung jedoch auf 95 PS steigt.

Alfa Romeo AR8 (1978-1985)

Alfa Romeo AR8 (1981-1988)

Ebenso erfolgt eine Neudefinition der Modellreihe mit den neuen Versionen "Minibus" und "Scuolabus", einem sehr speziellen und in Italien reglementierten Fahrzeug, sowie einer "Kombi"-Version. Die Palette umfasst nun 44 Varianten.

Im selben Jahr 1981 werden der Fiat Ducato und seine auf Alfa Romeo AR6 gebrandete Variante eingeführt. Die Produktion der AR8-Baureihe wird noch bis Ende 1987 fortgesetzt. Ab dem 1. Januar 1988 vermarktet Alfa Romeo keine Nutzfahrzeuge mehr, sondern nur noch Automobile. An ihre Stelle tritt die Fiat Professional-Reihe.