Wie lange behalten Sie ihr Auto und fahren es? Nun, Leasingnehmer würden meist sagen: Drei Jahre und irgendetwas zwischen 30.000 und 40.000 Kilometer. Für andere hingegen muss der fahrbare Untersatz schon aus Kostengründen zehn Jahre und länger halten. Und dann gibt es noch die echten Kilometerfresser, die eine Million und mehr auf dem Tacho haben.

Meist handelt es sich um Taxis, meist von Mercedes. So auch in einem Fall, der aus Gran Canaria berichtet wird. Laut "Teneriffa News" handelt es sich um einen Mercedes 240 D der Baureihe W 123 in der recht seltenen Langversion. Seit 1988 sei die 5,35 Meter lange Limousine auf der Insel als Taxi tätig. Bis zu sieben Pesonen passen hinein, dazu der Fahrer. Einziges Extra des 72 PS starken Diesels: ein Fünfgang-Schaltgetriebe. 

Mercedes W 123 Langversion als deutsches Taxi

Mercedes W 123 Langversion als deutsches Taxi

Hinter dem Rekord-Benz steht ein gewisser Domingo, der auf der Kanaren-Insel als "Dominguito" bekannt wurde. Laut "Teneriffa News" kommt der lange 240 D in drei Schichten zu jeweils acht Stunden zum Einsatz. Das macht pro Tag rund 700 weitere Kilometer. Inzwischen stehe der Wagen bei sieben Millionen Kilometer.

Allerdings ist einiges nicht mehr original: Der 240 D benötigt laut "Teneriffa News" bei einer Fahrleistung von 5.000 Kilometern pro Woche jedes Jahr bis zu 52 Ölwechsel. Hinzu kämen festgelegte Wartungsintervalle. So werde der Motor vom Typ OM 616 bei jeder weiteren Million Kilometer eingehend geprüft. Der aktuelle Motor sei erst das zweite Aggregat unter der Haube. Ersatz stehe bei Bedarf schon bereit.

Dominguito vererbte das Taxi samt Unternehmen an seinen Sohn. 2008 kam einer der Fahrer auf die Idee, den 240 D umfangreich zu restaurieren und ihn zum Aushängeschild des Unternehmens zu machen. Der neue Chef vertraute auf dessen Erfahrung als Mechaniker und ließ ihn machen.

Bildergalerie: Mercedes W 123 Langversion (1977-1985)

Damals stand der Wagen bei 3,8 Millionen Kilometern. Die Fahrleistung wurde seither also fast verdoppelt. Während sich das Unternehmen Mühe gab, möglichst viele Originalteile zu behalten, wurden Fahrersitz und Lenkrad modernisiert. Zudem wurden die Sitze der Fahrgäste neu gepolstert und bezogen.

Die Karosserie erhielt zudem einige Verstärkungen, damit trotz der Dauerbelastung keine Ermüdungsbrüche auftreten. Und auch die aktuell verbauten Bremsen wurden einem moderneren Mercedes entnommen.

So soll der extralange Mercedes W 123 mit einigen Ersatzteilen vom Nachfolger W 124 noch weitere Kilometer-Rekorde knacken. Spätestens zur zehnten Million Kilometer soll dann in Maspalomas auf Gran Canaria wieder groß gefeiert werden.

Im Mercedes-Museum in Stuttgart steht ein weiterer Kilometer-Millionär. Und zwar auch ein 240 D, aber ein Strich-Acht in Normalausführung. Er gehörte einst dem griechischen Taxifahrer Gregorios Sachinidis und weist eine Laufleistung von 4,6 Millionen Kilometer auf. Im Laufe der Jahre wurde aus dem 200 D (55 PS) ein 240 D (65 PS, Chassis und Karosserie waren identisch). Sachinides baute zwei Austauschmotoren ein, elfmal wurde das Aggregat überholt. Zum Abschied schenkte Mercedes dem Griechen annno 2004 einen nagelneuen C 200 CDI.

Bildergalerie: Volvo P1800 (1966) von Irv Gordon

Im Guiness-Buch der Rekorde stehen noch immer der 2018 verstorbene Irv Gordon und sein Volvo P1800. Zum Zeitpunkt des Todes waren 3.260.257 Meilen (ca. 5,2 Millionen km) auf dem Tacho. Nach eigenen Worten hatte Irv Gordon nie das Ziel, mit seinem Wagen irgendeinen Rekord einzufahren. An einem Freitag im Jahr 1966 holte der heute 74-jährige US-Amerikaner den Volvo beim Händler ab – und konnte einfach nicht aufhören zu fahren. Schon am Montag darauf brachte Irv den Wagen wieder zurück – die 1.500-Meilen-Inspektion war fällig.

In der darauffolgenden Zeit pendelte der damalige Lehrer mit dem P1800 täglich zu seinem Arbeitsplatz, schon allein diese Strecke machte 125 Meilen, das sind etwas über 200 Kilometer, aus. Darüber hinaus musste der Wagen für Urlaubsreisen herhalten. Nach zehn Jahren, 1976, waren 500.000 Meilen geschafft, 1987 die Million geknackt.

Ins Guinness-Buch der Rekorde trug er sich schon 1998 ein, als er mit 1,69 Millionen Meilen die längste Strecke zurückgelegt hatte, die je ein einzelner Autobesitzer mit einem Privatauto fuhr. 2002 waren zwei Millionen auf der Uhr, diese Rekordfahrt fand auf dem Times Square in New York statt.

Aus Deutschland sind etwa Laufleistungen von 1,1 Mio. km für einen Audi 80 TDI überliefert, die Toyota Collection in Köln besitzt einen Lexus LS 400 mit einer Million Kilometer. Generell übersteigen bei solchen Tachoständen die Investitionen den eigentlichen Zeitwert. Liebhaberei oder ein persönlicher Bezug siegen hier vor Vernunft.

Ob solche Leistungen in Zukunft noch möglich sein werden? Moderne Autos haben Unmengen an Elektronik und Chips an Bord. Da fragt sich so mancher, ob diese Fahrzeuge für eine wirklich lange Lebensdauer konzipiert worden sind.