Man kennt sie. Und irgendwie auch wieder nicht. Die Rede ist nicht von den eigenen Nachbarn, sondern von Autos, die so unauffällig blieben, dass sie heute nur eingefleischte Fans noch kennen. Solche Modelle müssen nicht zwangsläufig Flops gewesen sein, aber sie liefen unter dem Radar des gewöhnlichen Autokäufers.

In unregelmäßiger Folge holen wir hier unter dem Titel "Kennen Sie den noch?" solche Old- und Youngtimer aus dem Nebel des Vergessens.

Immer neue Varianten, immer neue Nischen: In den vergangenen Jahrzehnten ist die Zahl der Fahrzeugmodelle auf dem Markt in die Hunderte, wenn nicht gar Tausende gestiegen. Im Gegensatz dazu haben gerade jene Hersteller aus Japan sich modellpolitisch stark verschlankt. Zumindest in Europa.

Bildergalerie: Mitsubishi Tredia und Cordia (1982-1990)

Das war in den 1980er-Jahren noch komplett anders. Jede (vermeintliche) Lücke musste gefüllt werden. Mitsubishi etwa sah eine zwischen Lancer und Galant. Um sie zu füllen, kam 1982 der Tredia auf den Markt. Zusammen mit seinem schicken Coupé-Cousin Cordia als eine Art kleiner Bruder des Starion und Nachfolger des Celeste.

Der Name des Tredia leitet sich angeblich von Mitsubishis "Three Diamonds"-Logo ab. In Japan wurde er über eine spezielle Einzelhandelskette namens Car Plaza verkauft. Der Cordia und der Tredia verfügten über einen Frontantrieb und waren ähnlich wie der Mirage alias Colt konstruiert (allerdings größer, nämlich gut 4,28 Meter). Während der Tredia optisch noch dem Lancer ähnelte, setzte man beim Cordia auf eine abgesenkte Frontpartie. Sie wies gewisse Ähnlichkeiten zum C10-Colt ab 1984 auf.

Mitsubishi Tredia und Cordia (1982-1990)

Mitsubishi Tredia (1982-1990)

Mitsubishi Tredia und Cordia (1982-1990)

Mitsubishi Cordia (1982-1990)

Cordia und Tredia verfügten über eine MacPherson-Aufhängung und Scheibenbremsen vorne, eine manuelle Schaltung oder elektrisch gesteuertes Automatikgetriebe und drei Motoren: einen 1,4-Liter-Motor mit 68 PS (50 kW), einen 1,6-Liter-Motor mit 75 PS (55 kW) und einen 1,6-Liter-Motor mit Turbolader mit 115 PS (85 kW), der als erster Motor dieser Art in Japan verkauft wurde. Der 1600 Turbo erhielt Leichtmetallfelgen, eine Motorhaubenhutze und eine Aufkleber/Streifen-Kombination an der Flanke.

Der Tredia wurde in der Regel mit einer relativ umfangreichen Ausstattung angeboten, zu der in der Regel auch Kopfstützen im Fond, ein verstellbares Lenkrad und eine grafische Heizungs- und Lüftungsanzeige (farbige Pfeile, die die Luftbewegung im Innenraum anzeigten) gehörten. Später wurde das Super-Shift-Getriebe mit seinen zwei Schalthebeln bei vielen Modellen durch ein reguläres Fünfgang-Getriebe ersetzt, das jedoch bis zur Einstellung des Tredia im Jahr 1990 verfügbar blieb.

In Europa blieb das Modell bis Herbst 1986 im Programm von Mitsubishi, dann wurde der Import wegen zuletzt geringer Nachfrage eingestellt. Für den asiatischen Markt wurde der Tredia noch etwa vier Jahre produziert. In Deutschland konnte Mitsubishi in vier Jahren lediglich 9.688 Tredia und 6.461 Cordia verkaufen.

Mitsubishi Tredia und Cordia (1982-1990)

Mitsubishi Cordia Cabriolet von Vestatec

Es gab einen 1,6-Liter-Benziner mit 75 PS bzw. als Turbo mit 114 PS (Spitze 183 km/h) sowie einen 1,4- und 1,8-Liter-Vierzylinder mit 70 PS bzw. 90 PS. Preislich begann der Tredia ano 1983 bei 15.490 DM, der 1600 Turbo kostete 19.500 Mark und der Cordia startete bei 17.690 DM. Zum Vergleich: Der schlichteste VW Jetta C mit zwei Türen lag bei 14.048 Mark.

Erstaunlicherweise existieren hierzulande tatsächliche noch eine Handvoll der seltenen Mitsubishis. Zum Stichtag 1. Januar 2023 waren laut Kraftfahrt-Bundesamt noch 22 Tredia und 17 Cordia in Deutschland zugelassen. Der Cordia war eines der ersten Großserienfahrzeuge, das optional mit einem elektronischen Kombiinstrument mit Flüssigkristallanzeige (LCD) angeboten wurde.

Im Jahr 1984 erhielt der Cordia ein Facelift und im selben Jahr wurde auf dem japanischen Heimatmarkt die Option eines Allradantriebs angeboten. Neu war ein 1,8-Liter-Motor, der als Saugmotor 90 PS (66 kW) leistete und mit Turbolader in Europa 136 PS. Hier hieß der Wagen Cordia 1800 Turbo ECI, in 7,8 Sekunden ging es auf 100 km/h. Extrem selten blieb das von der Firma Vestatec umgebaute Cordia Cabrio.