Die Gespräche über eine Partnerschaft von Mercedes-Benz und Rivian sind vorerst beendet. Die beiden Automobilhersteller gaben heute bekannt, dass sie ihre Pläne für den gemeinsamen Bau von Elektro-Vans in Europa aufgeben. Ursprünglich hatten die beiden Unternehmen im September eine Absichtserklärung unterzeichnet, die den Bau eines Transporters für jede Marke vorsah.

Laut RJ Scaringe, CEO von Rivian, ist der Hersteller der Ansicht, dass es am besten ist, sich auf sein aktuelles Privat- und Firmenkundengeschäft zu konzentrieren. Diese stellen "die attraktivsten kurzfristigen Möglichkeiten zur Wertmaximierung" für das Unternehmen dar.

Mathias Geisen, Leiter von Mercedes-Benz Vans, sagte, er verstehe und respektiere die Entscheidung von Rivian. "Die Pause werde jedoch die Pläne von Mercedes-Benz nicht verzögern. Das Tempo der Elektrifizierungsstrategie des Unternehmens bleibe unverändert", so Geisen. Der Autobauer arbeite weiterhin an seinem neuen Werk für Elektrofahrzeuge in Polen und an seiner ersten Fabrik für elektrische Transporter.

Obwohl die beiden die Partnerschaft pausiert haben, ist die Tür zwischen den beiden nicht völlig geschlossen. "Die Erkundung strategischer Möglichkeiten mit dem Team von Rivian in der Zukunft bleibt eine Option", fügte Geisen hinzu.

Die beiden hatten gehofft, dass die Partnerschaft dazu beitragen würde, die Kosten für elektrische Transporter für Nutzfahrzeugbesitzer zu senken, indem sie die Investitionen und Kosten zwischen den beiden Unternehmen teilen. Der ursprüngliche Plan sah vor, dass das spezielle Werk einen Transporter auf der VAN.EA-Plattform von Mercedes-Benz und einen weiteren auf der Rivian Light Van (RLV)-Architektur der zweiten Generation produzieren sollte.

Dies ist nicht die erste Zusammenarbeit zwischen Rivian und einem anderen Hersteller, die ohne die Produktion eines Fahrzeugs endet. Ford und Rivian trennten sich Ende letzten Jahres und beendeten damit ihre Pläne, gemeinsam Fahrzeuge zu produzieren. Ford verkaufte daraufhin Mitte 2022 acht Millionen Rivian-Aktien, woraufhin die Rivian-Papiere abstürzten, da ein anderes Unternehmen ebenfalls zwischen 13 und 15 Millionen Aktien abgab.

Auch ohne die Partnerschaft ist Rivian nicht ohne ein Nutzfahrzeug. Der Automobilhersteller produziert seinen elektrischen Lieferwagen für Amazon, von dem heute über 1.000 Einheiten in mehr als 100 US-Städten Pakete ausliefern. Der Versandhändler hat bei dem Unternehmen insgesamt 100.000 Lieferwagen bestellt. Rivian stellt außerdem den Truck R1T und das SUV R1S her.