Wo verursachen Autofahrer viele und teure Schäden, wo kracht es nur selten? Um das herauszufinden, berechnet der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) jedes Jahr die Schadenbilanzen der rund 400 Zulassungsbezirke in Deutschland und teilt die Bezirke in Regionalklassen ein.

Diese Regionalklassen spielen neben den Einstufungen des Fahrzeugs für Haftpflicht, Teilkasko und Vollkasko und der Schadenfreiheitsklassse des Fahrers eine wichtige Rolle bei der Ermittlung des Beitrags.

"Besonders gute Schadenbilanzen in der Kfz-Haftpflichtversicherung erreichen Brandenburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern: Hier verursachen Autofahrer weniger bzw. weniger teure Schäden als im Bundesdurchschnitt", sagt Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des GDV. Die bundesweit beste Schadenbilanz in der Kfz-Haftpflichtversicherung hat der Bezirk Elbe-Elster in Brandenburg – hier sind die Schäden fast 30 Prozent niedriger als im Durchschnitt.

Kfz-Versicherung Regionalklassen 2022

"Hohe Regionalklassen gelten hingegen insbesondere in Großstädten sowie in Teilen Bayerns: Die schlechteste Schadenbilanz hat wie schon in den Vorjahren Berlin. Dort liegen die Schäden fast 40 Prozent über dem Schnitt", sagt Asmussen. Vereinfacht formuliert: Auf dem Land ist mehr Platz für weniger Autos, ergo weniger Unfälle.

Die Statistiker des GDV haben in diesem Jahr aber nicht nur die Schadenbilanzen der Bezirke berechnet, sondern auch die Regionalklassen neu sortiert. "Die Regionalklassen sollen das Risiko jedes Bezirks gerecht abbilden, also Gleiches gleich und Ungleiches ungleich behandeln", so Asmussen. Damit die Regionalklassen Bezirke mit möglichst ähnlichen Schadenbilanzen bündeln, werden die Klassengrenzen regelmäßig überprüft und bei Bedarf angepasst. Dadurch ergeben sich in diesem Jahr für 168 der 412 Bezirke neue Risikobewertungen.

Kfz-Versicherung Regionalklassen 2022

"Die Veränderungen gleichen sich wie jedes Jahr unter dem Strich aus; daher fallen die Anstiege für 101 Bezirke mit rund 10,1 Millionen Autofahrern im Schnitt geringer aus als die Absenkungen für 67 Bezirke mit rund 5,5 Millionen Autofahrern, die im Schnitt höher ausfallen", sagt Asmussen. Für die restlichen 244 Bezirke mit 26,8 Millionen Kfz-Haftpflichtversicherten bleibt die Risikobewertung nahezu unverändert.

Weniger Änderungen gibt es in den Kasko-Versicherungen: Hier gelten für rund 2,8 Millionen Voll- und rund 3,1 Millionen Teilkaskoversicherte künftig schlechtere, für rund 900.000 Voll- und rund 2,9 Millionen Teilkaskoversicherte bessere Risikobewertungen Grundsätzlich gilt: Je besser die Einstufung in der Regionalklasse, desto günstiger wirkt es sich auf den Versicherungsbeitrag aus. Allerdings lässt sich über eine Veränderung bei der Regionalklasse keine Aussage über die Entwicklung des gesamten Kfz-Versicherungsbeitrages treffen.

Kfz-Versicherung Regionalklassen 2022

Wie stark der Wohnort die Versicherungskosten beeinflusst, zeigen aktuelle Modellrechnungen des Vergleichsportals Verivox. Die Berechnungen basieren auf dem Fahrerprofil für einen 45-jährigen Alleinfahrer eines VW Passat 1.5 TSI.

Berlin ist für Autofahrerinnen und Autofahrer ein teures Pflaster. In der Modellrechnung zahlen Hauptstädter für die Kfz-Haftpflichtversicherung 81 Prozent mehr als Versicherte im ostfriesischen Emden. Für die Teilkaskoversicherung liegen die Prämien 66 Prozent höher und beim Vollkaskoschutz sind es 64 Prozent Kostenunterschied. Das entspricht etwa 243 Euro pro Jahr.

Hintergrund dieser Preisunterschiede ist die Schadenquote, die in Berlin deutlich höher liegt und so für die Einstufung in höhere Regionalklassen sorgt. Um den Regionaleffekt darzustellen, hat Verivox die Versicherungskosten für – abgesehen vom Wohnort – identische Fahrerprofile miteinander verglichen. Ausgewertet wurde die durchschnittliche Beitragshöhe der jeweils fünf günstigsten Angebote aus insgesamt über 400 Versicherungstarifen. Durch die Neueinstufungen können sich regionale Preisunterschiede minimal verändern.

Innerhalb des Stadtgebiets gelten meist deutlich höhere Regionalklassen als im Umland. Das führt stellenweise zu Kostensprüngen zwischen Vorstadtgebieten und den angrenzenden Nachbargemeinden. Verivox-Berechnungen zeigen: Im Berliner Außenbezirk Nikolassee zahlen Autofahrer bis zu 45 Prozent mehr für die Kfz-Versicherung als ihre Nachbarn im brandenburgischen Kleinmachnow. Und das, obwohl sie mitunter in der gleichen Siedlung wohnen. In der Vollkasko entstehen dabei "über den Gartenzaun" Mehrkosten von rund 191 Euro jährlich.

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