Antonello Coletta, der das LMH-Projekt in seiner Funktion als Chef der Abteilung Attivita Sportive GT bei Ferrari leitet, erklärte, dass das erste hauseigene Prototypenprogramm der Marke seit 50 Jahren alle im Unternehmen verfügbaren technologischen Ressourcen nutzt.

"Ich denke, dass die Technologie, die wir bei Ferrari haben, eines der wichtigsten Güter für uns ist. Und es ist normal, dass wir diese Technologie in all unseren Projekten teilen", sagte Coletta gegenüber Motorsport.tv in einem exklusiven Interview für den Ferrari-Kanal.

"Es ist normal, dass das LMH-Projekt Einflüsse aus der Formel 1 nutzt, aber nicht nur aus der Formel 1, sondern auch aus den Straßenautos – es ist eine Synthese unseres Wissens. Unsere Techniker sind eine Mischung aus all dem, und wir hoffen, dass wir ein sehr konkurrenzfähiges und erstaunliches Auto realisieren können."

Er fügte hinzu, dass einige der Lösungen des LMH-Hybrid-Prototyps bereits "aus früheren Erfahrungen sowohl in der Formel 1 als auch bei Straßenautos" stammen. 

"Ferrari ist ein großartiges Unternehmen mit einem sehr bedeutenden technischen Erbe und unsere Rolle war schon immer die eines Innovators", sagte er. "Angesichts des neuen Reglements war es unmöglich, nicht nach Erkenntnissen zu fischen und es ist wichtig zu betonen, dass das LMH nicht das Projekt eines Teils des Unternehmens ist, sondern ein übergreifendes Projekt. Es wäre dumm, das gesamte Know-how, das uns zur Verfügung steht, nicht zu nutzen."

Le Mans 2021

Das LMH-Programm, das im Februar 2021 angekündigt wurde, wird von den neuen Räumlichkeiten von Attivita Sportive GT neben der Ferrari-Teststrecke in Fiorano geleitet. Zusammen mit dem neuen 296 GT3-Rennwagen, der rechtzeitig zur nächsten Saison für die Kunden freigegeben wird.

Coletta bezeichnete die im vergangenen Jahr eröffnete Einrichtung, in der die Abteilungen Competizioni GT und Corse Clienti zusammengelegt wurden, als "ein Zeugnis für die Bedeutung, die Ferrari unserem Geschäft beimisst". 

Er bezeichnete die LMH als "eine wichtige Herausforderung" für Ferrari, da das Unternehmen seine Bilanz von neun Gesamtsiegen bei den 24 Stunden von Le Mans ausbauen will.

Ferrari hat noch keine technischen Details bekannt gegeben – einschließlich der Konfiguration des Verbrennungsmotors. Im Juni wird es aber voraussichtlich eine Ankündigung geben. Der Ferrari LMH, der mit einem Vorderachs-Hybridsystem ausgestattet sein wird, soll im Juli zum ersten Mal fahren, wobei Coletta betonte, dass noch kein festes Datum feststeht.

Der technische Direktor von Attivita Sportive GT, Ferdinando Cannizzo, bestätigte, dass das LMH-Projekt "im Moment im Zeitplan liegt".

Attivita Sportive GT building

Er verriet auch, dass die erste Iteration des LMH bereits vor einem Jahr im Simulator lief.

"Es war eindeutig etwas, das sich Monat für Monat weiterentwickelte, nachdem wir uns die Ergebnisse angesehen hatten. Jede Sitzung brachte eine neue Idee auf den Tisch", erklärte er. "Das Auto existiert virtuell und wir entwickeln es ständig weiter. Jetzt sind wir gespannt darauf, das Auto auf der Strecke zu sehen."

Coletta bekräftigte Ferraris Absicht, die Tests mit Fahrern aus dem bestehenden GT-Kader zu beginnen, zu dem auch die amtierenden WEC GTE Pro-Meister Alessandro Pier Guidi und James Calado gehören.

Außerdem deutete er erneut ein zukünftiges Engagement von Ferrari in der Topklasse der IMSA SportsCar Championship an, nachdem die nordamerikanische Serie Mitte letzten Jahres den Weg für LMH-Maschinen in ihrer Serie frei gemacht hatte.

"Für Ferrari ist der US-Markt von entscheidender Bedeutung", sagte er. "Aber im Jahr 2023 werden wir nur noch in der WEC aktiv sein."