Kleintransporter bis zu einem zulässigen Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen prägen das Straßenbild in Deutschland. Jeder nutzt sie und sie sind überall. Egal ob im beruflichen Einsatz bei Handwerkern und Lieferdiensten oder als Camper im Freizeitbereich.

Aber wie ist es eigentlich um die Sicherheit dieser Fahrzeuge bestellt? Dies wollten nun der ADAC und EuroNCAP nach einem ersten Test im Jahr 2020 erneut herausfinden. Und das Ergebnis ist ziemlich ernüchternd ...

Vollausstattung gegen Basisausstattung

Auch zwei Jahre später ist keins der 19 getesteten Modelle serienmäßig mit Sicherheitssystemen wie dem Notbremsassistenten ausgestattet. Lediglich ein Gurtwarner ist ab Werk in den Fahrzeugen verbaut. Mehr Sicherheit gibt es also immer noch nur gegen Aufpreis. EuroNCAP hat deshalb die Transporter ebenfalls mit optionaler Vollausstattung untersucht, hier erreichen zumindest 18 Transporter eine Auszeichnung in den Abstufungen "Platin", "Gold", "Silber" oder "Bronze".

Doch nach Einschätzung des ADAC werden bei dieser Fahrzeugklasse eher die Standardmodelle ohne aufpreispflichtige Extras gekauft. Daher hat sich der Automobilclub die 19 Modelle mit der in Deutschland erhältlichen Basisausstattung genauer angesehen. Und hier wird es erschreckend, denn 18 der 19 getesteten Transporter bewertet der ADAC mit nicht empfehlenswert. Nur der Mercedes-Benz Vito kann "Bronze" erreichen.

Hier finden Sie die Ergebnisse in der detaillierten Übersicht:

ADAC Sicherheitsrisiko Kleintransporter
ADAC Sicherheitsrisiko Kleintransporter

Die Unfallzahlen mit Kleintransportern zeigen aber einen dringenden Handlungsbedarf. Laut Statistischem Bundesamt war diese Fahrzeugklasse 2019 in über 14.000 Unfälle mit Personenschaden verwickelt Es kam zu insgesamt 126 Todesfällen und in 66 Prozent der Fälle waren Kleintransporter die Hauptverursacher. Besonders Auffahrunfälle oder Unfälle mit Fußgängern und Radfahrern könnten laut ADAC durch einen Notbremsassistenten verhindert oder zumindest abgemildert werden.

GSR ab Juli 2022

Viele Assistenzsysteme sind deshalb ab Juli 2022 für neue Typgenehmigungen gesetzlich vorgeschrieben. So müssen Nutzfahrzeuge und Busse bis 3,5 Tonnen im Rahmen der "General Safety Regulation" mit einem autonomen Notbremssystem ausgestattet sein. Zwei Jahre später auch mit Erkennung von Fußgängern und Radfahrern.

Obwohl diese Systeme also bereits vorhanden sind, bieten Hersteller sie für ihre Transporter-Modelle nicht serienmäßig an. Und durch Förderprogramme des Bundes für die Beschaffung optionaler aktiver Sicherheitssysteme im Fahrzeug könnte die Zahl der Unfallopfer im Straßenverkehr durch Kleintransporter schon vor der Verpflichtung durch die "General Safety Regulation" nennenswert verringert werden.