Der stärkste E30 konnte auch praktisch sein

Name: BMW M3 Pick-up (intern: d'Resi)
Premiere: 1986
Technische Daten: 2,0-Liter-Vierzylinder, 192 PS; später: 2,3-Liter-Vierzylinder, 200 PS.

Hintergrund:

BMW bereitet sich auf die Realisierung eines Modells vor, das sich die Fans seit Jahren wünschen: den 2021er M3 Touring. Wir wollen uns aber an einen noch ungewöhnlicheren Karosserietyp erinnern, der im Vergleich zum Kombi-M3, der mit der G80-Generation in unser Leben kommt, nur eine verrückte Idee blieb.

1986 zeigte BMW eine leistungsorientierte Version des damaligen 3er der Baureihe E30: den M3. Um im Tourenwagen-Sport antreten zu können, musste der E30 M3 zwecks Homologation in mindestens 5.000 Einheiten produziert werden. Aufgrund des großen Interesses erschienen jedoch insgesamt 17.970 M3 (E30) auf den Straßen und schrieben überdies Rennsport-Geschichte.

Bildergalerie: BMW M3 (E30) im Fahrbericht

Als der BMW M3 der ersten Generation auf den Markt gebracht wurde, weckten seine herausragenden dynamischen Talente nicht nur bei den Kunden, sondern auch innerhalb der für dessen Entwicklung verantwortlichen BMW Motorsportabteilung Begehrlichkeiten. Wäre er doch der perfekte Wagen für den standesgemäßen Transport von Arbeitsgerätschaften und Bauteilen auf dem Werksgelände der heutigen BMW M GmbH in München-Garching. Das Problem: Bei allen erwiesenen Talenten des ersten BMW M3 – der Gütertransport zählte nur bedingt dazu.

Die Lösung für dieses Problem war schnell gefunden: Aus der Karosserie eines BMW 3er Cabriolets entstand ein BMW M3 Pick-up. "Die Wahl für eine Cabrio-Rohkarosse als Basis fiel aus zwei Gründen", erinnerte sich Jakob Polschak, Leiter Fahrzeugmusterbau und Werkstätten der BMW M GmbH, im Jahr 2016. "Zum einen hatten wir damals zufälligerweise ein solches Fahrzeug in intaktem Zustand zur Verfügung. Zum anderen eignete sich das Cabrio dank der bereits eingebauten Verstärkungen perfekt für einen Umbau zum Pickup."

Vergessene Studien: BMW M3 Pick-up (1986)

Der erste BMW M3 Pick-up verfügt nicht über die markanten ausgestellten Kotflügel des Originals, sondern trägt die schmale Karosserie des zivilen Großserien-Bruders. Unter der Haube kam zunächst der Motor des sogenannten "Italien-M3" zum Einsatz, der wegen der dort geltenden Steuerbestimmungen auf zwei Liter Hubraum reduziert wurde und 192 PS leistete.

"Zu einem späteren Zeitpunkt haben wir dann aber auf den originalen, 2,3 Liter großen Vierzylinder mit 200 PS umgerüstet", verrät Polschak. Mehr als 26 Jahre verrichtete der BMW M3 Pick-up auf dem Werksgelände zuverlässig seinen Dienst, bis er 2012 in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet wurde.

Als der anfangs beschriebene BMW M3 Pick-up der ersten Generation nach rund einem Vierteljahrhundert im Einsatz langsam doch anfing, erste ernsthafte Verschleißspuren zu zeigen, wurde es Zeit für einen Nachfolger. Wie schon bei der Premiere wählten die Verantwortlichen wegen der bereits vorhandenen Verstärkungen eine Cabrio-Karosserie.

"Nachdem die Umbaumaßnahmen im Frühjahr 2011 zunächst ihren normalen, weitgehend unspektakulären Weg gingen, entstand plötzlich die Idee, das Fahrzeug für den bevorstehenden 1. April als entsprechenden 'Scherz' zu verkaufen", so Polschak. Zur Vorbereitung darauf tauchten im Vorfeld des Datums unter anderem Erlkönig-Fotos von Abstimmungsfahrten auf der Nürburgring-Nordschleife auf, die die Spekulationen um das vermeintlich geplante Serienmodell anheizten.

Bildergalerie: BMW M3 Pick-up (2011)

Mit Erfolg: Entsprechende Berichte jener Zeit zeigen, dass viele Journalisten und Blogger die Gerüchte ernst nahmen. Auch die am 1. April 2011 veröffentlichte offizielle Pressemitteilung klärte die Angelegenheit eher halbherzig auf, präsentierte den BMW M3 als "vierte Karosserievariante" nach Limousine, Coupé und Cabrio. "309 kW/420 PS unter der Motorhaube und bis zu 450 Kilogramm Nutzlast über der Hinterachse heben das für BMW M Automobile typische Verhältnis zwischen rennsportorientierter Fahrfreude und Alltagstauglichkeit in eine ganz neue Dimension", hieß es weiter.

Auch wurde darauf hingewiesen, dass der cw-Wert nur knapp über dem des BMW M3 Coupé liege, der Wagen 50 Kilogramm leichter sei als das Cabrio und sich durch Herausnehmen des 20 Kilogramm schweren Targadachs zur zusätzlichen Optimierung der Fahrdynamik der Schwerpunkt weiter senken lasse.

Erst im letzten Absatz folgt der dezente Hinweis, dass es sich um ein Einzelstück für den Einsatz als Werkstatt-Transportfahrzeug handele – das aber im Gegensatz zu seinem Vorgänger sogar über eine Straßenzulassung verfüge.

Bildergalerie: Vergessene Studien: BMW M3 Pick-up (1986)